«Wir waren nicht clever genug»

Deutschlands Frust

Der deutsche Verteidiger Philipp Lahm versuchte gestern nach verlorener Schlacht gegen Italien das Geschehene zu erklären.

«Wenn man gegen Italien einmal im Rückstand liegt ...»: Philipp Lahm.

«Wenn man gegen Italien einmal im Rückstand liegt ...»: Philipp Lahm.

(Bild: Keystone)

Viermal hatten die Deutschen bei dieser EM gewonnen, dabei sehr gute Spiele gezeigt, neun Treffer erzielt und nur vier Gegentore hinnehmen müssen. Gestern folgte in Warschau der Halbfinal – und die erste Niederlage und das Ausscheiden gegen Italien. Wieder gegen Italien. Noch nie hatte Deutschland diesen Gegner bei einem grossen Turnier besiegen können. Entsprechend gross war der Frust der Deutschen nach dem 1:2. Philipp Lahm sprach von einer sehr «bitteren Niederlage».

Sie schmerze extrem, vor allem weil sie sich die deutsche Mannschaft selber zuzuschreiben habe. Der Captain erwähnte die Abwehrfehler, die den beiden italienischen Treffern durch Balotelli vorausgegangen waren. «Wir waren nicht clever genug, und die Italiener haben das sehr gekonnt ausgenutzt.» Lahm war der Ansicht, dass sie einem taktisch besseren Gegner unterlegen seien. «Die Italiener spielten sehr geschickt aus der Defensive – und wenn man gegen sie einmal mit zwei Toren im Rückstand liegt, dann wird es ganz schwierig.»

«Viel Herz gezeigt»

Lahm und die sechs anderen Spielern von Bayern München, die in der Startaufstellung standen, verpassten nach der verlorenen deutschen Meisterschaft, den Finalniederlagen im Cup und in der Champions League nun auch noch ihr letztes Ziel, den EM-Titel. Bundestrainer Joachim Löw mochte das Ausscheiden nicht dramatisieren, er wirkte erstaunlich gefasst: «Wir sind alle sehr enttäuscht, aber wir wollen nun nicht alles hinterfragen. Die Mannschaft hat viel Herz gezeigt und insgesamt eine gutes Turnier gespielt.»

Bei den Italienern war die Gemütslage euphorisch. Trainer Cesare Prandelli schwärmte von «einen grossen Sieg der Mannschaft.» Einen einzelnen Spieler mochte er nicht hervorheben. Das tat an seiner Stelle Claudio Marchisio, der Mitelfeldspieler von Meister Juve: «Wir verdanken den Sieg vor allem Mario Balotelli. Er machte den Unterschied.» (pb.)

ta

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