Neue Nummer im Wechselzirkus

Die Transferstrategie von Präsident Christian Constantin trägt in diesen Wochen erstaunlich vernünftige Züge, der Ex-YB-Akteur Elsad Zverotic ist einer von drei nachhaltigen Zugängen beim FC Sion.

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Das Timing könnte nicht besser sein. Elsad Zverotic will sesshaft werden, «ich bin nicht mehr der Jüngste», sagt er heute, März 2015, mit 28 Jahren, und das Schmunzeln ist nur vorübergehend.

Eben ist der Ostschweizer Vater geworden, seine Frau hat in London einen Sohn geboren, die Welt ist nun eine andere für ihn, auch als Fussballer. Und just jetzt, wo sich Zverotic nach einem Engagement mit Zukunft umgesehen hat, ist der FC Sion auf den Plan getreten.

Zverotic, der dritte Mann

Zugegeben, die rebellischen Walliser waren in der Vergangenheit nicht unbedingt erste Wahl für einen Sportler auf der Suche nach Nachhaltigkeit. Präsident Christian Constantin ist ein Mann mit vielen Facetten, er sorgt für viele Geschichten. Mal ist er der Patron mit der schönen Geste, dann lässt er Spieler eiskalt abservieren.

Xavier Margairaz oder Sébastien Wüthrich haben vor allem Letzteres kennen gelernt, Zverotic erfreut sich vorab noch an Ersterem. Eine Woche Ferien habe ihm Constantin nach Vertragsunterschrift dafür zugestanden, sich um den Umzug seiner jungen Familie ins Wallis zu kümmern, sagt Zverotic. «Ich will mithelfen, hier etwas aufzubauen.»

Nebst dem montenegrinischen Nationalspieler hat Constantin in den letzten Wochen Veroljub Salatic und Reto Ziegler verpflichtet. Zwar hat sich der eine mit seinem Ex-Klub GC unter fragwürdigen Umständen überworfen und ist der andere in den letzten zehn Jahren nirgends wirklich sesshaft geworden, doch beide Transfers bringen den FC Sion weiter, sowohl sportlich als auch hierarchisch.

Drei vernünftige Transfers auf einen Schlag – eine völlig neue Nummer im wilden Wechselzirkus der Sittener. In den letzten fünf Jahren kamen über hundert Fussballer ins Wallis – die meisten davon sind längst wieder gegangen. Sion ist der Durchlauferhitzer der Liga (Details finden Sie hier). Böse Zungen behaupten auch, dass Constantin mit dem An- und Verkauf von Spielern seine Geschäfte neben dem Fussball ankurbelt. «Wo stünde Sion ohne Constantin?», fragt Zverotic zurück.

Fernandes, das junge Talent

Der Aussenläufer also ist in Constantins Stabilitätsprogramm der vorläufig letzte, vielleicht entscheidende Zug. Die Achse um Salatic, Ziegler, Zverotic kann den FC Sion weiterbringen, und sie kann den zwei, drei Talenten im Klub helfen zu gedeihen. Eines davon ist Edimilson Fernandes, Cousin von Nationalspieler Gelson, der seine Karriere einst ebenso bei Sion lanciert hat. «Er kann es weit bringen», kommentiert Zverotic seine Eindrücke.

Sein eigener Anlauf ins Ausland ist dem einstigen YB-Verteidiger missglückt. Als er vor eineinhalb Jahren von Bern Richtung London zog, war er überzeugt, sich bei Fulham durchzusetzen. «Trainer Martin Jol wollte mich unbedingt, das habe ich gespürt.» Zu Zverotics Pech wurde der Holländer aber wenige Wochen nach seiner Ankunft entlassen – die folgenden Coachs René Meulensteen und Felix Magath setzten nicht auf ihn. In je einer halben Saison Premier League und Championship (zweithöchste Liga) kam er insgesamt nur 16-mal zum Einsatz. Unter «super Erfahrung» bucht der kampfstarke Zverotic seine Zeit in England heute ab.

Seine Zukunft sieht er im Wallis. In der Region ist er auf Wohnungssuche, mit Sion hat er hehre Ziele, «in dieser Saison wollen wir noch in den Cupfinal». Zu YB unterhält Zverotic nur noch spärliche Kontakte, Moreno Costanzo, sein Copain aus Juniorenzeiten, hat den Verein jüngst verlassen. Eben, das Timing war perfekt.

Am Sonntag ab 13.45 Uhr wird im Stade de Suisse angepfiffen. Bleiben Sie mit unserem Live-Ticker am Ball.

Berner Zeitung

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