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Ein Quintett allein kanns nicht richten

Der SC Bern unterliegt in Genf 2:4. Es gibt aber auch eine gute Nachricht: Tristan Scherwey ist wieder da.

Da ist die Berner Welt noch in Ordnung: Thomas Rüfenacht sorgt früh für den SCB-Führungstreffer.
Da ist die Berner Welt noch in Ordnung: Thomas Rüfenacht sorgt früh für den SCB-Führungstreffer.
Salvatore di Nolfi/Keystone

In der Endphase beordert Coach Kari Jalonen Pascal Caminada vom Eis, und tatsächlich gelingt Simon Moser für den SC Bern der Anschlusstreffer. Als der Meister gegen Servette mit Nachdruck das 3:3 anstrebt, kommen Erinnerungen an den letzten Match zwischen diesen beiden Clubs auf, auch wenn die Rollen vertauscht sind. Am 21. März hatte Servette in der Schlussminute des sechsten Playoff-Viertelfinal-Matchs ohne Goalie ein 0:2 wettgemacht, worauf sich das längste Spiel in der Schweizer Eishockeygeschichte (117 Minuten und 43 Sekunden) entwickelte.

Eine Wiederholung des epischen Duells, das mit einem Treffer Mark Arcobellos sein Ende gefunden hatte, ist in der Qualifikation aufgrund des Reglements nicht möglich. Doch das ist unerheblich, denn diesmal kommt es nicht zur Verlängerung. 13 Sekunden vor Schluss befördert Tanner Richard den Puck ins verlassene Berner Gehäuse und sorgt mit dem 4:2 für die Entscheidung. «Wir haben unsere Chancen gehabt, aber es ist nicht unverdient, haben die Genfer gewonnen», gibt Thomas Rüfenacht kurz darauf zu.

Zu viele Chancen zugelassen

Nicht nur, weil der Flügel den SCB 1:0 in Führung brachte, deutete im ersten Drittel noch wenig auf einen Sieg der Einheimischen hin. Die Mutzen vermochten die Servettiens vom erstmals in dieser Meisterschaft von Caminada gehüteten Tor fernzuhalten und selber einige Gefahrenmomente zu kreieren. Der Keeper sah beim Ausgleichstreffer unglücklich aus, zeigte in der Folge aber etliche spektakuläre Paraden. «Mir gefiel, dass Caminada nach dem 1:1 konzentriert blieb. Er gab uns die Möglichkeit, die Partie zu gewinnen», lobt Jalonen, der 19 gute Torchancen für Servette registrierte. Eindeutig zu viele für den Geschmack des Erfolgstrainers. «Gewöhnlich sind es weniger als 15.»

Entscheidend für den Ausgang der Begegnung war das Mitteldrittel, in dem Servette aus dem 1:1 ein 3:1 machte. Die Genfer setzten die Besucher mit ihrer körperbetonten, gradlinigen Spielweise unter Dauerdruck – die Mutzen gerieten auf gefrorenem Wasser immer wieder ins Schwimmen. «Sie taten mehr für den Sieg. Sie haben im zweiten Drittel aufgedreht, von uns ist hingegen nicht mehr viel gekommen», übt Rüfenacht im Nachgang Selbstkritik. «Die Genfer waren nach dem ersten Drittel auf dem ganzen Eis bissiger.» Und der Cheftrainer moniert: «Wir befanden uns zu oft in der eigenen Zone. Wir kamen mit dem gegnerischen Forechecking nicht zurecht; es gelang uns zu selten, die Angriffe richtig auszulösen.»

Scherwey zurück in Bern

Nach vier absolvierten Partien weist der SCB sieben Punkte auf; der Meisterschaftsauftakt ist also weder glänzend ausgefallen noch missglückt. Auffallend ist, dass der Meister als einzige Mannschaft noch keinen einzigen Powerplay-Treffer erzielt hat. «Wie kannst du Powerplay-Tore schiessen, wenn du nie in Überzahl bist?», fragt Jalonen rhetorisch. Der Finne will analysieren, weshalb sein Team bisher nur selten von gegnerischen Strafen profitiert hat. Auch Rüfenacht hat in diesem Bereich ein Problem geortet. «Wir müssen schauen, dass wir zu mehr Powerplay-Möglichkeiten kommen. Das kann matchentscheidend sein. Zudem gilt es, im Powerplay kaltblütiger zu werden», hält der Routinier fest.

Dass in Genf Rüfenacht und Moser jeweils auf Pass Arcobellos trafen, ist kein Zufall. Denn bisher vermögen nur die erste Sturmlinie, die schon lange in dieser Zusammensetzung agiert, sowie das Verteidigerpaar Ramon Untersander/Eric Blum sowohl offensiv als auch defensiv zu überzeugen. Jeder aus diesem Quintett ist bei mindestens sieben Toren und maximal einem Gegentreffer auf dem Eis gestanden. Alle anderen weisen höchstens eine ausgeglichene Bilanz auf – einerseits mangels Effizienz im Abschluss, andererseits aufgrund ungenügender Abstimmung in der Defensive.

In dieser Hinsicht ist die Rückkehr Tristan Scherweys, der nach kurzem Gastspiel bei den Ottawa Senators ab Montag wieder mit dem SCB trainiert, eine gute Nachricht. Sie erlaubt es Jalonen, die Stürmer für die hinteren drei Formationen anders zu sortieren und so dem Team neue Impulse zu verleihen. Ob das gelingt, wird sich erstmals am Dienstag in Lugano zeigen.

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