Zakaria vor dem grossen Schritt ins Rampenlicht

Der Genfer begeistert Fussballdeutschland. Er dürfte Gladbachs Rekordtransfer werden.

Hat gut lachen: Denis Zakaria ist in Topform.

Hat gut lachen: Denis Zakaria ist in Topform.

(Bild: Keystone Martin Meissner)

Unter all den namhaften Fussballclubs, die sich für Denis Zakaria interessieren, fehlt offenbar ausgerechnet sein Traumverein: der FC Barcelona. Das ist für ihn vorübergehend verschmerzbar, weil der Schweizer eine Karriere der kleinen Schritte plant und ja auch erst 22 Jahre alt ist. Von seinem Kindheitsclub Servette Genf ist er 2015 zu den Young Boys Bern gewechselt, 2017 weiter zu Borussia Mönchengladbach.

Das waren zwei eher kleine Schritte ins Rampenlicht des europäischen Fussballs, aber als nächster wird vermutlich ein recht grosser Schritt folgen, denn die Leistungen des Bundesligatabellenführers und seines zentralen defensiven Mittelfeldspielers haben die Aufmerksamkeit vieler Clubs in ganz Europa geweckt. Dem Vernehmen nach interessieren sich auch der FC Liverpool und Bayern München für Zakaria, und sollte ein Club bereit sein, mindestens 50 Millionen Euro in die Hand zu nehmen, dann könnte es durchaus sein, dass Denis Zakaria Mönchengladbach schon im kommenden Sommer verlässt.

Auch Dortmund war interessiert

Bereits im vergangenen Sommer hat es Gerüchte gegeben, auch Borussia Dortmund soll interessiert gewesen sein. Weil Zakarias Vertrag in Gladbach aber bis 2022 gilt und weil Sportdirektor Max Eberl seit dem Verkauf von Granit Xhaka 2016 für geschätzte 45 Millionen Euro an den FC Arsenal die Höhe adäquater Ablösesummen kennt, haben sie ihr Juwel nicht vorschnell hergegeben. So kommt es, dass Zakaria an diesem Mittwoch (20.45 Uhr) weiter im Gladbacher Trikot spielt – beim Zweitrunden-Pokalschlager in Dortmund. «Ist klar, dass wir gewinnen wollen», sagte er ebenso lässig wie selbstbewusst. Gladbach ist in der Liga Spitzenreiter, Dortmund kriselt ein bisschen. Es dürfte spannend werden.

Es läuft hervorragend: Die Schweizer Denis Zakaria und Nico Elvedi rocken Gladbach. Bild: Keystone/Martin Meissner

Zakarias vollständiger Name lautet Denis Lemi Zakaria Lako Lado, und erst aus diesen 24 Buchstaben gehen die afrikanischen Wurzeln des Fussballers hervor. Im November 1996 wurde er als Sohn eines Kongolesen und einer Sudanesin in Genf geboren. Die Eltern trennten sich später, der Vater kehrte in die Demokratische Republik Kongo zurück, die Mutter blieb in der Schweiz. So oft es geht, besucht er die Mutter in Genf und den Vater in Kinshasa, aber sein fussballerischer Erfolg macht beides immer schwieriger.

Auf die Nationalteamkollegen gehört

Mit Gladbach ist Zakaria noch in allen Wettbewerben vertreten, auch im Schweizer Nationalteam spielt er eine tragende Rolle. Hier bildet er zusammen mit Xhaka den Rumpf der Mannschaft, Seite an Seite also mit jenem Spieler, der ihm seinen Weg aus der Schweiz nach Gladbach vorgemacht hatte. 2012 war Xhaka vom FC Basel nach Gladbach gewechselt und 2016 weiter nach London. Solch eine Karriere erschien auch Zakaria reizvoll, und falls er 2017 noch gezweifelt haben sollte, ob er wirklich an den Niederrhein wechseln soll, dann haben die Gladbacher Schweizer Yann Sommer und Nico Elvedi diese Zweifel ausgeräumt.

Sie haben Zakaria zugeraten, und nun spielen mit Goalie Sommer, Innenverteidiger Elvedi, Mittelfeldmann Zakaria und der Stürmer Breel Embolo gleich vier Schweizer Nationalspieler für die Borussia. Embolo fällt in den nächsten Wochen allerdings aus, er erlitt am Sonntag beim 4:2 gegen Frankfurt laut Clubangaben einen «kleinen Muskelfaserriss». Im Pokal fehlt zudem Verteidiger Tony Jantschke (Zerrung).

Einer der Vielversprechendsten – und teurer als Xhaka?

Zakaria ist einer der fleissigsten Spieler der Bundesliga, er läuft rund elf Kilometer pro Spiel. Aber bei den gewonnenen Zweikämpfen (57 Prozent), bei seiner Passquote (88 Prozent) und den Ballbesitzaktionen sind noch Steigerungen möglich. Dennoch: In der Kombination von errungenen Bällen, schnellem Umschalten und sogar eigener Torgefahr (acht Treffer und vier Vorlagen in 70 Bundesligaspielen) ist er, zumal mit gerade mal 22, einer der verheissungsvollsten Mittelfeldspieler der Liga.

Schiesst sogar Tore: Denis Zakaria. Bild: Keystone/Martin Meissner

Schon in der Schule sei das Laufen seine liebste Disziplin gewesen, verrät er, und was Trainer besonders mögen, ist die schnelle defensive Rückkehr offensivstarker Mittelfeldspieler nach Ballverlusten. Dafür ist Zakaria ein Paradebeispiel. Er ist nach Vorstössen sehr zügig wieder hinten und sprintet regelmässig auch die schnellsten Stürmer der Liga ab. Mit 35 km/h wurde er auf dem Platz schon geblitzt. Trotz seines ausgeprägten Helfersyndroms – auch für die Kollegen in der Abwehr-Viererkette – ist Zakaria ein eleganter und vorsichtiger Spieler, kein Rüpel wie einst Xhaka. Und so erscheint mittlerweile eines als fast sicher: dass Zakaria, egal ob 2020 oder 2021, Gladbachs teuerster Verkauf der Clubhistorie wird. Sie werden für ihn mehr fordern und mehr bekommen als die 45 Millionen Euro für Xhaka 2016.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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