Am Ende ungebremst ins Debakel

Die SCL Tigers starten mit Elan und Kampf gegen die ZSC Lions. Was mit einer frühen Führung beginnt, endet aber gegen in allen Belangen bessere Zürcher in einer 1:6-Heimniederlage.

Der Anfang vom Ende: Keeper Ivars Punnenovs und die andern Langnauer müssen den Ausgleich hinnehmen.

Der Anfang vom Ende: Keeper Ivars Punnenovs und die andern Langnauer müssen den Ausgleich hinnehmen.

(Bild: Freshfocus)

Kristian Kapp@K_Krisztian_

Es war schon früh im Schlussdrittel, als sich Resignation in der mit knapp 6000 Zuschauern gut gefüllten Ilfishalle breit machte. Die SCL Tigers klammerten sich gerade an den letzten Strohhalm, ein Powerplay. Kurz vorher hatte Denis Hollenstein das 4:1 für die ZSC Lions erzielt, auf einfache Weise, so, wie es die Langnauer sich eigentlich nicht erlauben können. Der Gast setzte sich durch, war bissiger im Zweikampf und darum schneller beim Abpraller. «Mein Fehler», sagte SCL-Verteidiger Yannick Blaser, «ich habe heute generell nicht meine Leistung gebracht.» Dieses Powerplay, das folgte, es wurde zu einem Sinnbild des Spiels. Die in Unterzahl gewohnt forsch auftretenden Zürcher hielten den Puck problemlos fern vom Tor.

Und als der ZSC vollzählig war, begann die Demontage der Tigers. Zürcher Chancen, Lattenschuss, Tore – all das folgte im Minutentakt, nach 50 Minuten stand es schon 1:6, der Dämpfer im Langnauer Strichkampf war Tatsache. Er hat nur darum keine Folgen, weil die Teams auf den Rängen 9 bis 11 nicht im Einsatz standen. Wenigstens verlor auch das achtklassierte Bern.

Es stimmte nur 10 Minuten

Der Langnauer Kampfgeist, der war wenigstens zu Beginn da, er trug die Tigers zur frühen Führung. Selbst der Treffer war Kampf, Pascal Berger liess sich nicht aus dem Slot drängen, schlug über den Puck, traf den Pfosten, drückte den Abpraller über die Linie. Typische Langnauer Szenen der Aufopferung gab es auch vor dem eigenen Tor, die Zürcher liefen mehrfach in eine rote Wand, Blaser blockte Schüsse, fuhr mit schmerzverzerrtem Gesicht vom Eis.

All das reichte 10 Minuten lang. Dann durften die Lions erstmals Powerplay spielen, ihr Überzahlspiel ist eines der besten der Liga und vor allem vielseitig. Eine Variante, Fredrik Petterssons Direktabnahme von der blauen Linie führte nach nur zwölf Sekunden zum Ausgleich.

Es war der Schlüsselmoment. Die Zürcher nützten ihre läuferische und spielerische Überlegenheit nun in fast jedem Shift aus, bei den Tigers konnte offensiv nur die Berger-Linie dagegenhalten. Harri Pesonen spielt dort, Chris DiDomenico auch, die Augen waren natürlich nach all den Wirren auf dem SCL-Star, der die Tigers Ende Saison verlässt. Der Kanadier bereitete das 1:0 vor, er legte auch in anderen Szenen auf, kam selber zu Chancen. Doch DiDomenico neigte, auch das kennt man, zum «Überbiss», sorgte auch für Gefahr vor dem eigenen Tor.

Der Kampf, er hätte immerhin für ein 1:1 nach 20 Minuten sorgen können. Wie die Langnauer aber dennoch mit einem 1:2 in die Pause mussten, war ärgerlich. Sie liefen im letzten Shift in einen Konter, die Zürcher spielten das 2-gegen-1 perfekt zu Ende – drei Sekunden vor der Sirene. Den Konter verursachte der aufgerückte Blaser, er bekam es von Trainer Ehlers zu hören. «Zu Recht», wie er sagte. «Ich muss die Spieler vor mir zählen und dann anders reagieren.»

Ehlers Team brachte zwar Korrekturen an, im Mitteldrittel war der ZSC nicht mehr derart dominant, das Spielgeschehen ausgeglichen, mit etwas Fortune hätte auch das 2:2 fallen können. DiDomenico kam dem Ausgleich am nächsten, als er das leere Tor vor sich hatte, er den Schuss aber aus sehr spitzem Winkel abfeuern musste. Es kam aber gleich wie im ersten Drittel. Der ZSC schoss ein spätes Tor, es war erneut im Powerplay, es war eine andere bekannte Variante. Der stets im Slot postierte Chris Baltisberger nahm Ivars Punnenovs im Langnauer Tor nicht nur die Sicht, er sorgte für den entscheidenden Ablenker. Die Tigers mussten mit einem 1:3-Defizit ins letzte Drittel. Was folgte, ist bekannt, es war unerfreulich, ja desolat.


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