YB: Traumtore im Trainingsmodus

Nach dem 3:1 in Luzern könnten die Young Boys schon in zwei Tagen die Titelverteidigung feiern.

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Fabian Ruch

Am Mittwochabend wird die Samstagabendplanung der YB-Spieler auf den Kopf gestellt. Grillfeste und Kinobesuche, Restaurantreservierungen und Dates müssen abgesagt werden. Der Captain jedenfalls sagt: «Wir werden als Team gemeinsam vor dem TV sitzen.»

Steve von Bergen und seine Kollegen könnten in zwei Tagen auf dem Sofa Schweizer Meister werden – wenn der FC Basel zu Hause gegen GC nicht gewinnt. Diese Wahrscheinlichkeit ist zwar eher gering, die Grasshoppers präsentieren sich in dieser Saison grösstenteils ­inferior. Aber nun ist ja Motivationskünstler Uli Forte bei GC engagiert, und vielleicht gelingt es dem früheren YB-Trainer tatsächlich, seinen einstigen Arbeitgeber zum Champion zu krönen.

Bis am Mittwochabend sprachen die Akteure der Young Boys noch nicht darüber, ob sie den Samstagabend gemeinsam verbringen wollen. Nun gilt es eine geeignete Location zu finden. Möglicherweise ist das Haus von Guillaume Hoarau im Oberland gross genug, eventuell lässt sich im Garten von von Bergen in Neuenburg eine Grossleinwand aufstellen (dann fiele zumindest das Grillfest nicht aus), allenfalls ziehen sich die Fussballer einfach in ihre Kabine zurück.

Allzu anstrengend nämlich darf der Abend auch nicht werden, schliesslich müsste YB beim zu erwartenden Heimsieg Basels am nächsten Tag im Zürcher Letzigrund gegen den FCZ reüssieren – um am Sonntagabend im Stade de Suisse zur Party mit der Fangemeinde erscheinen zu können. «Es wäre schön, nach einem Sieg Meister zu werden», sagt Loris Benito. «Aber Titel ist Titel.»

Nsames Kunstwerk

Den Meistermatchball erspielen sich die Young Boys am Mittwochabend im wegen Schneefall letzten Donnerstag verschobenen Nachtragsspiel in Luzern mit einer reifen Vorstellung. Drei Tage nach dem Hochgeschwindigkeitsspektakel gegen Thun (5:1) entscheidet sich Trainer Gerardo Seoane für ein neues System und einige personelle Wechsel. 3-4-3 statt 4-4-2, es ist eine Art Trainingsmodus, schliesslich sollen verschiedene Ausrichtungen beherrscht werden.

Torjäger Guillaume Hoarau sitzt wie Christian Fassnacht oder Sandro Lauper auf der Bank, es ist in ­Luzern auch eine Kaderschau, die unterstreicht, wie breit und für Schweizer Verhältnisse exzellent besetzt YB ist. Der FCL ist vor der Pause aggressiv und ebenbürtig, es ist eine intensive Begegnung, den Young Boys ist sehr daran gelegen, nicht zum dritten Mal gegen Luzern zu verlieren.

Bisher ist es in dieser Saison in Liga und Cup ja einzig dem FCL gelungen, diese famosen Young Boys zu bezwingen. Am Mittwoch jedoch schaffen die Gäste nach der Pause bald Fakten. Es ist Jean-Pierre Nsame, der Hoarau-Ersatz, der mit einem herrlichen Treffer das 1:0 erzielt. Zuerst tunnelt er in der 56. Minute im FCL-Strafraum frech Idriz Voca, dann lässt er lässig Christian Schwegler aussteigen, um den Ball aus spitzem Winkel grandios im hinteren Toreck zu versorgen. Es ist ein Kunstwerk mit Schleifchen rundherum.

Von Bergens Regelkunde

Fünf Minuten später ist es der ­erneut überragende Stratege Djibril Sow, der den zweiten Treffer erzielt. Er darf alleine auf Luzerns Goalie David Zibung loslaufen und hat genug Zeit, um sich einige Gedanken zu machen.

Beispielsweise darüber, wie er bei der 0:4-Niederlage im Cupviertelfinal fünf Wochen vorher nach 30 Sekunden aus genau gleicher Position aufs genau gleiche Tor gegen den genau gleichen Torhüter loslaufen durfte – und scheiterte. Diesmal schiebt Sow den Ball locker ins Netz, als sei das alles ein Trainingsspielchen am Donnerstagmorgen.

Ein bisschen Spannung erhält die Partie wieder, weil bei der Handsregel derzeit einzig klar ist, dass nichts klar ist. Von Bergen berührt den Ball bei einer Grätsche mit dem Arm, und den irgendwie extrem strengen, aber irgendwie angesichts der wirren Regellage doch vertretbaren Elfmeter verwandelt Blessing Eleke nur 120 Sekunden nach Sows Tor zum 1:2.

«Ich spiele so lange Fussball», sagt der bald 36-Jährige von Bergen, «aber diese Regel werde ich nicht mehr kapieren.» Es spielt am Ende keine Rolle. In der 70. Minute schon erzielt Ulisses Garcia nach feiner Ballstafette den dritten YB-Treffer, Roger Assalé komplettiert den Assisthattrick an diesem Abend, die Feinplanung für die Meisterfeierlichkeiten beginnt.

Telegramm:

Luzern - Young Boys 1:3 (0:0)

8793 Zuschauer. - SR Schärer.

Tore: 56. Nsame 0:1. 62. Sow (Assalé) 0:2. 63. Eleke (Handspenalty) 1:2. 70. Garcia (Assalé) 1:3.

Luzern: Zibung; Schwegler, Lucas, Schulz, Sidler; Voca (76. Grether), Ndenge; Vargas (77. Demhasaj), Schneuwly, Schürpf (64. Lustenberger); Eleke.

Young Boys: Von Ballmoos; Camara, Von Bergen, Benito; Mbabu, Sow, Aebischer, Garcia; Assalé (79. Schick), Nsame (81. Hoarau), Ngamaleu (73. Fassnacht).

Bemerkungen: Luzern ohne Cirkovic (gesperrt), Knezevic, Schmid und Juric (alle verletzt). Young Boys ohne Sulejmani (verletzt). 92. Gelb-Rote Karte gegen Garcia (Foul). Verwarnung: 44. Vargas (Foul). 51. Mbabu (Foul). 52. Ngamaleu (Foul). 65. Ndenge (Foul). 67. Garcia (Foul).

Berner Zeitung

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