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Mustertransfer des Musterschülers

Djibril Sow wechselt zu Eintracht Frankfurt. Er wird zu einem der lukrativsten Abgänge in der YB-Historie. Die Karriereplanung des 22-jährigen Mittelfeldspielers ist beispielhaft.

Eintracht-Sportchef Fredi Bobic (links) freut sich über den Zuzug von Djibril Sow.
Eintracht-Sportchef Fredi Bobic (links) freut sich über den Zuzug von Djibril Sow.
zvg/Eintracht Frankfurt

Stand jetzt, sagte YB-Sportchef Christoph Spycher am späten Dienstagnachmittag, werde Djibril Sow mit ins Trainingslager nach Fügen im österreichischen Zillertal reisen. Sogleich schob er aber nach, wenn man ihn ein paar Minuten später wieder fragen würde, könne alles schon anders sein.

Es ist der dritte Sommer – die intensivste Phase auf dem Transfermarkt –, den Spycher als Sportchef erlebt. Etwas, das der 41-Jährige gelernt hat, ist, dass es keinen Sinn hat, Prognosen abzugeben. Zu volatil, zu schnelllebig ist das Geschäft.

Als die Young Boys einen Tag später nach Österreich fahren, bleibt Sows Platz im Bus frei. Er reist stattdessen nach Frankfurt zur Finalisierung des Transfers. Am Donnerstagmorgen sagt Eintrachts Sportchef Fredi Bobic dem deutschen Sportmagazin «Kicker»: «Djibril ist auf dem Markt heiss begehrt gewesen. Wir sind froh, dass wir so einen Spieler bekommen. Der Junge hat eine super Entwicklung genommen und unheimlich viel Potenzial.»

Nachdem Sow den Medizincheck absolviert hat, folgt am Nachmittag die offizielle Bestätigung. Der 22-Jährige unterschreibt beim Bundesligisten einen Fünfjahresvertrag, über die Ablösesumme wurde Stillschweigen vereinbart. Laut deutschen Medien erhält YB knapp 10 Millionen Franken, durch Erfolgsboni und erreichte Spieleinsätze kann die Summe auf 12 bis 13 Millionen ansteigen.

Zudem soll YB an einem Weiterverkauf mit zehn Prozent der Ablöse beteiligt sein. Damit ist Sow nach Denis Zakaria (2017 für rund 14 Millionen zu Mönchengladbach) der lukrativste Abgang in der Vereinsgeschichte. «Es macht mich richtig stolz, bei einem grossen Traditionsverein wie Eintracht Frankfurt unterschrieben zu haben», lässt sich Sow auf Frankfurts Website zitieren.

Dass er YB verlassen würde, hat sich lange abgezeichnet. Letzten Sommer hatte es schon etliche Angebote für ihn gegeben, gemeinsam mit Spycher kam er zur Übereinkunft, dass es das Beste sei, wenn er eine weitere Saison in Bern bleibe. Spycher nannte Sow damals einen vernünftigen jungen Mann.

Eine Rolle spielte, dass sich Sow bereits einmal im Ausland versucht hatte und gescheitert war. 2015 war er mit 18 und ohne Super-League-Erfahrung von seinem Stammclub FC Zürich nach Mönchengladbach gewechselt. Dort vermochte er sich nicht durchzusetzen, in zwei Jahren kam er bei den Profis zu drei Einsätzen – darunter im Cuphalbfinal, als er im Elfmeterschiessen verschoss. Just gegen seinen neuen Arbeitgeber Eintracht.

In Frankfurt trifft Sow wieder auf Trainer Adi Hütter, der zwar erst nicht begeistert war, als YB den jungen Mittelfeldspieler 2017 verpflichtet hatte, ihn dann aber von Beginn an förderte. Sow war wichtiger Teil von Hütters Meisterequipe, ein Musterschüler – auch wenn er einmal auf die Frage, welches Buch er schon gelesen habe, antwortete: «den Ikea-Katalog».

Ideale Bedingungen

Letzte Saison vermochte sich Sow noch einmal zu steigern. Er reifte zum Schweizer Nationalspieler, überzeugte in der Liga konstant. Und in der Champions League stiess er als einer der wenigen YB-Spieler nie an seine Grenzen.

Er findet in Frankfurt ideale Bedingungen vor, weiter zu wachsen. Da ist Hütter, der ihn unbedingt verpflichten wollte. Und da ist eine Mannschaft, die zwar letzte Saison bis in den Halbfinal der Europa League vorstiess und in der Bundesliga bis zwei Spieltage vor Schluss in den Top 4 lag, aber gerade im zentralen Mittelfeld nicht sonderlich gut aufgestellt ist.

«Wir sind überzeugt, dass wir eine Lösung gefunden haben, die für alle beteiligten Parteien passt», sagt Spycher. Die Karriereplanung von Sow verdiene zudem grössten Respekt. «Er zeigte bei YB während zweier Jahre tolle Leistungen und kam auch dann nicht von seinem Weg ab, als es schon bald konkrete Anfragen aus grossen Ligen gab.» Jetzt wird Djibril Sow für seine Geduld belohnt.

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