Der SCB und der HCD sorgen für Emotionen

Bern unterliegt daheim Davos trotz klarem Chancenplus 3:4.

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Adrian Ruch

Schweizer Eishockey ist derzeit extrem spannend, zumindest für die meisten Clubs. Der SC Bern hingegen kann sich bekanntlich seit geraumer Zeit ohne Leistungsdruck aufs Playoff vorbereiten – und Werbung in eigener Sache betreiben. So hatten am Donnerstag Leonardo Genoni und Eric Blum im Einkaufszentrum Westside Autogramme verteilt und Simon Moser und Tristan Scherwey in Mattstetten einen Schulbesuch gemacht. Die beiden Stürmer wurden von einer Schülerin mit einer Torte, verziert mit SCB-Logo, beschenkt. Ob diese an Thomas Rüfenacht (34) und Sportchef Alex Chatelain (41), die am Freitag Geburtstag feierten, weitergereicht wurde, ist nicht überliefert.

Am Freitag ging es wieder auf dem Eis darum, beim Berner Publikum die Vorfreude aufs Playoff zu wecken, wobei SCB-Coach Kari Jalonen für das Duell mit dem HC Davos mit zwei Überraschungen aufwartete: Erstmals in der laufenden Meisterschaft durfte Pascal Caminada in der Postfinance-Arena das Tor hüten. Und zum ersten Mal war nicht Zach Boychuk der überzählige Ausländer. Der 36-jährige Kanadier Andrew Ebbett erhielt vor dem Spitzenkampf am Samstag in Zug eine Ruhepause. Partien gegen den HCD hatten in der jüngeren Vergangenheit meistens für gute Unterhaltung gesorgt. Das war auch am Freitag nicht anders, obwohl ausser der Ehre kaum etwas auf den Spiel stand.

Überfüllte Strafbank

Der Leader dominierte die Bündner im Startdrittel, doch deren Goalie Gilles Senn verhinderte mit viel Können und etwas Glück ein Gegentor. Nach der Pause war Boychuk im Powerplay zweimal nahe am Führungstreffer. Dieser fiel in der 26. Minute dann doch noch – allerdings für die Gäste. Der Finne Perttu Lindgren reüssierte per Ablenker und stellte somit das Geschehen auf den Kopf. Zuvor hatte Caminada seinen Kasten verteilt auf vier Partien über 130 Minuten lang sauber gehalten.

Das 0:1 erhöhte offensichtlich bei den Beteiligten den Testosteronpegel. Jedenfalls sassen im Mitteldrittel zuweilen sechs Akteure gleichzeitig auf der Strafbank. Auf den Rängen und im Rink herrschte nun fast Playoff-Stimmung. Die Davoser werden das Playoff heuer freilich nicht erleben. Das hinderte sie nicht daran, zuerst durch Lindgren in Überzahl auf 2:0 zu erhöhen und später auf den Anschlusstreffer Marc Kämpfs mit dem 3:1 durch Magnus Nygren zu antworten.

Im Schlussdrittel stand dann Genoni zwischen den Pfosten. Die Mutzen entwickelten nun wieder Druck. Weil sie aber auch beste Chancen ausliessen, dauerte es lange bis zum 2:3 durch Blum. Justin Krueger liess dann den Schwung verebben, indem er sich unnötigerweise als Rächer aufspielte und folgerichtig bestraft wurde. Der HCD sorgte in Überzahl durch das vierte Ausländertor, diesmal traf Anton Rödin, für die Entscheidung. Daran änderte auch Rüfenachts 3:4 23 Sekunden vor dem Ende nichts mehr. Mit der Schlusssirene schubste das Geburtstagskind HCD-Goalie Senn, worauf sich die Emotionen entluden.

Weil auch der EV Zug verlor, bleibt der Vorsprung unverändert. Mit einem Sieg in der Innerschweiz würde sich der SCB nach menschlichem Ermessen für das ganze Playoff Heimvorteil sichern. Ob das sportlich eine gute Nachricht wäre? Seit Jahresbeginn haben die Mutzen 17-mal gewonnen und 4-mal verloren. Alle Niederlagen erlitten sie daheim.

Berner Zeitung

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