«Mit meinem Abgang will ich den Club retten»

Servettes Präsident Hugh Quennec zieht sich per sofort zurück. Ob das den klammen Genfern hilft, wird sich zeigen.

Unpopulärer Chef: Hugh Quennec (r.) schaut sich mit Ex-Tennis-Profi Marc Rosset das Heimspiel von Servette gegen den SCB an. (18. Januar 2018)

Unpopulärer Chef: Hugh Quennec (r.) schaut sich mit Ex-Tennis-Profi Marc Rosset das Heimspiel von Servette gegen den SCB an. (18. Januar 2018)

(Bild: Keystone Salvatore Di Nolfi)

Zehn Tage nachdem die vier Verwaltungsräte (inklusive Hugh Quennec) nochmals 1,2 Millionen Franken eingeschossen haben, tritt Hugh Quennec als Präsident des Genève-Servette Hockey Club zurück. Vor seiner Rücktrittsankündigung hatte der 52-jährige Anwalt aus Kanada alle seine Aktien an den Verein aus der National League abgegeben.

Servette kommunizierte den Abgang des Präsidenten anderthalb Stunden vor dem Derby gegen Lausanne. Die Stiftung «Fondation 1890» übernahm die Aktien. Die Stiftung – die gleiche die 2015 schon den Servette FC gerettet hat – will das Club-Schiff vorerst primär über Wasser halten. Dazu schiesst sie die notwendigen finanziellen Mittel zur Begleichung der dringendsten Rechnungen ein. Nachfolger von Quennec als Präsident ist François Bellanger. Der Genfer Rechtsanwalt befindet sich seit dem 22. März 2017 an Bord in Servettes Führungsgremium – dem Tag, an dem Chris McSorley als Headcoach zurückgetreten ist.

Grosser Druck von aussen

Quennec beugte sich auch dem öffentlichen Druck. Nachdem er vor zehn Tagen offenbar nochmals das Portemonnaie geöffnet hatte, wurde er trotzdem in der Les-Vernets-Eishalle gnadenlos ausgepfiffen. Er erhielt diese Woche den Kaktus der «L'Illustré». Immer wieder wurde um die düstere Zukunft des Hockey-Clubs der Vergleich bemüht, wie Quennec von 2013 bis 2015 schon Servettes Fussballsektion in den Ruin getrieben hat.

Eigentlich war klar: Mit Quennec an der Spitze hätte Servette in Genf keine Chance mehr gehabt. Und so meinte Quennec denn auch: «Mit meinem Abgang will ich den Klub retten.» Quennec stand seit 2006 dem Genève-Servette Hockey Club vor.

Schulden von 6 bis 8 Millionen Franken

Über die Info-Kanäle des Klubs erklärte Quennec seinen Abgang. Der Klub habe in den letzten zwei Saisons schwere Zeiten durchgemacht. Quennec sprach von Budgetproblemen und Liquiditäts-Engpässen. Als Präsident sei er für diese diffuse Situation verantwortlich. Deshalb habe er sich entschlossen, per sofort zu demissionieren und sich aus allen Positionen zurückzuziehen.

In Genf rechnet man per Ende Saison mit einem Schuldenberg von acht Millionen Franken. Diese horrenden Zahlen hatte Quennec Mitte Januar noch dementiert: Ende Saison sollen die Schulden maximal sechs Millionen Franken betragen. Wie schlimm es um den GSHC steht, dürften die neuen Leute am Ruder in den nächsten Wochen und Monaten bekannt geben. Klar ist: Die Zukunft des Vereins ist nicht gesichert. Das neue Stadion-Projekt wurde von der Gruppe um Quennec bereits um rund drei Millionen Franken gestutzt.

Das Lob an Quennec

Auch der neue Präsident meldete sich am Freitag zu Wort. Er verlor kein schlechtes Wort über seinen Vorgänger: «Ich verdanke die Arbeit und das Engagement von Hugh Quennec», so Bellanger. «Unter Quennec wurde Servette ein Hockeyclub, der in der Schweiz wahrgenommen wird, der zweimal den Spengler Cup gewann und zweimal den Playoff-Final erreichte. Quennec leistete auch Pionierdienste – beispielsweise beim Engagement für den Nachwuchs.» Bellanger rief in Erinnerung, dass Quennec in den letzten zwölf Jahren viel Gutes geleistet habe – und jetzt nicht nur an der schwierigen Situation bei seinem Abgang gemessen werden sollte.

fal/sda

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