Wie Guardiola seinen Weltmeister demütigt

«Mario Götze hat grosses Potenzial, wir brauchen seine Qualität», diesen Satz vom 7. Mai 2015 hätte sich Bayerns Startrainer Pep Guardiola sparen können.

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Thomas Niggl@tagesanzeiger

Denn es ist ein Satz, der nicht der Wahrheit entspricht. Fakt ist: Der Mann, der Deutschland 2014 in Brasilien mit seinem goldenen Treffer im Final gegen Argentinien zum Weltmeister gemacht hatte, spielt in den Überlegungen von Bayerns Stardirigent Pep Guardiola überhaupt keine Rolle mehr. Mario Götze wird vom Katalanen nur noch demontiert und jetzt sogar gedemütigt.

Götze, dem bei den Spielen ausser Warmlaufen an der Seitenlinie nicht viel übrig bleibt, wurde von Guardiola am Samstag in Köln sogar zur Höchststrafe für einen Fussballprofi verdonnert. Der Katalane, der nach dem 4:2-Sieg nach Verlängerung und der Qualifikation für die Viertelfinals der Champions League gegen Juventus Turin am Samstag in Köln gewaltig rotiert hatte, setzte Vidal, Ribéry, Lahm und Müller vorerst auf die Ersatzbank und nominierte Götze nicht einmal für seine B-Elf.

Warum lässt Guardiola Götze so fallen?

Und diesmal kam der Weltmeister auch nicht dazu, sich überhaupt aufzuwärmen, nutzte Guardiola sein Auswechselkontingent doch mit Vidal, Ribéry und Lahm. Was in Köln auch Bände sprach: Während Vidal, Ribéry, Müller und Lahm auf der Ersatzbank in Köln nebeneinander sassen, vor laufenden TV-Kameras flachsten und offenbar richtigen Spass hatten, war ein sichtlich deprimierter Götze weit weg vom illustren Quartett postiert.

Aber was hat Guardiola nur dazu getrieben, Götze wie eine heisse Kartoffel fallen zu lassen? Will er der Clubführung einen Denkzettel verpassen, weil er damals partout nicht Götze, sondern den Brasilianer Neymar wollte, was ihm allerdings verweigert wurde?

«Eine Chronologie der Verdammung»

«Die Welt» listete auf, was Guardiola in München bisher über Götze gesagt hat, und wartet mit der Schlagzeile auf: «Eine Chronologie der Verdammung».

«Sein Potenzial ist gross»

8.5.2015: Vor dem Spiel gegen Augsburg sagte Guardiola: «Was ist das Problem? Mario ist der beste Profi, den ich kennen gelernt habe. Er hat bei mir diese Saison viel gespielt, es gibt kein Problem. Ich kann mich nicht beklagen, ich bin mit seinen Leistungen zufrieden. Er ist ein junger Spieler, sein Potenzial ist gross.»

«Ein Topspieler»

19.7.2015: Im Trainingscamp in China erklärte Guardiola zu den Wechselgerüchten: «Mario hat einen Vertrag hier. Er ist mein Spieler, er ist ein überragender Spieler, ein Topspieler. Doch ich weiss, dass hier nicht allein der Trainer entscheidet. Es hängt vom Verein ab.»

«Einer meiner liebsten Spieler»

3.8.2015: Nach dem Supercup in Wolfsburg erklärte Guardiola die späte Einwechslung Götzes folgendermassen: «Es können nur elf Spieler auflaufen. Ich kann nicht bei jeder Pressekonferenz über meine Entscheidungen reden. Das tut mir leid. Mario ist einer meiner liebsten Spieler, ein super, super Typ und super, super Profi. Die Spieler müssen mich überzeugen. Nicht hier, sondern auf dem Platz.»

«Er hat eine Wahnsinnsqualität»

17.9.2015: Nach dem 3:0-Sieg gegen Piräus in der Champions League musste Guardiola schon wieder eine späte Einwechslung von Götze kommentieren: «Ich liebe Mario Götze, er ist ein Topspieler. Er hat eine Wahnsinnsqualität und eine gute Einstellung. Aber ich habe Thomas Müller und Robert Lewandowski. Ich kann verstehen, dass er enttäuscht ist. Aber ich bin hier, um ihm zu helfen.»

«Habe das Gefühl, dass er uns helfen kann»

11.3.2016: Vor dem Spiel gegen Werder Bremen sagte Guardiola: «Er ist dabei, um zu spielen. Ich habe das Gefühl, dass er uns in den letzten beiden Monaten helfen kann. So bald wie möglich. Ich denke, er kann bald so viel spielen, wie er verdient hat. Heute hat er zum Beispiel wahnsinnig trainiert.»

12.3.2016: Im Spiel gegen Bremen hatte Guardiola Götze in der 54. Minute für Rode gebracht und ihn wieder hochgelobt. «Mario ist ein spezieller Spieler, weil er den anderen hilft, an den Ball zu kommen, und immer richtig läuft.»

Am Samstag folgte dann dieses Guardiola-Zitat nach der Partie in Köln, wo Götze nicht einmal mehr als Joker gebraucht wurde.

«Es war meine Entscheidung, und es war die beste Lösung für Bayern München. Wenn wir gewinnen, dann liege ich richtig.» Die beste Lösung für die Bayern ist also die Lösung ohne Götze.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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