Vernichtende Kritik an Roberto Di Matteo

Dem Schaffhauser, der mit Chelsea die Champions League gewann, droht in Deutschland das frühe Scheitern. Das hat er sich aber selbst zuzuschreiben.

Schalkes Coach Roberto Di Matteo ist die Anspannung anzusehen.

Schalkes Coach Roberto Di Matteo ist die Anspannung anzusehen.

(Bild: Keystone)

Thomas Niggl@tagesanzeiger

Borussia Dortmund spielte bisher gegen den Abstieg, Schalke 04 um einen Platz, der für die Champions League berechtigt. Davon war im Ruhrpott-Klassiker am Samstag allerdings überhaupt nichts zu sehen. Das Team von Jürgen Klopp war drückend überlegen, was sich auch im Torschussverhältnis von sage und schreibe 31:3 widerspiegelte. Schalke war mit der schmeichelhaften 0:3-Niederlage noch mehr als gut bedient.

Die Mannschaft des gebürtigen Schaffhausers Roberto Di Matteo, der 2012 mit dem FC Chelsea mit einer ultradefensiven Taktik noch die Champions League gewonnen hatte, steckt nach der dritten Niederlage in den letzten vier Spielen mit Schalke tief in der Krise. Di Matteo, der gegen Dortmund mit einer Fünfer-Abwehrkette und drei defensiven Mittelfeldspielern seinem Namen als Betonmischer alle Ehre machte und mit seinen fragwürdigen taktischen Massnahmen nicht einmal im Ansatz ein bisschen Mut zur Offensive zeigte, wird zurzeit mit einer vernichtenden Kritik eingedeckt.

«Wir sind verstört»

Das Millionenblatt «Bild» schreibt von einer Derby-Schande und gibt dem ehemaligen italienischen Nationalspieler als Trainer in der Bundesliga nicht mehr viel Kredit. Drei Schüsse auf das gegnerische Tor seien ein historischer Tiefstwert, kommentiert Sport 1. Und im gleichen deutschen TV-Sender sagte Deutschlands Europameister Thomas Helmer als Experte des «Doppelpasses»: «Jetzt geht alles ganz schnell in eine ganz andere Richtung. Das lässt sich Schalke nicht gefallen.»

Di Matteo, der auf Schalke als Champions-League-Sieger nach der Entlassung von Jens Keller wie ein Messias empfangen worden war, meinte nach dem desolaten Auftritt gegen Dortmund, man müsse sich bei den eigenen Fans entschuldigen. Der gebürtige Schaffhauser wirkt zurzeit wie seine Mannschaft ziemlich ratlos. Er stellt sich sogar selbst infrage. «Wir sind verstört. Das war eine kollektiv schlechte Leistung, auch von mir. Wir müssen grundsätzlich überlegen, ob es mit diesem System weitergeht.»

Heldt stärkt Di Matteo noch den Rücken

Von einer Systemproblematik will Schalkes Manager Horst Heldt indes nichts wissen und schon gar nicht eine Trainerdebatte aufkommen lassen. «Ein schlimmer Auftritt. Viele Spieler waren fast Komplettausfälle, da brauchen wir nicht über Taktik zu reden. Das wird jetzt eine Charakterfrage, wie jeder Einzelne sich der Kritik stellt.» Schalke hat sich mittlerweile von einem Champions-League-Rang verabschiedet und steht mit dem punktgleichen Augsburg auf Rang 5. Am Samstag empfängt Schalke Hoffenheim. Eine erneute Niederlage – und diese erst noch zu Hause – kann sich Di Matteo wohl kaum leisten.

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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