Stolz und Enttäuschung nach dem Cupfinal

Nach der 1:2-Niederlage gegen den FC Basel hadern die Spieler des FC Thun mit der Effizienz. Sie sehen aber auch, dass sie mit dem Einzug ins Endspiel Grosses erreicht haben.

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Simon Scheidegger@theSimon_S

Das, was sie an diesem Nachmittag gewonnen haben, wollen sie nicht zeigen. Als die Spieler des FC Thun vom Rasen in die Katakomben schreiten, trägt sie keiner mehr um den Hals, die Silbermedaille. Denn in diesem Moment ist sie vor allem eine Last, ein Symbol für eine Niederlage in einem der wichtigsten Spiele der Vereinsgeschichte, ein Mahnmal für eine verpasste Chance.

«Es wäre viel mehr drin gelegen», sagt Dejan Sorgic. Der Thuner Topskorer denkt an die Chancen, die er sich erarbeitet hat, an die Flanke von Matteo Tosetti, nach der er freistehend vor dem Tor den Ball nicht trifft, oder an seinen satten Schuss von der Strafraumgrenze, der FCB-Torhüter Jonas Omlin erstmals richtig fordert, an den Nachschuss, der Zentimeter am Pfosten vorbeifliegt. Aber auch an Grégory Karlens Kopfball vor der Pause, der, kommt er aufs Tor, wohl den Ausgleich für die Thuner bedeutet hätte.

Die vielen Umstellungen

Die Oberländer erspielen sich gegen einen behäbigen, wenig stilsicheren FC Basel zahlreiche Möglichkeiten, und nachdem Sorgic in der 81. Minute doch noch einnetzen kann, kommen die Basler ziemlich ins Wanken. Im Spiel mit langen Bällen, welche die Thuner in der Schlussphase vermehrt probierten, seien sie leider nicht so geübt, sagt Sorgic, und wahrscheinlich hätte das Tor früher fallen müssen, um noch eine valable Chance auf den Ausgleich zu erhalten.

Marvin Spielmann lobt derweil die mutige Spielweise, die er und seine Teamkollegen auf dem Platz gezeigt hätten. «Wir haben einen FC Thun gesehen, der mitspielen wollte», sagt er. Der Oltner stützt sich auf einem Abschrankungsgitter auf. Er spricht leise, sagt einmal, dass ihm etwas die Worte fehlen würden, die vergangenen 90 Minuten zu beschreiben. Er wollte vor seinem Wechsel zu den Young Boys unbedingt in seinem zukünftigen Heimstadion den Titel gewinnen. Und während Sorgic meint, die frühe verletzungsbedingte Auswechslung von Nicola Sutter und die Abwesenheit von Stamminnenverteidiger Miguel Rodrigues, der aufgrund einer Hirnerschütterung fehlte, hätten das Spiel beeinflusst («Es waren wohl etwas zu viele Umstellungen»), will sich Spielmann gar nicht damit aufhalten, was war und was hätte sein können, sondern richtet den Blick auf das grosse Ganze. Er sagt: «Wir haben eine Riesen-Cupkampagne gespielt. Darauf können wir stolz sein.»

Das Lob der Gegner

Es ist eine Mischung aus Enttäuschung und Stolz, die am Sonntagnachmittag in den Voten der Thuner Protagonisten mitschwingt. Auch bei Guillaume Faivre, der das Team in Abwesenheit des gesperrten Stefan Glarner als Captain anführte. Der Torhüter meint, Basel habe als Spitzenmannschaft halt Spieler im Kader, die jederzeit für den Unterschied sorgen könnten, auch wenn sie insgesamt nicht überzeugen. «Wir haben alles gegeben, die Fans haben alles gegeben. Wir sind dankbar für diese Unterstützung», sagt Faivre. Trotzdem werde er in der Nacht wohl nicht gut oder gar nicht schlafen. «Dieses Spiel müssen wir zuerst verdauen.» Er zweifelt aber nicht daran, dass seine Mannschaft am Mittwoch, wenn die Basler im zweitletzten Meisterschaftsspiel nach Thun reisen, bereit sein werde. Im Kampf um den dritten Platz und die Europa-League-Gruppenphase geht es für die Thuner um viel, und der 32-Jährige sagt: «Wir wollen diese Revanche.»

Bei Faivres Kampfansage steht Albian Ajeti ein paar Meter daneben. Der FCB-Stürmer präsentiert stolz seine Goldmedaille. Thun habe ihnen alles abverlangt, sagt er. Und Flügel Valentin Stocker, der im Stade de Suisse eine unauffällige Vorstellung bot, meint, die Oberländer hätten den Sieg verdient gehabt. Es sind die höflichen Worte der Sieger, mit denen die Thuner ihre Enttäuschung nur bedingt werden lindern können.

Berner Zeitung

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