Prunkstück wird zur Problemzone

Nach dürftiger Leistung spielt Thun in Lugano 1:1 und wähnt sich weiter im Aufschwung. Sorgen bereitet ein Leistungsträger.

<b>Kampf statt Kunst:</b> Thuns Captain Dennis Hediger behauptet gegen Davide Mariani den Ball. Das Kellerduell zwischen Lugano und Thun war wenig überraschend kein Leckerbissen.

Kampf statt Kunst: Thuns Captain Dennis Hediger behauptet gegen Davide Mariani den Ball. Das Kellerduell zwischen Lugano und Thun war wenig überraschend kein Leckerbissen. Bild: Keystone

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Als am Samstag die Partie in Lugano zu Ende ist, wirkt Trainer Marc Schneider ratlos. Im vierten Duell mit den Tessinern ist sein Team zum vierten Mal sieglos geblieben, nur zwei Punkte hat Thun geholt. Lugano, das zuvor sechs Partien in Folge verloren und Trainer Pierluigi Tami entlassen hatte, ist zwar ein ernster Abstiegskandidat, für Thun aber ein veritabler Angstgegner.

Auf die Frage nach den Gründen dafür, sagt Schneider, er kenne sie nicht. «Es gibt manchmal Teams, die liegen einem einfach nicht.» Lugano würde weder unangenehm noch völlig verschieden im Vergleich zu anderen Teams spielen, meint Schneider. Und, seiner Ratlosigkeit Nachdruck verleihend, fügt er an: Vielleicht bekomme die lange Anreise den Spielern nicht gut, das Übernachten im Hotel, das unüblich sei. Kurz: Er weiss es wirklich nicht.

Faivres Fehler

Schneider ist nach Spielschluss dennoch ein zufriedener Trainer. Weil der kurz davor eingewechselte Nuno Da Silva nach einem satten Schuss Gregory Karlens den Abpraller zum 1:1 verwertete. Weil sein Team zum vierten Mal in Folge ungeschlagen geblieben ist. Weil es im Abstiegskampf auswärts bei einem direkten Konkurrenten nicht verloren hat. Schneider sagt: «Wir wollten Lugano unbedingt da unten drin behalten. Das ist uns gelungen.»

Und so haben die Oberländer wie bei den Siegen gegen GC und Luzern aus wenig relativ viel gemacht. Karlens Abschluss in der 82. Minute war ihr erster Torschuss überhaupt, die Effizienz, welche die Thuner an den Tag legten, unverschämt gross. «In der Vorrunde hätten wir wahrscheinlich noch 0:2 verloren», sagt Schneider.

Chancen erspielte sich Lugano genügend, nachdem der kleine Carlinhos Junior, knapp im Offside startend, bereits nach drei Minuten mit dem Kopf von einem Fehler von Thuns Goalie Guillaume Faivre profitiert hatte. Marc Janko traf – bezeichnend für die spielerisch ungenügende Partie – ebenfalls nach einer Standardsituation die Latte. Und der zur Pause eingewechselte Roy Gelmi bewahrte mit einer starken Intervention gegen Carlinhos Junior sein Team kurz darauf im letzten Moment vor dem 0:2.

«Wir starteten denkbar schlecht in die Partie», sagt Schneider. «Aber wir wollten die zweite Halbzeit unbedingt gewinnen. Es spricht für unsere Mentalität, haben wir das geschafft.» Die Thuner holen Punkte, auch wenn längst nicht alles optimal läuft, es ist neben der verbesserten Stabilität (ein Gegentor in vier Partien) das markanteste Merkmal ihres Wandels. Im Abstiegskampf ist das keine schlechte Eigenschaft.

Tosettis Baisse

Die Thuner haben in den letzten vier Partien acht Punkte geholt und besitzen trotzdem Steigerungspotenzial. Die Offensivleistung war erneut ungenügend – das hängt mit dem Formstand einem der wichtigsten Akteure zusammen: Matteo Tosetti, mit zwölf Assists bester Super-League-Vorbereiter, kommt nicht mehr auf Touren. «Wir sind sehr auf ihn angewiesen», sagt Schneider. Unter Tosettis Baisse leidet das Zusammenspiel mit Aussenverteidiger Stefan Glarner, die rechte Seite ist vom Prunkstück zur Problemzone geworden. «Wir agieren nicht zwingend, wirken gehemmt», sagt Schneider. «Doch ich werde an den Jungs festhalten.»

«Dieser Punkt kann in der Endabrechnung Gold wert sein.»Thun-Trainer Marc Schneider

Alternativen bieten sich Schneider sowieso nicht viele, mit Nuno Da Silva hat er zumindest eine dazubekommen. Der 24-jährige Flügelspieler, letztes Jahr bei Breitenrain in der Promotion League unter Vertrag, machte nach seiner Einwechslung über rechts Dampf, die Belohnung war sein erster Treffer in der Super League. «Das Tor wird ihm Auftrieb geben», sagt Schneider. Es ist das Bild vom frenetischen Torjubel Da Silvas, das vom Spiel in Lugano bleibt.

Schneiders Ziel fürs Derby

Und so wähnen sich die Thuner weiter im Aufschwung. «Dieser Punkt kann in der Endabrechnung Gold wert sein», sagt Schneider. Sein Team trifft nun in den nächsten drei Spielen auf die Top 3 der Tabelle, zuerst steht am Mittwoch das Derby gegen YB an. Die Stockhorn-Arena könnte dann zum ersten Mal seit langem ausverkauft sein. «Das wird uns zusätzlich motivieren», sagt Schneider. Das Ziel sei klar: «Wir wollen gewinnen.»

Die Aussage wirkt angesichts von über dreissig Punkten Differenz in der Tabelle verwegen. Wobei: Anders als Lugano ist YB kein Angstgegner, die Oberländer weisen als einziges Team der Super League eine positive Bilanz gegen den designierten Meister aus. (Berner Zeitung)

Erstellt: 15.04.2018, 19:34 Uhr

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