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Ronaldo ist grösser als das gesamte Schweizer Team

Cristiano Ronaldo ist der bestbezahlte, berühmteste Sportler der Welt. Er ist ein Mann der Rekorde und Superlativen. Heute kämpft CR7 gegen die Schweiz um die WM-Qualifikation.

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Wenn man sich mit Cristiano Ronaldo befasst, stösst man um­gehend auf allerlei atemberaubende Statistiken. Der Mann bricht fast wöchentlich Tor­rekorde (oft eigene), er trifft und trifft und trifft, siegt und siegt und siegt, stellt Superlativ um Superlativ um Superlativ auf.

So ist er auch 2017 gemäss dem führenden Wirtschaftsmagazin «Forbes» mit einem geschätzten Einkommen von 83 Millionen Euro der bestbezahlte Sportler der Welt, vor all den US-Grössen, Tennisstars, Golfhelden.

Ronaldo ist laut Espn.com, der weltgrössten Sportinternetseite, offiziell der berühmteste Athlet, vor Basketballer LeBron James und Lionel Messi, seinem ewigen Rivalen.

Die beiden treiben sich zu Höchstleistungen an, sie stehen in der mit Abstand populärsten Sportart weit über allen anderen Ausnahmekickern – und sie sind auf direktem Weg, Pelé den in­offiziellen Titel des besten Fussballers der Geschichte abzu­nehmen. CR7 oder Messi?

Zu entrückt für Portugiesen

Diese Debatten, wer grösser ist, Ronaldo oder Messi (oder Pélé), werden lustvoll geführt, und es sind ja auch die Gegensätze, die das Duell zwischen Ronaldo, dem Superstar Real Madrids, und Messi, dem Superstar Barcelonas, so reizvoll erscheinen lassen.

Der eine gross, kräftig, laut, selbstbewusst, arrogant, umstritten, ein attraktiver Schönling mit ständig wechselnden Liebschaften (wobei Ronaldo mit der aktuellen Freundin ruhiger geworden sein soll). Der andere klein, leise, schüchtern, ein Normalo und Langweiler fast, seit Ewigkeiten mit der Jugendfreundin zusammen.

Ronaldo ist 32 Jahre alt mittlerweile, er hat fast alles gewonnen, was ein Fussballer aus Portugal gewinnen kann, sein letztes sehr grosses Ziel ist der WM-Titel. Er sagte mal: «Es erfüllt mich mit viel Stolz, für mein Heimatland zu spielen.»

Europameister ist Ronaldo überraschenderweise geworden, das war letztes Jahr, und nächstes Jahr bietet sich ihm wohl die letzte Gelegenheit, an einer WM zu triumphieren. Favoriten sind andere, natürlich, und Portugal muss sich ja erst mal für Russland 2018 qualifizieren.

In der Heimat übrigens ist Ronaldo nicht annähernd so beliebt und umschwärmt wie in den meisten anderen Ländern. Der Weltriese ist den Menschen zu Hause entrückt, viel zu gross geworden, eine Fantasiefigur beinahe, die einem Blockbuster-Film entsprungen sein könnte.

Biederes Team ohne Ronaldo

Gäbe es Cristiano nicht, er müsste dringend erfunden werden. CR7 ist eine Marke, die jedes Kind kennt, und das ist durchaus passend, Millionen Jugendliche tragen sein Real-Trikot, schlafen in Bettwäsche mit seinem Konterfei, wollen die Schuhe posten, wenn sein Ausrüster Nike wieder ein frisches, farbiges, finanziell lukratives (für Nike und Ronaldo wohlverstanden) Exemplar herausgibt. Selbstredend für alle Beläge.

Ronaldo ist Portugal. Portugal ist Ronaldo. Zwar hat das Nationalteam ohne ihn den EM-Final 2016 gegen Gastgeber Frankreich 1:0 gewonnen, nachdem der Stürmer verletzt hatte ausgewechselt worden müssen.

Aber irgendwie war es schon auch Ronaldos Triumph, er hatte die Auswahl ins Endspiel geführt. Und in der Verlängerung stand er, die Tränen nach dem Abgang getrocknet, an der Seitenlinie, war der Trainer, trieb an, dirigierte, litt mit.

Ohne ihn kam ein biederes Portugal am Samstag in Andorra nicht über ein 0:0 hinaus. In der ersten Hälfte. Ronaldo war geschont worden, weil er bei einer Ver­warnung heute gesperrt gewesen wäre. Nach seiner Einwechslung traf er zum 1:0 und leitete das 2:0 ein. Portugal hat seinen Final. Es ist angerichtet für Cristiano.

Ernüchternder Vergleich

Zum Glück für die Schweiz ist Fussball ein Teamsport. Denn Ronaldo ist grösser als die gesamte helvetische Belegschaft, die heute beginnen dürfte. Immerhin haben Yann Sommer, Stephan Lichtsteiner, Johan Djourou, Fabian Schär, Ricardo Rodriguez, Granit Xhaka, Remo Freuler, Xherdan Shaqiri, Blerim Dzemaili, Admir Mehmedi und Haris Seferovic gemeinsam deutlich mehr Länderspiele bestritten.

Und ihr Marktwert beträgt gemäss der Branchenbibel Transfermarkt.de genau gleich viel (100 Millionen Euro). Insgesamt aber fällt der Vergleich für die mutmassliche Schweizer Startelf ernüchternd aus. Auf dem Rasen und in den sozialen Medien.

Das ist auch bei der Anzahl Auszeichnungen so, Ronaldo wird ja ständig irgendwo Torschützenkönig oder bester Spieler, es sind über hundert individuelle Titel. In den Disziplinen Luxusautos, Immobilien, Briefkastenfirmen, abgeschleppte Supermodels, verbrachte Stunden im Kraftraum (und vor dem Spiegel), verbrauchte Tonnen Haargel, Kosten für Körperpflege dürfte CR7 ebenfalls überlegen sein.

Das alles aber zählt heute nicht, wenn die Schweizer in Lissabon ver­suchen, den fleischgewordenen Traum jedes PR-Experten aufzuhalten.

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