Die andere Auswirkung des Trainerwechsels

Nie in ihrer Klubgeschichte haben die SCL Tigers mehr Saisonabonnemente verkauft als in dieser Saison, die Ilfishalle ist im Schnitt zu fast 95 Prozent ausgelastet.

Euphorie in Langnau: Eero Elo und die Tigers-Fans jubeln.

Euphorie in Langnau: Eero Elo und die Tigers-Fans jubeln.

(Bild: Andreas Blatter)

Selten in den letzten Jahren hat ein Trainerwechsel im Schweizer Eishockey derart viel bewirkt. Seit der Entlassung Scott Beatties respektive der Einstellung von Heinz Ehlers Anfang Oktober läuft es den SCL Tigers massiv besser. Holte das Team unter dem Kanadier in 10 Partien 5 Punkte, hat es unter den Fittichen des ­Dänen in 17 Partien 28 Zähler ­gewonnen.

Und es gibt einen weiteren statistischen Vergleich, der die Wichtigkeit des Entscheids untermauert: In den fünf Heimspielen mit Beattie an der Bande kamen im Durchschnitt 5443 Zuschauer in die Ilfishalle. Seit ­Ehlers’ Ankunft haben die Tigers neunmal vor eigenem Anhang ­gespielt; fünfmal war das Stadion ausverkauft, im Mittel waren 5841 Fans zugegen.

Ehlers meint, der Rückhalt sei gewaltig. «Langnau ist alles ­andere als eine Grossstadt. Solch ein Fanaufmarsch ist beeindruckend.» Derweil spricht Verwaltungsratspräsident Peter Jakob von einer Entwicklung, die nach dem miserablen Saisonstart mit neun Niederlagen nicht absehbar gewesen sei.

«Nach jedem Heimspiel vergleichen wir die Einnahmen mit dem Vorjahr. Was die ­Zuschauerzahlen betrifft, hinkten wir zu Beginn der Qualifikation klar hinterher. Ich bin ehrlich: Dies war mit ein Grund dafür, dass wir den Trainer wechselten.»

Die Krux mit dem Gästesektor

Mittlerweile ist die Differenz zur Vorsaison, als der Schnitt trotz verpassten Playoffs 5868 Fans betragen hatte, auf ein Minimum geschrumpft. Es gelang den Emmentalern, die Euphorie zu konservieren. Über 4600 Saisonabonnemente sind verkauft worden, was Rekord bedeutet, wie Peter Jakob bestätigt.

Die Stadionauslastung beläuft sich auf 94,98 Prozent, in der NLA steht diesbezüglich einzig der europäische Zuschauerkrösus SC Bern noch leicht besser da. Nicht unerwähnt bleiben darf allerdings, dass die SCL Tigers in der kleinsten Arena (6000 Plätze) spielen.

Weil mittlerweile genügend Events in den Räumlichkeiten ­gebucht werden und die Cateringerträge hoch sind, gilt das Langnauer Modell als Erfolgsgeschichte. Die Konkurrenz staunt – und will lernen. Delegationen aus Visp und Kloten erkundigten sich vor Ort bei Jakob, holten Tipps ein.

Und doch besteht Raum zur Optimierung, etwa im 350 Plätze umfassenden Gästesektor. «Manchmal ist dieser nur zu einem Siebtel gefüllt, während viele Heimfans kein Ticket kriegten. Wir sollten diesen Bereich flexibel vergrössern und verkleinern können», meint Karl Brügger, im Verwaltungsrat für den Sport zuständig. «Sonst entgehen uns Einnahmen.»

Die mögliche Erweiterung

Ohnehin stellt sich die Frage, ob beim Stadionumbau 2012 zu ­wenig Wert auf die Kapazität ­gelegt wurde. «Im Nachhinein ist man immer schlauer», sagt Brügger, und Jakob hält fest, dass wohl mehrmals pro Saison 6500 oder gar noch mehr Tickets veräussert werden könnten. Nicht auszuschliessen ist, dass in absehbarer Zeit hinter beiden Toren zusätzliche Sitzplatztribünen errichtet werden, die alles in allem 400 bis 500 Fans Platz bieten würden.

Was die Zuschauereinnahmen betrifft, haben die Verantwort­lichen defensiv budgetiert. Ein Schnitt von 5100 Fans war erwartet worden; aufgrund der Mehrkosten (Trainerentlassung, Verpflichtung von Eero Elo als fünftem Ausländer) werden nun rund 5300 kommen müssen, damit der Verein ­keine rote Zahlen schreibt.

Es ist also davon auszugehen, dass die Langnauer wie immer in den letzten Jahren einen Gewinn erwirtschaften werden. Trotz – oder vielleicht gerade wegen des Trainerwechsels.

Berner Zeitung

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