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Wird YB schon am 7. April Meister?

YB ist auf dem besten Weg, eine Saison der vielen Rekorde hinzulegen. Der Titel könnte schon in drei Runden feststehen.

Im Jubeln beinahe schon routiniert: Die YB-Spieler am Sonntag beim 2:2 in Basel. Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)
Im Jubeln beinahe schon routiniert: Die YB-Spieler am Sonntag beim 2:2 in Basel. Foto: Daniela Frutiger (Freshfocus)

Vermutlich verteidigen die Young Boys ihren Titel auch, wenn sie die letzten elf Spiele verlieren.

21 Punkte (und 34 Tore) beträgt ihr Vorsprung auf den FC Basel, der in dieser Saison 1,8 Punkte im Schnitt geholt hat. Auf 36 Partien gerechnet gibt das aufgerundet 65 Zähler – YB steht nach 25 Runden bei 66. Weil die Dominanz derart allumfassend ist, gehen die Berner erheblich lockerer mit dem M-Wort um als vor einem Jahr. «Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir Meister werden», sagt Loris Benito nach dem 2:2 am Sonntag in Basel schmunzelnd. Und Christian Fassnacht erklärt: «21 Punkte Vorsprung werden wir im Meisterkampf wohl nicht mehr verspielen.»

Viele Basler Bestwerte

YB darf sich in den verbleibenden etwas mehr als zwei Monaten also neue, ungewöhnliche Ziele setzen. Beispielsweise: ungeschlagen bleiben in der Rückrunde – und auch in der zweiten Halbserie das beste Team sein. Derzeit beträgt ihr Vorsprung 2019 zwei Punkte auf den FCB. Oder: einen neuen Punkterekord in der Super League aufstellen. Den Bestwert hält Basel mit 86 Zählern, so lange ist das nicht her, vor zwei Jahren holte der FCB den achten Titel in Serie, trennte sich danach aber trotz Double von Coach Urs Fischer.

Oder: der früheste Meistertitel der Super League, da gilt es auch Basel aus der Saison 2016/17 zu schlagen, das damals am 30. Spieltag Meister wurde – übrigens dank eines 2:1 am 28. April gegen Luzern! Oder: am meisten Tore (92; ja, Basel 2016/17), die beste Tordifferenz (plus 54; Basel 2003/04), den grössten Vorsprung (20 Punkte; Basel 2011/12). Oder auch: die Liga mit dem grössten Vorsprung in Europa für sich entscheiden. Juventus verlor am Sonntag erstmals (0:2 in Genua) und liegt 15 Punkte vor Napoli. Ärgster YB-Konkurrent in dieser Disziplin ist Paris Saint-Germain, das 20 Punkte mehr als Lille und noch eine Partie weniger ausgetragen hat.

Vielleicht gelingt es den Young Boys auch, weltrekordverdächtig früh Meister zu werden. Theoretisch könnte YB schon am 7. April nach der Partie gegen Thun als Champion feststehen. Nach der Länderspielpause geht es am 31. März mit dem Heimspiel gegen St. Gallen weiter, vier Tage später folgt die Begegnung in Luzern, ehe es schon zum Derby kommt.

Die Basler treten unterdessen in Luzern und in Zürich sowie gegen Lugano an – und wenn sie in den nächsten drei Spielen vier Punkte weniger als die Young Boys holen, geht die Meisternacht bereits am 7. April über die Bühne. Drei Wochen vorher als letztes Jahr nach dem 2:1 am magischen 28. April gegen Luzern. «Wir können nicht alles beeinflussen», sagt Kevin Mbabu. «Schön wäre es, würden wir nicht vor dem TV Meister.»

Drei im Nationalteam

Theoretisch wäre das erstmals eine Woche nach dem Thun-Heimspiel möglich, wenn Basel am Samstag auf GC trifft und YB einen Tag später beim FCZ spielt. So oder so ist die Euphorie in Bern gross, für das nächste Heimspiel gegen St. Gallen sind nur noch rund 3000 Tickets erhältlich, diese Begegnung firmiert als Kids Day. «Werden wir Meister, gibt das auf jeden Fall wieder ein schönes Fest», sagt Loris Benito. «Es ist ja nicht so, dass YB in den letzten 50 Jahren oft Titel gewonnen hat.»

Vorerst aber steht die zweiwöchige Länderspielpause an, die Nationalspieler sind mit ihren Auswahlen unterwegs. Im Schweizer Aufgebot etwa stehen drei YB-Akteure: Benito (2 Länderspiele), Fassnacht (3) und Djibril Sow (2). Alle drei rückten am Montag nicht als Stammkräfte ein, freuen sich aber auf die Tage im Nationalteam und die Partien zum Start der EM-Qualifikation in Georgien (am Samstag) und gegen Dänemark (am nächsten Dienstag in Basel).

«Es ist eine Ehre, dabei zu sein», sagt Benito. Teamkollege Fassnacht sagt: «Das ist eine Anerkennung für unsere Leistungen mit YB.» Und Sow will möglichst viel profitieren von den erfahrenen Nationalspielern. «Sie spielen in grossen Ligen, das Niveau in den Trainings ist sehr hoch», sagt er. Auch Fassnacht betont die Qualität der Mitspieler. «Ich kann einiges lernen.» Beeindruckt ist er, wie schnell die Auslandprofis umschalten. «In der Super League hat man mehr Zeit.»

Die Wechselgelüste

Sow ist der Herausforderer im zentralen Mittelfeld mit glänzender Perspektive, Fassnacht in der Offensive der ideale Joker, Benito hinten links die Nummer 2 hinter Ricardo Rodriguez, der bei der 2:3-Niederlage am Sonntagabend im spektakulären Derby mit Milan gegen Inter kurz nach der Pause ausgewechselt wurde. «Mir ist klar, dass ich im Normalfall kaum zum Einsatz komme», sagt Benito. «Aber ich werde viel mitnehmen können.»

Es ist im Übrigen keineswegs ausgeschlossen, dass alle drei YB-Nationalspieler bald ebenfalls wie die allermeisten Auswahlfussballer im Ausland spielen werden. Benito und Sow haben ihre Wechselwünsche längst deponiert, auch Fassnacht wird ständig beobachtet. Sein Transfer nach Deutschland (zu Frankfurt oder vor allem Hamburg) scheiterte letzten Sommer knapp, den HSV verfolgt er auf dem Weg zurück in die Bundesliga. «Natürlich möchte auch ich wie jeder Spieler mal in eine Topliga wechseln», sagt Fassnacht.

Sonderfall Mbabu

Im Sommer steht den Young Boys ein grösserer personeller Umbruch bevor, ungeklärt ist ja auch die Zukunft von Abwehrchef Steve von Bergen, der ebenfalls eine überragende Saison absolviert. Und Mbabu ist wie Sow nicht zu halten, der Rechtsverteidiger ist stärkster Spieler der Liga.

Er steht wie Goalie David von Ballmoos im erweiterten Schweizer Aufgebot, ist aber am nächsten aller YB-Akteure an einem Stammplatz. Er wurde nur nicht aufgeboten, weil er verletzt gewesen war. Dafür ist Captain Stephan Lichtsteiner erstmals seit der WM 2018 wieder dabei.

Die Zukunft hinten rechts jedoch gehört Mbabu, der seit der Winterpause verletzungsbedingt selten zum Einsatz gekommen ist. Weil sich seine gesundheitliche Situation Ende letzter Woche deutlich verbessert hatte, setzte ihn YB-Coach Gerardo Seoane vor zwei Tagen in Basel kurzerhand ein.

Mbabu absolvierte im St.-Jakob-Park die gesamte Partie und steigerte sich nach verhaltener erster Halbzeit massiv. Der 23-Jährige brillierte mal wieder mit seiner aussergewöhnlichen Dynamik. Er war wieder jener Mbabu, der sich vor ausländischen Interessenten kaum retten kann. Und der entscheidenden Anteil an dieser YB-Saison der Rekorde hat.

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