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Der Kleinste will Grosses erreichen

Stürmer Ryan Lasch fällt beim SC Bern weder auf noch ab. Doch der 30 Jahre alte US-Amerikaner besitzt die Qualitäten, in den Playoffs den Unterschied auszumachen.

In den Playoffs ist Durchsetzungsvermögen gefragt: SCB-Stürmer Ryan Lasch.
In den Playoffs ist Durchsetzungsvermögen gefragt: SCB-Stürmer Ryan Lasch.
Andreas Blatter

Thomas Rüfenacht beherrscht die Kunst der Provokation. Nachdem Luganos Hitzkopf Maxim Lapierre in der Resega hinter dem Berner Tor gecheckt worden ist, zieht Rüfenacht den Kanadier beim Vorbeifahren an der Spielerbank auf: «Sogar bei einem Check unseres kleinsten Spielers gehst du zu Boden!»

Der Kleinste ist beim SC Bern 170 Zentimeter gross und heisst Ryan Lasch. Der Amerikaner trug am Donnerstag seinen Teil dazu bei, dass die Berner die Serie ausgleichen konnten – weniger mit seinem Check gegen Lapierre, vielmehr mit zwei Assists, darunter dem präzisen Pass auf Rüfenacht zum ersten Berner Tor. «In der ersten Partie zu Hause hatten wir zu ungeduldig gespielt», sagt Lasch. «Umso wichtiger war unsere Antwort in Lugano: 60 Minuten solid, mit vier Linien Druck erzeugt – das ist Playoff-Hockey.»

Geht es beim SCB um die Ausländer, dreht sich vieles um Mark Arcobello, den Topskorer; um Andrew Ebbett, den Antreiber. Auch Maxim Noreau, der Dauerverletzte, ist ein Thema. Und Aaron Gagnon, welcher der vierten Linie mehr Präsenz verleiht. Aber es geht kaum einmal um Ryan Lasch. Der Flügel agiert nicht nur wegen seiner Körpergrösse unauffällig. In der Quali­fikation war Lasch hinter Arcobello der SCB-Spieler mit dem höchsten Punkteschnitt pro Partie. Doch gegen Ende flachte die Produktivität ab.

Ruhe und Höflichkeit in Person

In den Playoffs hat der Flügel bis dato nicht brilliert. Allerdings agiert er mannschaftsdienlich, steckt im Slot und an der Bande Schläge und Checks ein. «Das gehört dazu. In den Playoffs gibt es mehr Emotionen – ich mag das.» Die Aussage erstaunt insofern, als Lasch keiner ist, der sich eine Gefühlsregung anmerken lässt. Auf dem Eis reklamiert er kaum, jubelt nie exzessiv.

Neben dem Eis ist er die Höflichkeit in Person. Von Trashtalk hält der US-Ame­rikaner gar nichts. Womöglich hängt dies auch mit seinem Glauben zusammen. Auf Laschs Twitter-Profil steht: «Nachfolger von Jesus.» Auf Auswärtsreisen liest er ab und an in der Bibel, hört sich Onlinepredigten an. Lasch sagt: «Ich lasse mich nicht schnell aus der Ruhe bringen.»

Im Vorjahr hatte der 30 Jahre alte Stürmer in Schweden für Frölunda Göteborg vor allem auch in den Playoffs brilliert. Dass er sich in Bern nun noch nicht wie erhofft entfalten kann, wird bei Experten im Norden mit Erstaunen zur Kenntnis genommen. Lasch hat sich in Schweden den Ruf erarbeitet, mit einem Tor aus dem Nichts in wichtigen Partien den Unterschied ausmachen zu können.

Noch erhält er in Bern bis Saisonende die Gelegenheit, diesem Ruf gerecht zu werden. «Wir wollen Grosses erreichen», sagt Lasch. Was er (noch) nicht sagt: Nach dieser Saison dürfte es ihn zurück nach Göteborg ziehen.

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