Simone Rapp kehrt zum FC Thun zurück

Nach drei Wochen Pause hat der FC Thun das Training wieder aufgenommen. Topskorer Dejan Sorgic möchte ein Abenteuer im Ausland wagen.

Leichter Aufgalopp in der Stockhorn-Arena: Beim ersten Training nach der Sommerpause gings gemächlich zu und her.

Leichter Aufgalopp in der Stockhorn-Arena: Beim ersten Training nach der Sommerpause gings gemächlich zu und her.

(Bild: Anthony Anex (Keystone))

Simon Scheidegger@theSimon_S

Simone Rapp sitzt am Freitagmittag im Migros-Restaurant des Panorama-Centers, vor sich ein Steak und Gemüse. Als ihn ein paar Spieler des FC Thun erblicken, herzen sie den Stürmer, der zweieinhalb Jahre in Thun gespielt hat. Es scheint in diesem Moment fast so, als gehöre auch er zu dieser Mannschaft, doch Rapp steht seit seinem Abgang in Thun bei Lausanne unter Vertrag.

Am Samstagmorgen wird die Rückkehr des gross gewachsenen Tessiners offiziell, nachdem er den Medizincheck absolviert hat und alle nötigen Papiere unterschrieben sind. Der 26-Jährige, der in 95 Spielen für die Berner Oberländer dreissig Tore erzielt hat, will in der Super League spielen. Im letzten halben Jahr war er an St. Gallen ausgeliehen, kam in der Ostschweiz insgesamt zu 16 (Kurz-)Einsätzen und schoss zwei Treffer. «Simone kennt den Verein und passt sehr gut zu uns», sagt Sportchef Andres Gerber. Mit Rapps Zuzug sind die Thuner auf einen Abgang vorbereitet, der sich im Sturm abzeichnet.

Hefti kommt, Da Silva geht

Dejan Sorgic, in der letzten Saison mit fünfzehn Toren der beste Thuner Torschütze, hat gegenüber den Verantwortlichen den Wunsch geäussert, ins Ausland zu wechseln, sollte ein für alle Parteien passendes Angebot kommen. «Ich werde bald 30», sagt Sorgic. «Jetzt ist vielleicht meine letzte Chance auf ein solches Abenteuer.» Konkrete Offerte liege im Moment keine auf dem Tisch, meint der Zuger. Er weiss aber, dass das Transferfenster noch lange geöffnet ist. Gerber rechnet jedenfalls mit einem Abgang von Sorgic und hat sich längst nach Alternativen umgesehen – und in Rapp gefunden.

Vor der Offizialisierung des leihweisen Engagements von mindestens einem Jahr sprach der Sportchef im Zusammenhang mit dem Spieler, mit dem er sich in Verhandlungen befand, von einen «spe­ziellen Fall». Es ist eine Beschreibung, die auf Rapp passt – wegen seiner Thuner Vergangenheit, aber auch deshalb, weil Lausanne einst rund eine Million Franken nach Thun überwies und damals niemand damit rechnete, dass der Stürmer so bald wieder im Trikot des FCT auflaufen würde.

Rapps Rückkehr ist nicht der einzige Personalentscheid, der am Samstag kommuniziert wird. Nias Hefti stösst vom FC St.Gallen ins Berner Oberland. Der 19-jährige Verteidiger, der auch im Mittelfeld eingesetzt werden kann, war zuletzt an den FC Wil ausgeliehen und erhält in Thun einen Zweijahresvertrag mit Option auf zwei weitere Saisons. Nuno Da Silva wird derweil für ein Jahr nach Winterthur ausgeliehen. Der 25-jährige Berner kam in der letzten Saison nur sechsmal zum Einsatz und soll beim FCW zu mehr Spielpraxis kommen.

Während hinter den Kulissen also an der Mannschaft der nächsten Saison gebaut wird, geht es auf dem Feld deutlich gemächlicher zu und her. Am Freitagmorgen lädt Marc Schneider zum ersten Training nach der Sommerpause. Einen «leichten Aufgalopp» nennt es der Trainer. Am Spielfeldrand lassen die paar wenigen Zaungäste die letzte Saison Revue passieren. Es sei schon schade, habe man den Cupfinal nicht gewonnen, sagt einer, und ein anderer entgegnet, dass man am letzten Spieltag in der virtuellen Tabelle bis zur 86. Minute auf dem 3. Rang gestanden sei, ehe Lugano gegen GC noch ein Tor gelang.

Diese letzte Partie in Sitten ist gerade einmal drei Wochen her, der Cupfinal knapp vier. Die Sommerferien sind kurz, und doch liegen diese beiden leisen Enttäuschungen, die von den Berner Oberländern aber nie als solche bezeichnet wurden, gefühlt schon viel länger zurück.

Castromans grosser Rucksack

Schneider erholte sich mit der Familie am Strand und startet nun mit aufgeladenen Batterien in die Saisonvorbereitung, welche die Thuner am Montag in ein achttägiges Trainingslager nach Schönried und Saanen führen wird. Dieses hat mittlerweile Tradition und dient nicht nur dazu, spielerische Elemente zu üben und an der Physis zu arbeiten, sondern soll auch den Zusammenhalt in der Mannschaft stärken.

Mit Torhüter An­dreas Hirzel (von Vaduz), Innenverteidiger Nikki Havenaar (Wil), Mittelfeldspieler Miguel Castroman (YB) und Offensivakteur Saleh Chihadeh (Kriens) sind in der ersten Übungseinheit vier neue Gesichter anwesend, die in Thun einen nächsten Karriereschritt vollziehen möchten – wie einst Simone Rapp, der aus Wohlen ins Oberland wechselte. Zudem absolvieren die kürzlich mit einem Profivertrag ausgestatteten Nachwuchsspieler Justin Roth, Uros Vasic, Levin Wanner und Diego Berchtold ihre erste Einheit bei den Profis.

Castroman, der die letzten zwei Jahre an Schaffhausen ausgeliehen war, spricht von einem «grossen Rucksack an Erfahrungen», den er aus der Challenge League mitnehme. Seit er die Young Boys vor vier Jahren verliess, hat der 24-jährige Berner für Schaffhausen und Wohlen 100 Spiele absolviert und sich zu einem technisch beschlagenen, torgefährlichen Mittelfeldspieler entwickelt.

Marc Schneider sagt, dass jeder der Zuzüge wichtige Elemente in die Mannschaft bringe. Hirzel erhöhe den Konkurrenzkampf für Stammtorhüter Guillaume Faivre, Havenaar sei ein guter Kommunikator und physisch stark, Castroman technisch versiert, und Chihadeh bringe den Biss mit, den es im Sturm brauche. «Wir werden eine sehr gute Mannschaft haben», sagt Andres Gerber. Eine Mannschaft, der jetzt auch Simone Rapp wieder angehört.

Berner Zeitung

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