YB ist im Playoff klarer Favorit

Der Standpunkt von Sportredaktor Fabian Ruch vor dem Einsatz der Young Boys im Playoff zur Champions League.

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So realistisch war eine Champions-League-Teilnahme der Young Boys noch nie. Zwar steht der Schweizer Meister diese Saison nicht mehr direkt in der Gruppenphase, aber im Gegensatz zu früheren Jahren trifft YB in der Qualifikation nicht auf Teams aus Topligen.

Und an der Playoff-Auslosung gestern in Nyon rollten die Kugeln erneut prächtig für die Young Boys. Den stärksten Teams PSV Eindhoven, Salzburg und Celtic Glasgow gehen sie aus dem Weg, sie treffen auf den Sieger der Begegnung zwischen Astana und Dinamo Zagreb. Es sind Mannschaften, die YB bezwingen muss.

Die Young Boys werden es nicht gerne lesen – aber sie sind im Playoff klarer Favorit. Ihr Kader ist deutlich besser besetzt, sie befinden sich bereits wieder in hervorragender Verfassung, sind eingespielt, spielstark, selbstbewusst – und werden die wegweisenden Partien relativ ausgeruht angehen können. Einerseits werden sie nicht mehrere englische Wochen nacheinander absolviert haben wie Astana oder Zagreb.

Und andererseits können sie am Wochenende vor dem Hinspiel in der 1. Cuprunde beim FC Biel Stammkräfte schonen. Zudem treten sie zwischen den Playoff-Partien zu Hause gegen Aufsteiger Xamax an. Es gibt anspruchsvollere Aufgaben in der Super League.

Sportlich gesehen wäre Astana der angenehmere Gegner für YB. Der kasachische Meister ist ordentlich organisiert und robust, aber er verfügt über keine herausragenden Individualisten –und blieb 2016 in der Europa League gegen die Young Boys ohne Tor und Sieg (0:3 in Bern, 0:0 in Astana). Die Anreise zum Auswärtsspiel wäre zwar mühsam und mit einer langen Flugreise verbunden, aber dieses Argument ist vernachlässigbar, weil es auf Astana vor dem Hinspiel ja auch zutrifft.

Mit Zagreb würde derweil ein technisch relativ feines, offensivstarkes Team mit dem Schweizer Nationalstürmer Mario Gavranovic als Torjäger warten – aber auch eine ausgeprägte Stimmungsmannschaft, die zuletzt einige starke Akteure an Clubs in grossen Ligen verlor. Die Ambiance in Zagreb wäre gewiss feurig, zudem würde Dinamo auch im Stade de Suisse von vielen kroatischen Landsleuten, die in der Schweiz leben, unterstützt werden.

Die Young Boys dürfen die zwei vielleicht bedeutendsten Partien der Vereinsgeschichte dennoch mit grosser Zuversicht angehen. Qualifizieren sie sich für die Champions League, dürfen sie mit Einnahmen von mindestens 30 Millionen Franken rechnen, der sportliche und wirtschaftliche Höhenflug fände eine spektakuläre Fortsetzung, die Euphorie in Bern beim Erreichen der Königsklasse wäre gewaltig. Nach einer Reformation ist die Champions League noch attraktiver geworden und mit noch mehr europäischen Topclubs aus Spitzenligen besetzt.

Vorerst darf man gespannt sein, ob das Hinspiel des Playoff am 22. August in Bern ausverkauft sein wird. In den letzten Jahren war das Stade de Suisse bei Europacup­partien gegen Teams vom Kaliber Astanas und Zagrebs stets kaum zur Hälfte gefüllt. Möglicherweise wäre es deshalb nicht falsch, den Besuchern der Playoff-Partie im Falle eines Weiterkommens der Young Boys in die Gruppenphase ein Vorkaufsrecht auf Champions-League-Tickets einzuräumen.

Erstellt: 07.08.2018, 11:17 Uhr

Fabian Ruch ist Sportredaktor.
Mail: fabian.ruch@tamedia.ch

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