Spielmanns Schuss zum wichtigen Punkt

Ein gutes YB verdient sich bei Feyenoord Rotterdam ein Unentschieden. Der eingewechselte Marvin Spielmann trifft zum 1:1.

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Eine halbe Stunde ist noch zu spielen in Rotterdam, die Young Boys liegen 0:1 zurück gegen Feyenoord, aber sie haben die zweite Halbzeit in ihrem vierten Europa-League-Auftritt in dieser Saison äusserst druckvoll und dominant begonnen. Ab und zu schleicht sich ein Flüchtigkeitsfehler ein, doch die Gäste haben das Geschehen nun im Griff. Trainer Gerardo Seoane wechselt mit Marvin Spielmann und Saidy Janko frische Kräfte ein, auch er spürt, dass dieser Gegner angeschlagen und wie im Hinspiel zu schlagen ist.

Spielmanns Matchball

Und so greifen seine Spieler weiter mutig an. Sie sind besser und kombinieren sorgfältiger, und sie belohnen sich in der 71. Minute für ihren starken Auftritt. Jean-Pierre Nsame setzt sich durch, nach dessen klugem Rückpass schiesst Roger Assalé Feyenoords Verteidiger Jan-Arie van der Heijden an, doch aus dem Hinterhalt kommt Spielmann und verwertet den Ball mit einem flachen Linksschuss im Tor. In der unterhaltsamen Schlussphase verpasst Spielmann sogar zweimal knapp den Siegtreffer, den Matchball vergibt er dabei in der 94. und letzten Minute, als er nach einem abgewehrten Kopfball Cédric Zesigers aus vier Metern übers Tor schiesst.

Lotomba ungeschickt

Es ist ein stimmungsvoller Abend im ausverkauften De Kuip, dem EM-Finalstadion 2000. Und es ist ein Abend, an dem die Young Boys schon in den Startminuten deutlich härtere Gegenwehr erhalten als im Hinspiel zwei Wochen zuvor im Stade de Suisse. Feyenoord greift leidenschaftlich an und zuweilen wild, stets mit dem Bestreben, das frühe Führungstor zu erzielen. Schon nach sieben Minuten lenkt Frederik Sörensen einen Schuss von Luis Sinisterra aus wenigen Metern knapp am Pfosten vorbei. Rotterdam aber besitzt nicht die Klasse eines europäischen Topteams, das zeigt der 10. Platz nach 12 Spieltagen in der heimischen Liga. Nach dem Trainerwechsel letzte Woche von Jaap Stam zu Dick Advocaat präsentiert sich Feyenoord immerhin mit mehr Aggressivität und Elan. Am Wochenende resultierte ein 3:0 bei Abstiegskandidat Venlo, am Donnerstagabend gelingt es, das laute Publikum mitzunehmen.

Allerdings ist die Defensive des holländischen Traditionsclubs erneut nicht stilsicher, was den Young Boys gefährliche Konterchancen ermöglicht. Zum Beispiel schon nach acht Minuten, als Nicolas Ngamaleus Hereingabe ein bisschen zu ungenau ist – und der Schuss von Christian Fassnacht geblockt wird.

Die Begegnung also nimmt sofort Fahrt auf. Und nach etwas mehr als einer Viertelstunde erhält Feyenoord einen Elfmeter zugesprochen. Weil zuerst Fassnacht zu nachlässig verteidigt. Und danach Jordan Lotomba äusserst ungeschickt agiert und den trickreichen, offensivstarken Ridgeciano Haps zu Fall bringt. Captain Steven Berghuis verwandelt den Penalty sicher. Erneut ist es der Gastgeber, dem das frühe 1:0 mit einem Elfmetertor gelingt. Wie im Hinspiel in Bern, als Assalé nach 14 Minuten traf. Damals erhöhte Nsame, erneut aus elf Metern, noch vor Ablauf der ersten halben Stunde auf 2:0.

Gute Ausgangslage

Ein zweites Tor strebt auch Feyenoord an. YB aber verteidigt relativ abgeklärt, gefährlich wird es einzig bei Flanken oder Eckbällen, und gegen Ende der ersten Halbzeit sind die Gäste dem Ausgleich sogar näher. Fassnacht und Assalé schliessen zu überhastet ab, doch es sind weitere Nadelstiche der Young Boys, die längst realisiert haben, dass in Rotterdam in hitziger Ambiance deutlich mehr möglich ist als eine ehrenvolle Niederlage.

Der zweite Durchgang beginnt mit einem Handspiel im eigenen Strafraum von Edgar Iè, der bereits in Bern einen Handelfmeter verschuldete. Am Donnerstag aber entscheidet der polnische Schiedsrichter Pawel Gil trotz wütenden Protesten der YB-Fussballer auf Weiterspielen. Feyenoord allerdings wirkt nun angeschlagen, bald lenkt Iè den Ball an die eigene Lattenoberkante, kurz darauf schiesst Assalé aus bester Position übers Tor.

Es ist ein Vorgeschmack auf die intensive Schlussphase, in der YB dem Sieg näher steht. Aber auch das Unentschieden ist für den kämpferischen Schweizer Meister ein respektables Ergebnis. Im anderen Spiel der Europa-League-Gruppe G setzen sich die Glasgow Rangers zu Hause überraschend 2:0 gegen den Favoriten FC Porto durch.

Damit bleiben die Young Boys mit sieben Zählern Leader, punktgleich mit den Rangers und drei Punkte vor Porto und Feyenoord. Die Ausgangslage vor dem Heimspiel am 28. November gegen Porto ist reizvoll.


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