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Scherwey: «Ich vergesse nie, woher ich komme»

Zwei Spiele, drei Punkte: Tristan Scherwey setzt bei seiner ersten WM für die Schweiz sogleich Akzente. Er sagt: «Ich habe das Wissen in mir, dass ich über viele Qualitäten verfüge.»

Aufwärmen für die letzten Grosstaten: Tristan Scherwey ist nach einer sehr langen Saison nochmals «giggerig» auf Eishockey.
Aufwärmen für die letzten Grosstaten: Tristan Scherwey ist nach einer sehr langen Saison nochmals «giggerig» auf Eishockey.
Salvatore di Nolfi (Keystone)

Zuerst müssen wir eine Frage klären: Zählen Sie nun zu den WM-Neulingen oder nicht?Tristan Scherwey:Absolut. Das ist meine erste Weltmeisterschaft. Es würde mir nie im Leben in den Sinn kommen, mir die WM 2015 in Prag ebenfalls anzurechnen. Damals war ich Zuschauer, heute bin ich Spieler. Das ist ein riesengrosser Unterschied.

In Prag wurde Ihnen von Nationalcoach Glen Hanlon eines Abends beschieden, Sie sollten sich bereithalten, Sie würden am nächsten Tag spielen. Es war ein leeres Versprechen. Sie ­kamen nie zum Einsatz. Ich war bitter enttäuscht. Und trotzdem war es irgendwie eine coole Zeit. Ich hatte Gelegenheit, Prag kennen zu lernen. Aber an einer WM willst du nicht Tourist sein – du willst spielen.

Nun spielen Sie – und wie. Beim 2:0 gegen die Slowakei gelang Ihnen Ihr erstes WM-Tor. Wie war das Gefühl? Sehr speziell. Ich habe hart dafür gearbeitet, einen solchen Moment erleben zu dürfen. Zuerst merkte ich gar nicht, dass der Puck ins Tor ging, ich hatte ihn kaum gespürt. Umso grösser war die Freude über das Tor. Wir haben Schüsse geblockt, Charakter gezeigt. Die Leistung gibt uns Zuversicht für die weiteren Partien.

Im Februar das Olympiadebüt, drei Monate später die WM-Premiere: Das ist . . . . . . Das ist megacool – oder nicht? (lacht) Aber letztlich geht es um die Mannschaft: In Pyeongchang haben wir nicht gut gespielt. In Kopenhagen wollen und müssen wir es besser machen. Aber ganz ehrlich: In meiner Karriere hatte ich noch nie eine Saison, von der ich sagte, sie sei lang. Aber dieses Mal sage ich: Sie ist sehr lang. Das spüre ich.

In Form von Müdigkeit? Ich bin in der Vorbereitung mit viel Freude zum Team gestossen. Aber mental hatte ich Mühe, fühlte mich ausgelaugt. Doch seit einer Woche bin ich wieder frisch und richtig «giggerig» auf Eishockey. Die Batterien sind aufgeladen. Ich bin bereit für die letzten Tage der Saison.

In welchem Bereich haben Sie den grössten Entwicklungsschritt gemacht, der Sie an die Olympische Spielen und die Weltmeisterschaft geführt hat? Im Zentrum steht das Selbstvertrauen. Ich habe das Wissen in mir, dass ich über viele Qualitäten verfüge. Ich meine das überhaupt nicht arrogant. Aber ich spiele auch gerne mit dem Puck, traue es mir mittlerweile zu, gute Spielzüge zu machen.

Das habe ich im Club gezeigt, das möchte ich im Nationalteam zeigen. Ich will mich nicht verstecken. Aber ich vergesse nie, woher ich komme. Meine erste Aufgabe ist es, viel Energie ins Spiel zu bringen. Anderen fallen die Dinge in den Schoss. Ich bin einer, der sich alles erkämpfen muss. Diese Einstellung behalte ich bei. Und ich bin glücklich, wenn ich nun sehe, dass es sich lohnt, zu kämpfen.

Wollen wir noch über das Saisonende den SC Bern sprechen? Wenn es sein muss. (lacht)

Hadern Sie noch mit dem Playoff-Aus gegen die ZSC Lions? Ich hatte Mühe, das Ausscheiden zu verarbeiten. Ich hasse es, als Verlierer vom Eis zu gehen. So weh mir diese Worte tun, aber: Zürich hat uns verdientermassen rausgeworfen. Der ZSC spielte über vier Linien entschlossener, konsequenter.

Er hatte auch das nötige Glück, das du brauchst, wenn du Meister werden willst. Die Sache ist abgehakt. Aber vergessen tust du so etwas nie. Wir haben die Chance verpasst, mit einem dritten Titel in Folge Geschichte zu schreiben. Das wird mich immer schmerzen.

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