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YB: Reise in die Vergangenheit

YB tritt am Donnerstag bei Partizan Belgrad an. Es ist ein Schlüsselspiel in der Europa League. Die Young Boys müssen im leicht verlotterten Partizan-Stadion auf ihren Captain verzichten.

Arena für Fussballromantiker: Die Young Boys am Mittwochabend im ziemlich rustikalen Partizan-Stadion.
Arena für Fussballromantiker: Die Young Boys am Mittwochabend im ziemlich rustikalen Partizan-Stadion.
Keystone
Hier wollen die Young Boys am Donnerstagabend gegen Partizan Belgrad einen grossen Schritt Richtung Europa-League-Sechzehntelfinals realisieren.
Hier wollen die Young Boys am Donnerstagabend gegen Partizan Belgrad einen grossen Schritt Richtung Europa-League-Sechzehntelfinals realisieren.
Keystone
Ein ganz besonderes Spiel wird es für Miralem Sulejmani. Der frühere Partizan-Junior freut sich sehr auf das Treffen mit seinem Herzensklub. «Hier bin ich gross geworden», sagt er, «das wird speziell.»
Ein ganz besonderes Spiel wird es für Miralem Sulejmani. Der frühere Partizan-Junior freut sich sehr auf das Treffen mit seinem Herzensklub. «Hier bin ich gross geworden», sagt er, «das wird speziell.»
Keystone
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Das Partizan-Stadion in Belgrad liegt nur rund einen Kilometer von der Marakana-Arena des Rivalen Roter Stern entfernt. Beides sind sehr baufällige Stätten, im Heimstadion Partizans müffelt es, die Gänge sind verwinkelt, es sieht zuweilen ein bisschen aus wie im Wankdorfstadion selig.

Irgendwo hinter zwei Glasscheiben stehen verloren ein paar Pokale des hochdekorierten Klubs (27 Meister­titel, 14 Pokalsiege), daneben sind Bilder der Gewichtheber­abteilung zu sehen. Die Szenerie hat Charme, es ist eine Reise in die Fussballvergangenheit.

Hier wollen die Young Boys am Donnerstagabend einen grossen Schritt Richtung Europa-League-Sechzehntelfinals realisieren. «Ich erwarte ein enges, intensives Spiel», sagt YB-Trainer Adi Hütter am Mittwochabend vor dem Abschlusstraining auf dem wunderbaren Naturrasen, «das wird für unser junges Team in diesem Hexenkessel ein echter Test.»

Christian Fassnacht erzählt nach dem Abschlusstraining von seinen Eindrücken des Partizan-Stadions und seinen Erwartungen ans Spiel. Quelle: Youtube/BSC Young Boys

Von Bergen fehlt verletzt

Der FC Thun bestritt hier 2013 das Hinspiel der Europa-League-Playoffs und verlor unter Trainer Urs Fischer 0:1. Im Rückspiel setzten sich die Berner Ober­länder 3:0 durch und erreichten überraschend die Gruppenphase.

Die Young Boys sind beinahe Europa-League-Stammgast, sie nehmen bereits zum fünften Mal seit 2010 teil und absolvieren in Belgrad das 29. Vorrundenspiel. Bisher holten sie in eher stärker besetzten Gruppen stets zwischen 8 und 12 Punkte, zweimal erreichten sie die Sechzehntel­finals, zweimal schieden sie mit gleich vielen Punkten wie der Zweite aus.

Diesmal ist YB nach vier Spieltagen bei drei Unentschieden noch sieglos – aber längst nicht ausgeschieden. Partizan liegt mit nur 2 Punkten mehr auf Rang 2, ein Sieg heute wäre wegweisend. Adi Hütter lässt offen, ob er auch mit einem Remis zufrieden wäre. «Dann wären wir weiter im Rennen», sagt der Trainer, «aber in der letzten Runde auf Schützenhilfe von Dynamo Kiew angewiesen. Das möchten wir vermeiden.»

Die selbstbewussten Young Boys streben den Auswärtssieg an. Und geniessen den Respekt des Gegners. «Wir wissen um die gute Verfassung von YB», sagt Partizan-Trainer Miroslav Djukic. «Wir spielen gegen ein Siegerteam. Doch das sind wir auch. Wir wollen YB sofort unter Druck setzen.»

Auf die Berner Defensive dürfte eine Menge Arbeit warten. Ihr Chef fehlt verletzt, Captain Steve von Bergen ist wegen Rückenschmerzen gar nicht erst nach Belgrad mitgekommen. «Natürlich fehlt er uns mit seiner Erfahrung und Klasse», sagt Goalie David von Ballmoos. «Nun müssen wir die Verantwortung auf mehrere Schultern verteilen.» Zumal der wertvolle Mittelfeldabräumer Sékou Sanogo wegen Adduktorenproblemen möglicherweise ebenfalls fehlen wird.

Sulejmanis spezielles Spiel

Ohne von Bergen, vielleicht ohne Sanogo und wohl auch noch ohne den lange verletzt gewesenen Stürmer Guillaume Hoarau werden die Young Boys heute besonders jung sein. Ihr mit Abstand erfahrenster Akteur dürfte Miralem Sulejmani sein. Der frühere Partizan-Junior freut sich sehr auf das Treffen mit seinem Herzensklub. «Hier bin ich gross geworden», sagt Sulejmani, «das wird speziell.» Er habe eine grosse Familie, viele Freunde und Bekannte seien im Stadion.

Sulejmani wurde am Freitag zum zweiten Mal Vater, am Sonntag verwandelte er gegen Zürich (2:1) einen Elfmeter und präsentierte sich wie in den Begegnungen zuvor in starker Verfassung. «Es läuft uns sehr gut», sagt der Linksfuss, dessen Vertrag Ende Saison ausläuft. Am 5. Dezember wird Sulejmani 29, der nächste Kontrakt dürfte der letzte grosse in seiner Karriere sein. Erste Gespräche mit den Young Boys haben zuletzt statt­gefunden. Miralem Sulejmani würde gern in Bern bleiben.

Der Serbe erwartet heute eine grossartige Stimmung. «Die Fans hier sind sehr heissblütig.» Oft überborden die Emotionen, zweimal war das Partizan-Stadion ­diese Saison im Europacup für Zuschauer geschlossen worden. Im Hochrisikospiel zuletzt gegen Skënderbeu aus Albanien blieb es ruhig.

Heute wird die Partie kaum ausverkauft sein, unter den rund 20'000 Besuchern werden auch etwa 350 YB-Fans erwartet. Den Fussballromantikern unter ihnen wird es im Partizan-Stadion gefallen.

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