Der EHC Biel auf der Achterbahn der Gefühle

Die Seeländer verzückten die Liga im Herbst mit Offensiv-Eishockey. Nun müssen sie um die Playoff-Teilnahme zittern.

<b>Der EHC Biel</b> (im Tor Toni Rajala, rechts Janis Moser) ist unter Druck geraten.

Der EHC Biel (im Tor Toni Rajala, rechts Janis Moser) ist unter Druck geraten.

(Bild: Raphael Moser)

Marco Oppliger@BernerZeitung

Zum Einstieg ein fiktives Beispiel. Eine mässig Eishockey-interessierte Person wird im Oktober zu einem Spiel des EHC Biel eingeladen. Sie ist vom Dargebotenen – die Bieler lassen den Gegner kaum ruhen, starten Angriff um Angriff – begeistert.

Nach einer längeren Auszeit bekommt die mässig Eishockey-interessierte Person wieder einmal Lust, sich ein Spiel des EHC Biel anzusehen. Doch nun ist alles ein bisschen anders. Die Bieler tragen ihre Angriffe längst nicht mehr mit jener Unwiderstehlichkeit vor, der Gegner erhält nun mehr Zeit und wegen Unachtsamkeiten auch mehr Raum.

Die Auftritte des EHCB lassen sich mit dem Ritt auf einer Achterbahn vergleichen. Acht von neun Spielen hatte er zum Saisonauftakt gewonnen, bis im Dezember war er der erste Verfolger von Bern und Zug gewesen.

Nun haben die Bieler vier der letzten fünf Partien verloren und müssen gar um die Playoffteilnahme zittern. Sechs Runden vor Schluss beträgt die Differenz zum neuntplatzierten Gottéron noch drei Zähler. Entsprechend viel Gewicht erhält für Biel das Derby heute gegen die SCL Tigers.

Viele Strafen, wenig Ertrag

Wer nach Gründen für das Tief sucht, wird in der Statistik fündig. Das Powerplay etwa ist eine der grössten Baustellen; die Erfolgsquote beträgt lediglich 16,76 Prozent, damit liegen die Bieler unter dem Liga-Durchschnitt. Nur knapp darüber ist das Unterzahlspiel mit 82,28 Prozent Effizienz.

«Am Anfang schossen wir viele Tore, Powerplay und Boxplay funktionierten. Nun stimmen kleine Details nicht mehr ganz, und das wirkt sich auf alles aus», sagt Coach Antti Törmänen. Als weitere Hypothek erweist sich die Disziplin. Zuletzt kassierte der EHC Biel zu viele Strafen. Gegen Bern (2:4) und die ZSC Lions (2:3) mussten die Bieler jeweils in der Schlussphase den entscheidenden Treffer in Unterzahl hinnehmen.

«In den letzten vier Spielen gab es vielleicht vier Strafen, die wir nehmen mussten. Die anderen waren unnötig, und so erhältst du nicht die Möglichkeit, zu gewinnen», sagt Törmänen. Noch deutlicher wird Damien Brunner: «Wir haben über diesen Punkt gesprochen, uns in die Augen geschaut. Wir stehen zusammen und jeder weiss, was der andere von ihm verlangt. Diese Strafen müssen wir einfach abstellen.»

Vielleicht steht Brunner sinnbildlich für die Misere. Der Königstransfer hat in 44 Spielen 35 Punkte (17 Tore/18 Assists) gesammelt, erfüllt mit dieser Ausbeute im Prinzip die hohen Erwartungen. Nur hat der Stürmer schon seit einem Monat nicht mehr getroffen.

«Wir laufen viel, ich habe nicht den Eindruck, dass wir Angsthasen-Eishockey spielen», sagt er. «Doch gerade die Shooter wie Rajala, Riat, Hügli und ich müssen auf ihre Schüsse kommen, damit die Chance auf ein Tor steigt.» Brunners Abschlussquote hat in den letzten Wochen jedoch abgenommen.

Der Weg zum Gipfel

Die Frage drängt sich auf: Wie gut ist dieser EHC Biel? Brunner sagt, der Saisonbeginn sei für das Aussenbild nicht ideal gewesen, «es wurde dadurch verfälscht. Nun stehen wir etwa dort, wo wir hingehören.»

Kevin Fey derweil hält mit Selbstkritik nicht zurück: «Am Anfang lief es ein bisschen einfach für uns, nun ist es härter, aber wir konnten den Schalter noch nicht umlegen.» Der Verteidiger bemängelt die letzte Konsequenz, und zwar in allen Zonen. «Wir wissen, dass wir es viel besser können. Nur wollen wir es manchmal zu gut machen. Es geht darum, die Mitte zu finden.»

Trotz der heiklen Ausgangslage ist die Stimmung im Seeland nach wie vor gut. Was nicht zuletzt mit der sportlichen Führung zu tun hat. Sportchef Martin Steinegger und Törmänen seien in der Hochphase ruhig geblieben, und seien es auch jetzt, sagt Brunner. Und so passt es ganz gut, vergleicht der Coach die Schlussphase mit einem Aufstieg auf einen Berg.

Dass es auf dem Weg zum Gipfel heikle Passagen gebe, daran dürfe sein Team nicht denken. «Wir wissen, wo wir hinwollen. Es geht nur darum, Schritt für Schritt zu nehmen. Es sind die kleinen Dinge, die den Unterschied ausmachen. Und die können und werden wir besser machen.»

Berner Zeitung

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