Die Sache mit dem Selbstvertrauen

Der SCB führt gegen die SCL Tigers 2:0 und 3:1, zittert sich aber erst in der Verlängerung zum Sieg. Andrew Ebbett trifft dreimal und leistet einem Duo Anschubhilfe. Simon Moser verhindert das unliebsame Rendez-vous mit dem Penaltyschiessen.

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Reto Kirchhofer@rek_81

Selbstvertrauen ist etwas Flüchtiges – es kommt und geht. Der langjährige NHL-Stürmer Markus Näslund hat einmal gesagt: «Habe ich ein Tor erzielt, verspüre ich das Gefühl, als könnte ich in jedem Einsatz treffen. Skore ich ein paar Spiele lang nicht, zweifle ich, ob ich überhaupt je wieder treffen werde.» SCB-Angreifer Andrew Ebbett hat einmal gesagt: «Habe ich eine Durststrecke, schiesse ich so oft wie möglich. Das Gesetz des Durchschnitts besagt: Je häufiger du schiesst, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit, dass du triffst.»

Im gestrigen Berner Derby gab der Kanadier acht Schüsse ab. Viermal kam der Puck aufs Tor, dreimal zappelte er im Netz. Mit dieser Quote setzte Ebbett allerlei Wahrscheinlichkeiten ausser Kraft – und die SCL Tigers ausser Gefecht. Der SC Bern gewann 4:3 nach Verlängerung. Und Ebbett als Spieler des Abends: Das passte ganz gut. Der Kanadier steht nicht im Verdacht, ein Tänzer und Künstler auf Kufen zu sein. Was die Berner und die Langnauer am Freitag boten, basierte auch vielmehr auf Kampf denn auf Kunst.

Die Linie gefunden?

Die Gäste kamen vorerst zu den besseren Chancen. Dass sie das SCB-System zu knacken wissen, ist spätestens seit letzter Saison bekannt, als es die Tigers ausgezeichnet verstanden hatten, den Bernern die Kontrolle zu überlassen, ohne in Passivität zu verfallen – und die Fehler beim Gegner resolut auszunutzen. Dieses Mal war es im Startdrittel aber so, dass Langnau häufiger den Puck und mehr vom Spiel hatte, von den Unzulänglichkeiten des SCB aber nicht profitierte. Calle Andersson etwa ermöglichte den Emmentalern zweimal eine gute Gelegenheit.

Das Tor aber fiel für das Heimteam: Ebbett profitierte von schöner Vorarbeit Vincent Praplans. Die Linie mit den beiden Flügeln sowie dem Slowenen Jan Mursak als Center entwickelte sich zur auffälligsten. Früh im Mitteldrittel gewann Praplan in der neutralen Zone den Puck gegen Andrea Glauser, wieder veredelte Ebbett die Vorarbeit. Coach Kari Jalonen klatschte mit den Protagonisten ab – und dürfte sich in Gedanken womöglich auf die Schulter geklopft haben.

Der Finne hat seit Saisonstart allerhand versucht, um das Duo Mursak/Praplan in Schwung zu bringen. Zu Beginn ergänzte ein defensiv starker Flügel (Alain Berger) die beiden Angreifer. Später war es ein schneller Energiespieler (Tristan Scherwey). Danach nahm Jalonen Mursak und Praplan auseinander, um sie anschliessend mit Ebbett zu vereinen. Und am Freitag, endlich, schien beim Trio das Selbstvertrauen nach dem 2:0 allgegenwärtig zu sein.

Dank Moser keine Penaltys

Aber eben: Flüchtig wie ein Gas entwich es wieder. Die Formation stand fortan bei zwei Gegentoren auf dem Eis. Beim 1:2 fand ein Rückpass von Eric Blum nicht den gewünschten Abnehmer. Beim 2:3 (44. Minute) galt dasselbe für Praplans Zuspiel. «Ich denke, wir haben uns als Linie gefunden. Während zweier Drittel klappte das sehr gut», sagte Praplan. «Aber im dritten Abschnitt waren wir zu verspielt.»

Fortan wankte der Meister bedenklich, wirkte alles andere als gefestigt. Bern kam kaum mehr aus der Zone – und Langnau dank dem Finnen Harri Pesonen zum Ausgleich. Vier Sekunden vor Ende der Verlängerung bewahrte Captain Simon Moser sein Team vor einem Penaltyschiessen. Die Saisonbilanz der Berner in dieser Disziplin lautet: 18 Versuche, 1 Tor. So aber durften die Berner dem Hattrick-Schützen Ebbett in der Garderobe die Ehre erweisen und ihre Mützen aufwerfen. Nur: Wenig hatte gefehlt, und die Spieler hätten ihre Kappen nach Spielende tief ins Gesicht ziehen müssen.


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Berner Zeitung

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