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Der grosse Traum des kleinen Kämpfers

Tristan Scherwey hat massgeblichen Anteil am 4:3-Erfolg des SC Bern über Lausanne nach Verlängerung. Der Flügel spielt in dieser Saison hervorragend; er dürfte am Montag als Belohnung offiziell für die Olympischen Spiele selektioniert werden.

Spiegelbild des Erfolgs Tristan Scherwey bejubelt an der Berner Bande seinen Treffer zum 2:0.
Spiegelbild des Erfolgs Tristan Scherwey bejubelt an der Berner Bande seinen Treffer zum 2:0.
Raphael Moser

Das jüngste Bewerbungsschreiben erreicht den Empfänger im Prinzip zu spät. Tristan Scherwey zieht sich nach dem 4:3-Erfolg des SC Bern über Lausanne die Mütze zurecht, wischt sich den Schweiss von der Stirn und sagt: «Ich habe auch gegen Lausanne alles gegeben, um die Verantwortlichen nochmals von mir zu überzeugen.» Mit den Verantwortlichen meint Scherwey nicht die Trainer in Bern, sondern den Schweizer Nationalcoach Patrick Fischer.

Allein: Fischer musste sein 25-Mann-Kader für die Olympischen Spiele bereits vor dem Wochenende unter grösster Geheimhaltung an Swiss Olympic melden. Die Dachorganisation der Schweizer Sportverbände wird die Namen am Montag publik machen. Davor werden die Spieler informiert.

Beleg für die Fortschritte

Bei Olympia dabei sein oder nicht: Das ist hier die Frage. Für Scherwey käme die Nomination der Erfüllung seines Traums gleich. Noch nie hat der kleine Kämpfer an einem grossen Turnier für die Schweizer Nationalmannschaft gespielt. 2015 war er an der Weltmeisterschaft in Prag mittendrin und doch nicht richtig dabei. Scherwey stand im Kader, erhielt aber keine einzige Sekunde Eiszeit, obwohl ihm der damalige Trainer Glen Hanlon Einsätze in Aussicht gestellt hatte. «Nun bete ich, nun hoffe ich. Ich habe noch nie so sehr auf einen Anruf gewartet.

Und es ist klar: Würde es nicht klappen, dann ­wäre ich sehr enttäuscht», sagte Scherwey am Samstagabend. Zuvor hatte er gegen die Lausanner sein 13. Saisontor erzielt. Der 26 Jahre alte Freiburger hat in dieser Spielzeit erstaunliche Fortschritte gemacht, nicht nur punkto Schussqualität. Er agiert taktisch reifer, cleverer, vermag die Emotionen geschickt zu kanalisieren.

Beim 4:3-Erfolg nach Verlängerung gehörte er einmal mehr zu den Auffälligen. Vor dem 1:0 durch Gaëtan Haas nahm der Flügel Lausannes Torhüter Cristobal Huet die Sicht. Und in der 31. Minute wollte er sich auswechseln lassen, kam just vor der Berner Bande noch in Puckbesitz, spedierte die Scheibe aufs Tor und fand zwischen Huets Schulter und der Torlatte die ­Lücke.

Neben Scherwey wussten sich Haas und Thomas Rüfenacht häufig in Szene zu setzen. Der elegante Center entschied wie beim letzten Vergleich der beiden Equipen die Partie in der Verlängerung. Und Rüfenacht war bei seiner Rückkehr nach fast einem Monat Pause (Hirnerschütterung) sofort wieder aufsässig, bissig, präsent. Zum 3:1 durch Mark Arcobello lieferte er den Pass.

Am Ende konnten die Berner doch noch jubeln.
Am Ende konnten die Berner doch noch jubeln.
Keystone
Gaetan Haas trifft in der Verlängerung (65. Minute) zum 4:3 und...
Gaetan Haas trifft in der Verlängerung (65. Minute) zum 4:3 und...
Keystone
Berns Calle Andersson, rechts, im Spiel gegen Lausannes Loic In-Albon, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem Lausanne HC, am Samstag, 20. Januar 2018, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Christian Merz).
Berns Calle Andersson, rechts, im Spiel gegen Lausannes Loic In-Albon, waehrend dem Eishockey-Meisterschaftsspiel der National League zwischen dem SC Bern und dem Lausanne HC, am Samstag, 20. Januar 2018, in der Postfinance Arena in Bern. (KEYSTONE/Christian Merz).
Christian Merz, Keystone
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Keine Dringlichkeit

Trotz der Zweitoreführung im Schlussdrittel musste der Leader auf dem Pfad zum Sieg den Umweg via Verlängerung in Kauf nehmen. Mit dem Verwalten von Führungen tun sich die Berner in dieser Saison generell schwer. Und speziell im Januar wirken sie defensiv anfällig. Die Tabelle sorgt auch nicht gerade für Dringlichkeit beim Leader: Er hat zwölf Punkte Vorsprung, ist als einzige Equipe fix für die Playoffs quali­fiziert und muss im Schlussspurt der Regular Season nicht die Reserven anzapfen.

«Aber so, wie wir zurzeit spielen, das ist nicht unsere Identität», sagte Scherwey. Aus den Unkonzentriertheiten des SCB vermochte der Gegner erst spät einen Nutzen zu ­ziehen. Der eine Punkt war für die schwächelnden Waadtländer im Prinzip zu wenig. Sie drohen den Anschluss an die Playoff-Plätze zu verlieren und haben nunmehr alle fünf Saisonspiele gegen den SCB verloren. Bereits morgen kommt es im Malley-Provisorium zum nächsten Vergleich.

Alle Achtung, achtmal SCB

Dannzumal dürfte der Meister auch wieder mit vier Ausländern antreten. Am Samstag fehlten der Finne Mika Pyörälä und der Kanadier Maxim Noreau wegen leichten Verletzungen. Flügel Simon Moser – er ist seit dem Bruch des Mittelfussknochens Anfang Dezember zum Zusehen gezwungen – hat das Training wieder aufgenommen. Der Captain könnte im optimalsten Optimalfall am Wochenende das Comeback geben.

So oder so wird er rechtzeitig für Olympia zurückkehren. Dem Vernehmen nach wird Moser ebenso auf der Schweizer Olympialiste vertreten sein wie sieben weitere SCB-Spieler: Genoni, Blum, Untersander, Bodenmann, Haas, Rüfenacht und . . . Scherwey.

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