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Was wird aus dem Schlechtgelaunten mit Schnauz?

Bayern-Verteidiger Mats Hummels schweigt zu aufgekommenen Wechselgerüchten. Er ist eine zentrale Figur bei der Kaderplanung des deutschen Rekordmeisters.

Benedikt Warmbrunn
Mats Hummels sah auch schon glücklicher aus: Beim FC Bayern München dürften die Tage des Verteidigers gezählt sein.
Mats Hummels sah auch schon glücklicher aus: Beim FC Bayern München dürften die Tage des Verteidigers gezählt sein.
Getty Images/Alexander Hassenstein

Als Mats Hummels zuletzt über einen Wechsel nachgedacht hatte, gelang es ihm irgendwann nicht mehr, seine Gedanken zu verbergen. Der sonst so redegewandte Innenverteidiger stammelte ein bisschen in ein Fernsehmikrofon hinein, er sprach von «einer schwierigen Entscheidung», dann sagte er geheimnisvoll: «Wenn ich sie irgendwann getroffen habe, dann werden alle verstehen, warum es so schwierig für mich ist.» Da er wirklich keinen Gedanken verbergen konnte, sagte er noch: «Das kostet mich seit einigen Wochen jede Nacht bestimmt eine halbe Stunde vor dem Einschlafen, weil mir das ganze Thema sehr nahegeht.» Wenige Tage später verkündete Borussia Dortmund den Wechsel von Captain Mats Hummels zum FC Bayern. Das war im Frühjahr 2016.

Knapp zweieinhalb Jahre später hat Mats Hummels nicht gestammelt. Der sonst so redegewandte Innenverteidiger hat nach dem 1:0 (0:0) des FC Bayern gegen RB Leipzig überhaupt nicht geredet, die Bitte nach zwei, drei Sätzen hat er beantwortet, indem er seinen Mund zu einem Strich zog, der parallel verlief zu seinem wunderbaren Schnauzbart, der inzwischen so prächtig gewachsen ist, dass er zunehmend dem von Luigi gleicht, dem jüngeren Zwillingsbruder von Super Mario aus den gleichnamigen Computerspielen.

Dass Hummels nicht gesprochen hat, lag jedoch nicht allein daran, dass er nicht über einen möglichen Wechsel sprechen wollte; er ist wortgewandt genug, um sich elegant aus noch so geschickten Fragen herausreden zu können. Hummels war am Mittwochabend zunächst einmal einfach verdammt schlecht gelaunt.

Transfer momentan kein Thema

Den Wechselwunsch, über den die «Bild» berichtet hatte, dementierten für ihn am Abend die Club-Verantwortlichen. Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge verkündete, Hummels werde «gesichert» in der Rückrunde für die Mannschaft spielen. Sportdirektor Hasan Salihamidzic berichtete, er habe mit dem Spieler «ein gutes Gespräch» geführt, ein Transfer sei «im Moment» kein Thema. Und er behauptete: «Mats fühlt sich sehr wohl in München.» Für die Stadt dürfte dies wohl stimmen. Aber auch für den Verein?

Am Donnerstag bemühten sich auch der Spieler und sein Umfeld, die Geschichte wieder einzufangen. Berater Marc Kosicke, der schon zu Verhandlungen in England gewesen sein soll, sagte dem Internetportal «Sport1»: «Die Nachricht ist eine klassische Ente.» Hummels selbst twitterte auf Englisch, dass die Partie gegen Leipzig seine 100. für den Club gewesen sei, und dann noch ein «big win». Es folgten ein Bizeps-Emoji sowie eines mit einem wunderbaren Schnauzbart, der Tweet endete mit dem Versprechen: «many more to come!» Also: Es werden viele weitere folgen.

Trotz dieses Bekenntnisses bleibt der stolze Innenverteidiger, dessen Vertrag bis zum Sommer 2021 läuft, eine zentrale Figur in der Kaderplanung. Und deren öffentliche Phase begann am vergangenen Mittwochabend.

«Aber fix ist noch nichts»

Hummels ist unzufrieden mit seiner Rolle als dritter Innenverteidiger hinter Niklas Süle und dem zurzeit verletzten Jérôme Boateng. Gleichzeitig ist Trainer Niko Kovac nie ein Verehrer von Hummels' Künsten in der Abwehr gewesen; mit Eintracht Frankfurt hatte er im Mai das Pokalfinale gegen den FC Bayern gewonnen, weil er seinen schnellen Angreifer Ante Rebic gezielt in Sprintduelle mit dem nicht ganz so schnellen Hummels geschickt hatte. Kovac sieht also in der Innenverteidigung Bedarf an neuen Spielern. Ihm dürfte daher gefallen haben, dass seine Bosse allenfalls halbherzig dementierten, an Lucas Hernández interessiert zu sein.

Angesprochen auf eine entsprechende Meldung der «Marca», sagte Rummenigge: «Ich kann nichts dementieren, ich kann auch nichts bestätigen. Bestätigen kann man erst etwas, wenn es fix ist, aber fix ist noch nichts.» Dass der französische Weltmeister, der als Linksverteidiger und als linker Innenverteidiger spielen kann, eine Ausstiegsklausel in Höhe von 80 Millionen Euro im Vertrag stehen habe, sei, sagte der Clubboss, «in diesem Fall sicherlich ein Vorteil». Das offizielle Communiqué von Atlético, dass Lucas Hernández nicht vorhabe, Madrid zu verlassen, ist in diesem Fall zudem nicht automatisch ein Nachteil. Der 22-Jährige soll auch vorhaben, mehr zu verdienen – diesen Wunsch wird ihm ein klammes Atlético kaum erfüllen können.

Wer wechselt zuerst?

Zusammen ergeben die Personalien Hummels und Hernández folgendes Bild: Im Winter wird Hummels wohl eher nicht den Verein verlassen, weswegen der Club im Winter eher nicht Hernández verpflichten wird. Für den Sommer muss dies rein gar nichts heissen. Da Hummels und Boateng beide 30 Jahre alt sind, braucht der FC Bayern perspektivisch neue Innenverteidiger. Einer könnte der französische Weltmeister Benjamin Pavard vom VfB Stuttgart sein. Ein anderer sein Nationalmannschaftskollege von Atlético. Es könnten auch beide kommen. Der für Transfers zuständige Salihamidzic, sagte Rummenigge, sei jedenfalls «on fire».

Dazu passt, dass sich Leipzigs Stürmer Timo Werner am Mittwoch keine Mühe gemacht hat, Gedanken zu verbergen: «Wenn man bei RB Leipzig spielt und in Deutschland bleiben will, gibt es eigentlich nur einen Verein, zu dem man wechseln kann.» Dazu sagte Rummenigge: «Ich kann nicht dementieren, dass er vielleicht recht hat.» In Leipzig liegt Werner ein aufgebesserter Vertrag über das bisherige Vertragsende 2020 hinaus vor, er ist bei uns am besten aufgehoben, sagte Trainer Ralf Rangnick, mit dem Zusatz: «im Moment».

Drei Transfergeschichten an einem Abend, und die Frage ist nicht, ob die drei wechseln werden. Sondern eher: wann? Und: wer zuerst? In Leipzig nutzen sie die Aufregung, um im Hintergrund am Kader zu basteln. Am Sonntag hat der Verein wie erwartet verkündet, dass aus Salzburg Mittelfeldspieler Amadou Haidara (20) kommt. Das ist übrigens im Grunde genommen fast ein Sommertransfer, denn aufgrund einer Knieverletzung fällt Haidara bis Ende März aus.

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