Musik in den Ohren der Young Boys

YB konnte am Mittwoch Good News verbreiten. Torjäger und Publikumsliebling Guillaume Hoarau verlängerte seinen Vertrag bis zum Sommer 2018.

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Dominic Wuillemin

Von Bob Marley gibt es das Lied «I Know a Place». Die verstorbene Musiklegende besingt darin einen Ort, an dem es sich sinngemäss gut leben lässt. Guillaume Hoarau, ein glühender Verehrer des Jamaikaners, hat diesen Platz in Bern gefunden. Am Mittwoch gaben die Young Boys bekannt, dass der Stürmer seinen Vertrag, der Ende Saison ausgelaufen wäre, um weitere drei Jahre bis zum Sommer 2018 verlängert hat. Der Kontrakt enthält keine Ausstiegsklausel, entlohnt den Franzosen, der am heutigen Donnerstag seinen 31. Geburtstag feiert, dafür aber auch fürstlich.

Es sei ein «schöner Vertrag» für Hoarau, findet Fredy Bickel, der sich am Medientermin erleichtert zeigt, konnte er eine zentrale Arbeit der vergangenen Wochen und Monate erfolgreich abschliessen. Der Sportchef möchte aber nicht von einem finanziellen Kraftakt für die Young Boys sprechen. Das Lohngefüge bleibe intakt.

Bickel verweist darauf, dass Hoarau schon während der Winterpause Angebote vorliegen hatte, die für ihn in monetärer Hinsicht deutlich lukrativer gewesen wären. «YB konnte ihn mit anderen Argumenten überzeugen.» Der Sportchef nennt als Gründe etwa die Fans, die Stadt und vor allem auch die Mannschaft, mit vielen Französisch sprechenden Akteuren, in der sich der gross gewachsene Torjäger sehr wohl fühle.

Uli Forte auch ein Grund

Es sind dies allesamt Punkte, die auch Guillaume Hoarau kurz darauf in der Mixed Zone des Stade de Suisse erläutert. Die Nummer 99 hat auch seinen Cousin Ludovic, der ihn ohnehin überallhin begleitet, und seinen Berater Max Urscheler, der in der Szene auch Mischler-Max genannt wird, und dessen Sohn Michel im Schlepptau.

Hoarau ist auch von Trainer Uli Forte angetan, der einen Umgang mit den Spielern pflege, wie er ihn bei Paris St-Germain, in Bordeaux oder auch bei Le Havre nicht erlebt habe. Der Hüne erzählt von der Whatsapp-Gruppe, die der Coach eröffnete, in der aber genügend Raum für Witze und Sprüche bleibe. «Das ist zwar ein Detail. Es zeigt aber, was für einen Spass wir in der Equipe haben, welch familiäre Stimmung bei YB herrscht.»

Wie bei Dortmunds Reus

Es sind solche Worte, die Guillaume Hoaraus langfristiges Bekenntnis glaubhaft erscheinen lassen und deshalb wie Musik in den Ohren der Young Boys klingen. Der Vater eines 6-jährigen Sohnes, der bei der Mutter in Bordeaux lebt, will nun, da die Zukunft geregelt ist, das Deutschlernen intensivieren. «Das gehört doch dazu», findet er.

Hoarau hat sich aber auch so schon bestens eingefügt. Mit Cousin Ludovic, dem YB-Physiotherapeuten Tom Burri und dessen Bruder Nils, ein Berner Sänger und Songwriter, musiziert er regelmässig. «Mir gefällt es hier sehr gut», sagt Hoarau, der nicht nur seiner 13 Tore wegen für die Gelb-Schwarzen mittlerweile unverzichtbar ist. Fehlt er, wie am Sonntag beim 0:0 in Thun, verkommt das Offensivspiel zu einem Knorz. Und so ist die Vertragsverlängerung mit dem ruhigen Teamleader für YB mehr als nur eine gewöhnliche Personalie.

Es ist Zeichen an die Fans und die Konkurrenz, ein – wenn auch teurer – Beleg für die Ambitionen des Klubs. Ähnlich wie kürzlich in Dortmund, als sich Starspieler Marco Reus trotz schwerer Klubkrise und lukrativen Angeboten zu einem Verbleib im Ruhrpott entschied. «Es ist vor allem auch ein Zeichen von Hoarau, dass er mit YB viel erreichen will», sagt Bickel.

Der Sportchef verfolgt ja einen Dreijahresplan, an dessen Ende ein Titel bis 2016 realisiert werden soll. Mit der Vertragsverlängerung Guillaume Hoaraus hat er dafür einen weiteren Baustein gelegt.

Berner Zeitung

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