Als hätten die Tigers und Lausanne die Rollen getauscht

Die SCL Tigers verlieren ihr erstes Playoff-Heimspiel in der höchsten Liga seit acht Jahren 0:3. Im zweiten Viertelfinal-Duell mit Lausanne hatten die Emmentaler dem Gegner nichts entgegen zu setzen.

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Marco Oppliger@BernerZeitung

Die Szene ist einigermassen bezeichnend für den Auftritt der SCL Tigers an diesem Abend. Zehn Minuten vor Schluss bietet sich ihnen also die Gelegenheit, im Powerplay zu spielen. Es ist sehr wahrscheinlich die letzte Chance, doch noch etwas auszurichten, die Partie vielleicht nochmals zu ihren Gunsten zu lancieren.

Dann kassieren die Langnauer eine Strafe wegen zu vieler Spieler auf dem Eis – das wars. Letztlich verlieren sie das zweite Spiel in diesem Viertelfinal 0:3. Damit holen sich die Waadtländer nach der 1:5-Niederlage zum Auftakt den Heimvorteil zurück.

Flaue Stimmung

2929 Tage mussten die Langnauer Fans auf diesen Moment warten. Am 5. März 2011 hatten die SCL Tigers das vierte Spiel im Viertelfinal gegen den SC Bern 2:3 nach Verlängerung verloren. Danach folgte Schritt für Schritt der Niedergang bis zum Abstieg zwei Jahre später.

Und nun also wird in der Ilfishalle wieder Playoff-Eishockey gespielt. Doch wer im Stadion sitzt, bekommt ziemlich rasch den Eindruck, dass das unten auf dem Eis wenig damit zu tun hat, was allgemeinhin von Playoff-Eishockey erwartet wird. Lange fehlt der Partie jegliche Intensität, was dazu führt, dass der Funke nicht auf das Publikum überspringt.

Die Stimmung im Stadion jedenfalls ist mit viel Goodwill bestenfalls als flau zu bezeichnen – was angesichts der so langen Playoff-Abwesenheit doch ziemlich überrascht. Gewiss, das Geschehen ist aus Langnauer Optik weit weniger spektakulär als noch zum Auftakt am vergangenen Samstag. Doch gerade in solchen Momenten könnte das Publikum das Zünglein an der Waage spielen.

Flaue Leistung

Nicht immer, aber manchmal sagt die Schussstatistik viel über den Spielverlauf aus: Nach zwei Dritteln also verzeichnet Lausanne 24 Abschlüsse – die SCL Tigers 9. Es wirkt, als hätten die beiden Teams die Rollen getauscht. Noch am Samstag zum Auftakt war es die Equipe Heinz Ehlers’, die kaltblütig agierte, den Gegner abgesehen vom Startdrittel absolut im Griff hatte.

Die Langnauer waren in den Zweikämpfen bissiger und vor dem gegnerischen Tor sehr kaltblütig – derweil die Lausanner vor allem mit sich selbst kämpften. Dass dieses Spiel nicht als Referenz für die ganze Serie dienen würde, machte Ehlers kurz nach Spielschluss klar. Er erwarte einen sehr disziplinierten Gegner im zweiten Duell, meinte der Tigers-Coach – und damit sollte er absolut recht haben.

In den ersten zehn Spielminuten gibt es keine einzige nennenswerte Szene vor beiden Toren, es herrscht Abtasten allenthalben. Und deshalb passt es ganz gut, fällt das 1:0 durch Sandro Zangger nach einem veritablen Tohuwabohu vor Tigers-Goalie Damiano Ciaccio. Sekunden zuvor kehrte Claudio Cadonau von der Strafbank zurück, die Abstimmung in der Defensive stimmte nicht ganz, weshalb es Zangger gelang, die Scheibe reinzuwürgen.

Dieser Moment stellt eine Zäsur in der Partie dar. Denn von da an hat Lausanne alles im Griff. Die Waadtländer geben den Emmentalern sehr wenig Platz, sich in der Offensive zu entfalten. Wobei Letztere auch erstaunlich ideenlos wirken.

Angesichts dessen stellt das 2:0 nach 25 Minuten beinahe schon die Vorentscheidung dar. Christoph Bertschy lancierte Dustin Jeffrey mit einem Pass über das halbe Feld, und der Topskorer liess Ciaccio keine Chance. Und die SCL Tigers? Sie verzeichnen ihren ersten wirklich gefährlichen Abschluss erst im letzten Drittel.

Zwei Spiele sind in diesem Viertelfinal absolviert, und zweimal entwickelte sich das Geschehen so, wie man es kaum erahnen konnte. Man darf deshalb äusserst gespannt auf Akt Nummer 3 am Donnerstag. Eine Tendenz scheint jedenfalls nicht absehbar.

Berner Zeitung

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