Ein Derby wie ein Spiegelbild

Der EHC Biel bezwingt die SCL Tigers 4:3 nach Penaltyschiessen. Die Bieler verschaffen sich damit ein kleines bisschen Luft im Kampf um einen Playoffplatz. Die Langnauer können gelassen bleiben.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Hier die Langnauer Kurve: Unisono in Rot erschienen, begrüssen die Fans ihr Team mit einem Transparent auf dem grosse Letter den «Mythos us Langnau» preisen. Dort die Bieler Kurve: Die Fans verzichten auf eine Choreo, dafür appellieren sie an die Mannschaft mit folgenden Lettern: «Nid d Ufsteuig zeut, sondern d Isteuig. Kämpfet, Bieler, kämpfet.» Besser kann man die Gemütslage der beiden Lager kaum illustrieren. Die Frage ist längst nicht mehr, ob die SCL Tigers das Playoff erreichen – sondern nur noch wann. Der EHC Biel dagegen, der so stark in die Saison startete, muss genau darum zittern.

Nervenaufreibende zweieinhalb Stunden später aber sind es die Bieler, die sich in den Armen liegen. Es sagt viel darüber aus, wie ausgelassen die Fans den 4:3-Sieg nach Penaltyschiessen und damit die zwei gewonnenen Punkte feiern. Denn sie könnten in der Endabrechnung Gold wert sein aus Seeländer Optik. Der EHCB hat nun einen Zähler auf den 9. Platz gut gemacht, liegt vier Punkte vor Lugano. Die SCL Tigers derweil dürften die Heimreise gelassen angetreten haben. Weil die Differenz auf den Strich weiterhin acht Punkte beträgt.

Fahrig hier, präsent da

Weshalb sich die Seeländer seit Wochen schwer tun, die Emmentaler dafür mit viel Mumm agieren, wird im Derby offensichtlich. Das Bieler Powerplay – die Ausbeute liegt unter dem Liga-Durchschnitt – ist einmal mehr kein Faktor. Aus 7 Gelegenheiten resultiert nur ein Tor, der 2:2-Ausgleich durch Mathieu Tschantré. Und bei numerischem Gleichstand auf dem Eis gelingt es den Seeländern selten, Akzente zu setzen. Sie laufen viel, aber betreiben auch viel Leerlauf.

Die SCL Tigers dagegen sind in den Zweikämpfen bissig, und sowohl vor dem eigenen als auch dem gegnerischen Tor präsent. Vor allem aber strotzt die Equipe Heinz Ehlers’ vor Selbstvertrauen. Ihr gelingt nach dem frühen Rückstand – Marc-Antoine Pouliot eröffnete nach drei Minuten das Skore – rasch eine Antwort. Und es ist kein Zufall, markiert Eero Elo das 1:1. Der Finne ist gewissermassen das Spiegelbild der Langnauer; in den letzten sechs Partieren traf er sechs Mal.

Und die Bieler? Sie geraten nach dem Ausgleich vollkommen aus der Bahn, agieren fehlerhaft und fahrig. Als die SCL Tigers nach Anton Gustafssons 2:1 sehr nahe an der Vorentscheidung sind, das Tor von Jonas Hiller mal um mal unter Beschuss nehmen, zieht Antti Törmänen die Notbremse. Bereits zur Spielhälfte nimmt der Bieler Coach sein Time-Out, redet auf seine Mannen ein. Zwar erfolgt eine Reaktion, doch wie fragil das zu Saisonbeginn noch so unerschütterliche Gebilde ist, zeigt sich im letzten Drittel: Rajan Sataric gelingt in der 47 Minute das 3:2, nur 69 Sekunden später egalisiert Pascal Berger das Skore wieder.

Und so geht es am Ende in der mit 6357 Zuschauer nicht ganz ausverkauften Tissot-Arena drunter und drüber. Zuerst können die Bieler die letzten zweieinhalb Minuten in Überzahl agieren, danach kassieren sie in der Verlängerung zwei Strafen, können sich aber mit Händen und Füssen wehren.

Was bleibt nach diesem Berner Derby? Für die Bieler geht es am Samstag in Ambri darum, sich gegen einen weiteren Konkurrenten im Strichkampf zu behaupten. Die SCL Tigers dagegen können gegen Gottéron in der bereits ausverkauften Ilfishalle Grosses vollbringen. Sollten sie nämlich gegen die Freiburger gewinnen, dürften sie kaum mehr von einem Playoffplatz zu verdrängen sein.

Berner Zeitung

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