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Neuer kam, sah und hexte

Lange mussten die Verantwortlichen bei Bayern München vor dem Cupfinal um ihren Nummer-1-Goalie zittern. Gegen Leipzig zeigte er seine ganze Klasse.

Erik Hasselberg
In der Startphase des DFB-Cupfinals zeigt Manuel Neuer einen starken Reflex. <i>(Video: ARD)</i>

Es ist der 14. April. Im Bundesliga-Duell zwischen Fortuna Düsseldorf und dem FC Bayern München läuft die 53. Spielminute, als es passiert. Als der viermalige Welttorhüter und Goalie der deutschen Nationalmannschaft Manuel Neuer ausgewechselt werden muss. Eine Wadenverletzung verhindert ein Weiterspielen und zwingt den mittlerweile 33-Jährigen, seinen Platz zu räumen. «Nicht schon wieder eine Verletzung!», wird sich der geneigte Zuschauer denken.

In den letzten zwei Jahren verpasste Neuer 65 Spiele der Bayern und war 413 Tage verletzt. Mehr als die Hälfte davon ist zurückzuführen auf den Mittelfussbruch, den der Torhüter im April 2017 im Champions-League-Viertelfinal gegen Real Madrid erlitt. Der Weltmeister von 2014, der bis dato in seiner gesamten Karriere nur 14 Spiele hatte aussetzen müssen, musste sich damit auseinandersetzen, was es heisst, verletzt zu sein: Zwangspause, Reha, der mühsame und beschwerliche Weg zurück auf den Platz.

Diese Spielzeit sollte alles besser werden. Zumal ihm auch Joachim Löw weiter das Vertrauen aussprach und schon sehr früh kommunizierte, auch sowohl während der EM-Qualifikation als auch Endrunde 2020 auf ihn als Nummer 1 setzen zu wollen. Bei diesen Worten dürfe Marc-André ter Stegen in Barcelona keine Luftsprünge gemacht haben. Seit einiger Zeit versucht der 28-Jährige Neuer zu beerben. Bis anhin ohne Erfolg.

Neuer ist halt einfach Neuer

Denn auch gestern während des Cup-Finals bewies Manuel Neuer wieder einmal, dass man sich auf ihn verlassen kann, dass er auf dem Posten ist, wenn seine Mannschaft ihn braucht. Und das nach dieser schwierigen Saison 2018/19, die in München von so vielen Nebengeräuschen begleitet war. Der Trainerwechsel zu Niko Kovac, die unrühmliche «Entlassung» der Nationalmannschaftskameraden Müller, Boateng und Hummels durch Jogi Löw, das frühe Ausscheiden im Achtelfinal der Champions League gegen Liverpool, Neuers Muskelfasserriss in der entscheidenden Meisterschaftsphase – es gab definitiv schon einfachere Tage, um an der Säbener Strassse die Captainsbinde zu tragen.

Video: Leipzig vergibt Ausgleichschance

Nach einem Steilpass lief Emil Forsberg 20, 30 Meter allein auf das Tor von Manuel Neuer zu.

Doch im deutschen DFB-Pokalfinal in Berlin trug sie der Routinier mit Bravour. Und in der 12. Minute lenkte er einen Kopfball des Leipzigers Yussuf Poulsen aus vier Metern so mirakulös an die Latte, als wäre er nie verletzt gewesen, als hätte er nicht zuvor 34 Tage keinen Ernstkampf mehr bestritten. Und auch zu Beginn der zweiten Halbzeit in der 48. Minute, als es so schien, als hätten noch nicht alle Bayern wieder auf den Rasen gefunden, war Neuer hellwach und stellt sich Emil Forsberg entgegen.

Boateng sieht schwarz

So konnten sich die Bayern nach ihrem 3:0-Sieg gegen die Bullen aus Leipzig auch bei ihrem Torhüter bedanken, der da war, als es darauf ankam. Was man von anderen nicht behaupten kann. Denn so dürften die Störgeräusche in München nach dem Gewinn des Doubles nicht gänzlich verstummen. Der geschasste Jérôme Boateng hatte sichtlich keine Lust, den Pokaltriumph mit seinen Mitspielern vor der Kurve zu feiern und verliess nach der Siegerehrung als Erster den Platz und machte sich auf in die Katakomben.

Düster sieht es für 30-Jährigen Verteidiger schon länger aus. Nach seinem «Rausschmiss» aus der deutschen Nationalelf spielte er auch in München unter Niko Kovac keine grosse Rolle. Ein Abschied im Sommer scheint unausweichlich.

Kovac darf bleiben

Anders sieht es in der Causa des Trainers aus. Viele wähnten Niko Kovac schon angezählt, weil ihm zuletzt die öffentliche die Rückendeckung der Bayern-Bosse fehlte. Nun bestätigte jedoch Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge, dass der 47-Jährige auch in der kommenden Saison das Zepter in der Hand halten wird.

Eine Trennung von Kovac sei «nie ein Thema» gewesen, sagte Rummenigge einen Tag nach dem 3:0-Finalsieg gegen RB Leipzig gegenüber diversen Medien und verwies auf die Vertragslaufzeit bis 2021. Die Stimmen der Fans hatte der Kroate schon am gestrigen Abend auf sicher. Aus der Kurve der Bayern-Fans kamen wie schon in der Vorwoche in der Münchner Arena wieder laute «Niko-Kovac»-Rufe. Und so liess es sich der Trainer nicht nehmen, sich nach der Siegerehrung und ersten Freudentänzen zu seinen Spielern und die Kurve zu gesellen. Dort angelangt schnappte er sich ein Megafon und bedankte sich bei den Fans.

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