Mit Vergnügen ins russische Abenteuer

Murat Yakin startet morgen mit Spartak Moskau in die neue Saison – und hat hohe Erwartungen zu erfüllen.

Erste Ausland-Station als Trainer: Murat Yakin ist der neue Coach von Spartak Moskau.

Erste Ausland-Station als Trainer: Murat Yakin ist der neue Coach von Spartak Moskau.

(Bild: Keystone)

Peter M. Birrer@tagesanzeiger

Mitte Juni ist Murat Yakin in die neue Welt eingetaucht. Er lebt jetzt in einer Weltstadt, in der es von Vorteil ist, einen eigenen Chauffeur zu haben wie er, zur Verfügung gestellt vom Arbeitgeber. Und er ist Trainer eines Vereins, dessen reicher Besitzer Leonid Fedun im Sinn hat, das verrostete Image des Clubs tüchtig aufzupolieren. Fedun soll in den letzten elf Jahren über 900 Millionen Franken in den Club gepumpt haben, wartet seit seinem Einstieg aber vergeblich auf die ersehnte Gegenleistung. Spartak Moskau ist seit 2001 nicht mehr Meister ­geworden, seit 2003 auch nicht mehr Cupsieger. Yakin hat sehr wohl verstanden, dass die lange Zeit der Tristesse ­unter ihm enden muss.

Er ist zwar noch daran, sich einen Überblick der Liga zu verschaffen und herauszufinden, wie gut sein Kader wirklich ist. Aber tiefstapeln, das liesse sich weder mit Feduns Denken noch mit Yakins Selbstbewusstsein vereinbaren. Also sagt der 39-jährige Schweizer: «Zusammen mit Zenit St. Petersburg und ZSKA Moskau gehören wir zu den Favoriten.»

Feudale Bedingungen

Für zwei Jahre hat er sich binden lassen, ein drittes kommt hinzu, wenn sich das Projekt so entwickelt, wie sich das die Beteiligten wünschen. Fast 6 Wochen ist er im Amt, die Hälfte davon hat er mit seiner Mannschaft im Trainingslager in Nürnberg und in der Ostschweiz verbracht. Er ist angetan von dem, was er erlebt und gesehen hat. «Es fehlt an nichts», meldet er aus dem Campus von Spartak, weit weg von aller Hektik. ­Yakin hat sich auf dem grosszügigen Gelände im Moskauer Norden eingerichtet, die Bedingungen sind feudal. Er wohnt in der vereinseigenen Unterkunft, «mitten in der Natur, da habe ich meine Ruhe».

Um sich hat er seine Vertrauensleute, die er aus der Schweiz mitgebracht hat: Walter Grüter, Marco Otero und Markus Hofmann assistieren ihn, Gianluca ­Riommi kümmert sich um die Goalies. Und wenn Yakin einen Wunsch hat, spürt er schnell, dass weder Aufwand noch Kosten gescheut werden: «Die ­Bedingungen sind optimal.» Nicht ungelegen kommt ihm, dass er in aller Ab­geschiedenheit und hinter verschlossenen Türen arbeiten kann. In den ersten fünf Wochen musste er nur an einer Pressekonferenz Auskunft geben.

Gewöhnungsbedürftig ist für Yakin der verbale Austausch mit seinen Spielern, einer Ansammlung von Russen, ­Argentiniern, Brasilianern, Paraguayern, Deutschen, Italienern, Spaniern, Armeniern, Ghanaern, Georgiern und Schweden. «Es ist spannend zu beobachten, wie die Kommunikation funktioniert», sagt Yakin. Er meistert sprachliche Hürden «mit Händen und Füssen», vor allem aber mithilfe von Dolmetschern, die seine deutschen Anweisungen in verschiedene Sprachen übersetzen. Massgebend bleibt für ihn ohnehin die Qualität auf dem Platz. «Ich habe viele tolle Fussballer, die einfach mit­einander harmonieren müssen.»

Zum Start nach Kasan

Wenn sich Yakin ins Zentrum fahren lässt, plant er viel Zeit ein. Manchmal dauert die Fahrt nur eine halbe Stunde, manchmal aber bis zu zwei Stunden. Er schaut im neuen Stadion vorbei, das 2018 eine der Spielstätten der WM sein soll. Spartak, das jahrelang im Luschniki spielte, bekommt mit der Otkrytije Arena eine neue Heimat mit einer Kapazität von 42 000 Zuschauern. Der Club hätte sie gern bereits bezogen, aber weil es beim Bau zu Verzögerungen kam, trägt Spartak seine ersten sieben Spiele allesamt auswärts aus. Die Einweihung ist nun auf Mitte September vorgesehen.

Yakin stört die unglückliche Terminplanung so wenig wie manche weite Reise zu den Auswärtspartien. Morgen eröffnet Spartak die Saison 2014/15 im fast 800 Kilometer entfernten Kasan ­gegen Rubin, nach Grosny oder Jekaterinburg sind es gegen 1500 Kilometer pro Weg. Aber in der Premier Liga mit ihren 16 Teams erwarten ihn auch vier Stadtderbys. Ausserdem hat Yakin nichts gegen ein bisschen Abenteuer in der Fremde: «Ich freue mich riesig auf alles Neue.»

Premier Liga, 1. Runde: Rubin Kasan - Spartak Moskau (Fr). ZSKA Moskau - Torpedo Moskau. Tula - Zenit St. Petersburg. Jekaterinburg - Saransk (Sa). Lok Moskau - Krasnodar. Dynamo Moskau - Rostow. Krasnodar - Ufa (So). Terek Grosny - Amkar Perm (Mo).

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