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Déjà-vu-Erlebnis für den SCB

Der Schweizer Eishockeymeister verliert auch das zweite Berner Derby in dieser Woche: Nach dem 3:5 gegen die SCL Tigers unterliegt der SC Bern dem EHC Biel mit 4:5 nach Penaltyschiessen.

Der Jubel nach dem gewonnenen Penaltyschiessen ist gross bei den Bielern
Der Jubel nach dem gewonnenen Penaltyschiessen ist gross bei den Bielern
Keystone
Während den SCB-Spielern der Frust ins Gesicht geschrieben steht. Sie erlieren damit das zweite Derby innerhalb von vier Tagen.
Während den SCB-Spielern der Frust ins Gesicht geschrieben steht. Sie erlieren damit das zweite Derby innerhalb von vier Tagen.
Keystone
Die Nummer 72 wird unters Dach gezogen.
Die Nummer 72 wird unters Dach gezogen.
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«Einmal ist keinmal», heisst es im Volksmund. Doch wenn der SC Bern als amtierender Schweizer Meister und klarer Leader der National League zweimal in der gleichen Woche gegen deutlich weniger talentierte Teams nach einem 3:0-Vorsprung noch verliert, im eigenen Stadion notabene, muss dies als blamabel bezeichnet werden. Nach dem 3:5 vom Dienstag gegen die SCL Tigers mussten sich die Mutzen diesmal dem EHC Biel mit 4:5 nach Penaltyschiessen geschlagen geben.

Nach der klaren Führung agierten die SCB-Akteure sorglos, verloren die Scheibe immer wieder in der Vorwärtsbewegung und reihten auch sonst Fehler an Fehler. Von ganz hinten bis ganz vorne war der Wurm drin. Beim zweiten Bieler Treffer liess sich Goalie Leonardo Genoni von Jason Fuchs aus spitzem Winkel erwischen, beim 3:3-Ausgleich der Gäste verdribbelte sich Gaëtan Haas an der gegnerischen blauen Linie, während seine Mitspieler mit Wechseln beschäftigt waren.

Trotz aller Unzulänglichkeiten hätte der Favorit gewinnen können, ja müssen. Doch auch beste Chancen wurden nicht genutzt; in der Verlängerung gelang es selbst in Überzahl nicht, die Entscheidung zu erzwingen.

Fünf Traumtore

Neben Spannung wurde den gut 16 000 Zuschauern in der Postfinance-Arena auch ein Spektakel geboten. Nicht weniger als fünf Treffer verdienten die Bezeichnung «Traumtor». Beim 1:0 hatte Haas Biel-Verteidiger Beat Forster einen Knoten in die Beine gedribbelt, bevor er Jonas Hiller bezwang. Beim 2:0 stellte Mason Raymond mit einem brillanten Solo seine grosse Klasse unter Beweis.

Das 3:0 erzielte Simon Moser im Powerplay nach herrlicher Vorarbeit Andrew Ebbetts und Mark Arcobellos. Im Penaltyschiessen brachte Haas den SCB mit einem schönen Trick in Führung, bei dem er den Puck am Ende mit der Backhand unter die Latte beförderte. Für den Abschluss und Höhepunkt sorgte freilich Biels Finne Toni Rajala: Er düpierte Genoni im Penaltyschiessen mit einem einhändig abgegebenen Schuss!

Jalonens Urteil

Schlecht gelaunt war SCB-Cheftrainer am Ende trotz der Niederlage nicht, aber «ein wenig enttäuscht». Das Spiel sei genau gleich wie am Dienstag gewesen, «wir haben die gleichen Fehler gemacht, obwohl wir am Mittwochmorgen ausführlich darüber sprachen, was gegen die SCL Tigers schief gelaufen war». Der Finne fügte an, er wisse, dass seine Spieler nicht absichtlich so agiert hätten. «Sie wollten den Match gewinnen.»

Steineggers Dilemma

Seit Mike McNamaras Absetzung hat der EHC Biel viermal in Folge gewonnen – mit Martin Steinegger an der Bande. «Stoney» ist eigentlich als Sportchef angestellt und hat die Aufgabe, einen neuen Coach zu suchen. Doch solange die Mannschaft siegt, ist ein erneuter Trainerwechsel heikel. Steinegger schliesst nicht aus, dass er auch nächstes Wochenende noch das Doppelamt bekleidet.

Seine Aussagen deuten allerdings daraufhin, dass der Ist-Zustand nicht zur Dauerlösung wird. «Derzeit gibt es viele Punkte, die positiv sind, aber das ist nicht die Realität. Es werden wieder andere Zeiten kommen.» Im Gespräch seien „ein paar valable, gute Kandidaten“.

Chance zur Rehabilitation

Schon am Sonntag bekommt der SCB die Gelegenheit, zu zeigen, dass es sich bei den Derbyniederlagen um ärgerlich Ausrutscher handelte. Die Mutzen treffen auswärts im Spitzenkampf auf die ZSC Lions (Spielbeginn 15.45 Uhr). Allerdings haben auch die Zürcher einiges gutzumachen; sie unterlagen am Samstag Ambri-Piotta gleich mit 0:4.

Zuzug aus Finnland

Weil sich der Finne Mika Pyörälä im Training verletzt hat und deshalb drei bis vier Wochen pausieren muss, hat der SC Bern kurzfristig Jeremy Morin verpflichtet und mit einem Vertrag bis am 3. Januar 2018 ausgestattet. Der Flügel hatte die USA als Nachwuchsspieler einst regelmässig an Weltmeisterschaften vertreten. Der 26-Jährige hat bisher 84 NHL-Partien bestritten, sich in der weltbesten Liga aber nicht etablieren können.

Wurde kurzfristig bis zum 3. Januar 2018 für den SCB verpflichtet: Jeremy Morin. Bild: Keystone
Wurde kurzfristig bis zum 3. Januar 2018 für den SCB verpflichtet: Jeremy Morin. Bild: Keystone

Zuletzt spielte er für den HPK Hämeenlina in Finnland. SCB-Sportchef Alex Chatelain bezeichnet Morin als Sniper respektive Scharfschützen: «Er weiss, wo das Tor steht.» Der Amerikaner ist bereits in Bern und hat den medizinischen Test bestanden, am Dienstag gegen die Växjö Lakers soll er spielberechtigt sein.

Die Champions Hockey League ist denn auch der Hauptgrund dafür, dass die sportliche Führung des Schweizer Meisters auf dem Transfermarkt aktiv geworden ist, obwohl noch vier gesunde Importspieler zur Verfügung stehen. In diesem Wettbewerb gibt es keine Ausländerbeschränkung, und Maxim Noreau wird wegen eines Aufgebot des kanadischen Verbands im Viertelfinal-Hinspiel fehlen.

Tumor entfernt

Marc Kämpf war vom SCB zuletzt als krank gemeldet worden. Am Samstag erzählte Sportchef Chatelain, woran der Stürmer effektiv gelitten hatte: Bei Kämpf war im Hoden ein Tumor entdeckt worden, der am 24. November operativ entfernt wurde. Ableger wurden glücklicherweise keine eruiert.

Bei Kämpf war im Hoden ein Tumor entdeckt worden. Bild: Keystone
Bei Kämpf war im Hoden ein Tumor entdeckt worden. Bild: Keystone

Wenn die durch den Eingriff entstandene Narbe verheilt ist, wird Kämpf wieder spielen können. Nicht nur Pyörölä und Kämpf fehlten dem SCB gegen Biel, auch Luca Hischier war nicht dabei. Der Walliser hatte sich wie der Finne im Training eine Verletzung zugezogen.

Ehre, wem Ehre gebührt

Vor dem Match gegen Biel war David Jobin für seine 19 Jahre beim SCB geehrt worden. CEO Marc Lüthi höchstpersönlich begab sich für die Ansprache aufs Eis. Die Fans auf der Stehrampe hielten Schilder mit der Nummer 72 in die Höhe und entrollten ein Spruchband mit der Aufschrift: «Allez Jobin – ä Karriere im Dienst vom SCB.»

Die Eltern, die Gattin und die Kinder Jobins waren bei der Ehrung anwesend. Nachdem der Berner Marsch erklungen und ein Trikot mit der 72 unters Hallendach gezogen worden war, hielt der ehemalige Verteidiger und fünfmalige Schweizer Meister eine kurze Dankesrede. Danach wurde Jobin von den SCB-Anhängern ein letztes Mal gefeiert.

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