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Partizan Belgrad spielt unter den Erwartungen

YB-Gegner Partizan Belgrad tut sich in dieser Saison relativ schwer. Die Rivalität zu Roter Stern ist immer noch ausgeprägt.

Freude über ein wichtiges Tor: Beim 1:1 in Bern gegen YB schoss der ­formstarke Marko Jankovic (rechts) vor zwei Monaten das Partizan-Tor.
Freude über ein wichtiges Tor: Beim 1:1 in Bern gegen YB schoss der ­formstarke Marko Jankovic (rechts) vor zwei Monaten das Partizan-Tor.
Keystone

Belgrad beschäftigt sich am Mittwoch nicht gross mit Fussball. Der bosnisch-serbische Ex-General Ratko Mladic ist vom UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag unter anderem wegen des Völkermordes in Srebrenica 1995 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Nationalist Mladic ist in der Heimat bei vielen Leuten beliebt, vor allem bei Partizan-Fans, zumal er sich an Heimspielen gerne in der Ehrenloge zeigte.

Heute ist Novak Djokovic ein Nationalheld, der verletzte Tennisstar ist in Belgrad häufig als Werbefigur zu sehen, manchmal riesig an Häuserwänden. Der YB-Auftritt am Donnerstag ist kein Thema in der Stadt. Spricht man Männer auf Fussball an, geht es sofort um die gewaltige, ungesunde Rivalität zwischen Partizan und Roter Stern.

Journalist Vladimir Novak erklärt, der Hass zwischen den Fangruppen sei riesig, es gebe ein passendes serbisches Sprichwort dazu: «Die Kuh vom Nachbarn soll verrecken.» Heute wird die Hälfte Fussballbelgrads, die Supporter Roter Sterns, zu YB halten. «Für viele ist eine Niederlage des Rivalen fast so wichtig wie ein eigener Sieg», sagt Novak. Roter Stern bestreitet heute in Weissrussland gegen Borissow auch ein wichtiges Spiel ums Weiterkommen in der Europa League.

Tosic gesperrt, Soumah im Tief

Um Serbiens Fussball gibt es immer noch hässliche Schlagzeilen, es geht um Fangewalt, Rassismus, Korruption, die Ambiance in den Arenen kann Furcht einflössend sein. Dem Nationalteam geht es nach schwierigen Jahren besser, es qualifizierte sich als Gruppensieger für die WM 2018, der Fluss an herausragenden Talenten versiegt nie. Was auch der starken Nachwuchsarbeit der Belgrader Topklubs zu verdanken ist.

In der Tabelle liegt Partizan nach 17 Runden auf Rang 2, vier Punkte hinter dem Feind. «Partizan hat im Sommer die besten Torschützen verloren», sagt Journalist Novak, «die Leistungen sind nicht top, viele Siege erknorzt, manchmal nach umstrittenen Elfmetern.» Beim 2:0 in der Europa League zuletzt gegen Skënderbeu tat sich Partizan auch schwer, der beste Spieler Zoran Tosic ist heute gegen die Young Boys gesperrt, wobei sein Klub gegen die letzte Verwarnung sogar Rekurs einlegte. Natürlich erfolglos.

Mehrere Akteure stehen stark in der Kritik, etwa Seydouba Soumah aus Guinea. Mit zwei Millionen Franken Ablösesumme war er der teuerste Einkauf der Vereinsgeschichte, bei Partizan erreichte der Spielmacher aber nie das glänzende Niveau seiner Bratislava-Zeiten.

Gefeiert wird dagegen der langjährige Nationalgoalie Vladimir Stojkovic, der im Sommer zurückkehrte und ein überragender Rückhalt ist. Es gibt Menschen in Serbien, die ihn als zweitbesten Goalie der Welt bezeichnen – übrigens nach Gianluigi Buffon.

Bobadillas Tor in Belgrad

Am Wochenende schoss der junge montenegrinische Flügel Marko Jankovic mit seinem starken linken Fuss beide Tore beim 2:0-Sieg bei Javor-Matis. Im Angriff setzt Partizan auf den Kameruner Léandre Tawamba, der zuweilen tollpatschig wirkt, in 26 Pflichtspielen aber bereits 20 Skorerpunkte (12 Tore) realisierte.

An Europa-League-Schlüsselspiele zu Hause hat Partizan derweil keine guten Erinnerungen. Vor zwei Jahren hätte am letzten Spieltag gegen Augsburg ein 0:2 zum Weiterkommen gereicht. Partizan verlor 1:3, der einstige YB-Angreifer Raul Bobadilla schoss in der 89. Minute das entscheidende Tor. Und so wartet Partizan weiter seit 2004 aufs Überwintern im Europacup.

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