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Mit dem BVB auf dem Weg zum coolsten Club Europas

Grosses entsteht unter dem Schweizer Lucien Favre in Dortmund. Der Coach löst sogar die kompliziertesten Fälle des Bundesliga-Leaders.

Freddie Röckenhaus, Dortmund
Der BVB-Trainer holt das Maximum aus seinen Spielern heraus: Lucien Favre freut sich nach dem 2:1-Heimsieg im Spitzenspiel gegen Mönchengladbach mit seiner Mannschaft.
Der BVB-Trainer holt das Maximum aus seinen Spielern heraus: Lucien Favre freut sich nach dem 2:1-Heimsieg im Spitzenspiel gegen Mönchengladbach mit seiner Mannschaft.
Bernd Thissen, Keystone
Marco Reus (r.) und Mario Götze sind als Torschützen ebenso wichtig. Letzterer ist als Mittelfeldspieler wieder Teil einer funktionierenden Mannschaft.
Marco Reus (r.) und Mario Götze sind als Torschützen ebenso wichtig. Letzterer ist als Mittelfeldspieler wieder Teil einer funktionierenden Mannschaft.
Martin Meissner, Keystone
Auch Stürmer Paco Alcàcer (r. im Duell mit Gladbachs Tobias Strobl) spielt seine Rolle im Team.
Auch Stürmer Paco Alcàcer (r. im Duell mit Gladbachs Tobias Strobl) spielt seine Rolle im Team.
Martin Meissner, Keystone
Und Jadon Sancho (l. im Duell mit Oscar Wendt von Gladbach) trägt mit seinen Dribblings zum aktuellen Höhenflug der Gelb-Schwarzen bei.
Und Jadon Sancho (l. im Duell mit Oscar Wendt von Gladbach) trägt mit seinen Dribblings zum aktuellen Höhenflug der Gelb-Schwarzen bei.
Sascha Steinbach, Keystone
Hinten verhelfen mit Roman Bürkin und Manuel Akanji zwei Schweizer dem BVB zu Erfolgen.
Hinten verhelfen mit Roman Bürkin und Manuel Akanji zwei Schweizer dem BVB zu Erfolgen.
Martin Meissner, Keystone
Der Verteidiger versucht die Gegenspieler – wie hier Weston McKennie (r.) von Schalke – soweit in Schach zu halten, dass sie gar nicht erst vors Tor kommen.
Der Verteidiger versucht die Gegenspieler – wie hier Weston McKennie (r.) von Schalke – soweit in Schach zu halten, dass sie gar nicht erst vors Tor kommen.
Sascha Steinbach, Keystone
Und schaffen sie das doch, glänzt Goalie Bürki immer wieder mit starken Paraden, wie hier gegen Atlético Madrid (l. Antoine Griezmann) in der Gruppenphase der Champions League.
Und schaffen sie das doch, glänzt Goalie Bürki immer wieder mit starken Paraden, wie hier gegen Atlético Madrid (l. Antoine Griezmann) in der Gruppenphase der Champions League.
Martin Meissner, Keystone
Der Coach weiss, welche Bedeutung der Schlussmann hat.
Der Coach weiss, welche Bedeutung der Schlussmann hat.
Bernd Thissen, Keystone
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In der Öffentlichkeit einen Fastfood-Burger essen, noch dazu einen, den der Trainer spendiert hat: vor ein paar Monaten ein völlig undenkbares Bild für Mario Götze. Aber die Dinge ändern sich, und Borussia Dortmund ist gerade auf dem besten Wege, wieder einer der coolsten Clubs des Kontinents zu werden. Ein bisschen so wie vor fünf, sechs Jahren, als Jürgen Klopp mit seinen damals so jungen Wilden wie aus dem Nichts Furore machte. Und man fragt sich heute wie damals, wie das alles nur sein kann.

Nach dem 2:1-Sieg gegen Borussia Mönchengladbach jedenfalls gab BVB-Trainer Favre noch in der Kabine eine Runde Burger aus. Und Mario Götze, vor zwei, drei Monaten von vielen Experten endgültig abgeschrieben, war der Matchwinner beim letzten Hinrundenspiel des Herbstmeisters. Beide Tore bereitete Götze vor, das zweite mit einem Traumpass auf Marco Reus.

Am Ende der Hinrunde drängt sich der Eindruck auf: Der Schweizer Favre scheint selbst seinen kompliziertesten Fall wieder hinzukriegen. Ebenso wie er die meisten Spieler im stattlichen Kader zu besseren Spielern gemacht und stets bei Laune gehalten hat – oder zumindest das derzeit mögliche Maximum herausholt.

Wieder Teil eines Kollektivs

Götze scheint das zu symbolisieren wie kein anderer. Seit seinem legendären Siegtor im WM-Finale von 2014 war ihm fast alles schief gegangen. Auch noch nach seiner Rückkehr vom Intermezzo beim FC Bayern zum BVB, in seine fussballerische Heimat, dorthin, wo er mit acht Jahren angefangen hatte. Jedes Gramm auf den Fussballer-Hüften wurde penibel abgewogen, vor seiner schwierigen Stoffwechsel- und Hormon-Erkrankung, und ebenso danach. Der Saisonstart verlief holprig, nachdem sein neuer Trainer Favre ihn mehrmals nicht einmal in den 18er-Kader für den Spieltag aufnahm.

Video: Der BVB bezwingt Gladbach 2:1

Die Tore des Bundesliga-Spitzenkampfes: Mario Götze bereitet beide vor. (Quelle: Reuters)

Aber mit dem Siegeszug der Mannschaft hat sich Götze im täglichen Training immer näher ans Team herangewühlt. Und er überzeugte nach und nach Favre. «Er hat ein Superspiel gemacht», lobte der Trainer nach dem Sieg gegen Gladbach seinen Star, der nie so richtig einer sein konnte. Nun zählt Mario Götze einstweilen wieder zu den ersten Zwölf im Kader – nicht mehr, aber auch nicht weniger. Und gerade dieses Gefühl, nicht mehr allein für die Wunderdinge zuständig, sondern wieder Teil einer funktionierenden Mannschaft zu sein, scheint Götze geheilt zu haben.

Goldene Händchen mit Transfers

Lucien Favre ist der eine Grund, warum plötzlich in Dortmund die Spielfreude Kloppscher Tage wieder ausgebrochen ist. Der andere Grund ist das Kader, welches nicht wenige in Dortmund für das stärkste halten, das der BVB je hatte. Mit welcher Präzision Dortmunds Kaderplaner die Schwächen der beiden Vorjahre seziert und dann mit den Millionen aus den Verkäufen von Dembélé, Aubameyang, Sokratis und Ginter etwas Neues entwickelt haben, das hat es auch beim BVB noch nicht gegeben.

Zwei erfahrene Haudegen wurden für die Zentrale engagiert, der souveräne Belgier Axel Witsel und der energische Däne Thomas Delaney. Ansonsten kamen Spieler wie Manuel Akanji, Abdou Diallo oder Achraf Hakimi, die trotz ihrer Jugend allesamt auf Anhieb Stammspieler-Niveau erreichen. Dazu gesellten sich weitere Talente aus der eigenen Junioren-Akademie wie der Däne Jakob Bruun-Larsen oder der Amerikaner Christian Pulisic. Oder die schon 2017 nach Dortmund gelotsten Jadon Sancho (Manchester City) und Dan-Axel Zagadou (Paris Saint-Germain).

Gemeinsam weiter entwickelt

Favres Qualitäten im Feintuning von Spielern waren vorher bekannt. Dortmunds Bosse hatten nicht umsonst schon im Sommer 2017 versucht, Favre in Nizza loszueisen – vergeblich. Die anschliessenden Experimente mit dem Holländer Peter Bosz und dem österreichischen Nothelfer Peter Stöger liessen den BVB beinahe in die Mittelmässigkeit abrutschen.

Wie man hört, hat sich Favre aber auch selbst schon in seinen ersten Monaten in Dortmund verändert. Die beiden Alphatierchen – Zorc und der neu installierte Chef der Lizenzspieler-Abteilung, Sebastian Kehl – haben dem Trainer Meinungen, Kompetenz und Selbstbewusstsein entgegensetzen können, so dass um den als sensibel bekannten Schweizer eine Debattenkultur entstanden ist. Mit dabei auch Matthias Sammer, früher mit Dortmund Meister und Champions-League-Sieger. Heute ist der einstige Nationalspieler ein Berater des Führungs-Trios Watzke, Zorc, Kehl.

In neue Sphären vorgedrungen

Die wahre Qualität des BVB-Kaders soll sich Favre erst in den ersten Trainingstagen erschlossen haben. Wer rechnet auch schon mit Volltreffern wie Sancho, Hakimi und Bruun-Larsen? Viele sagen in Dortmund, dass der Trainer in seinem bisweilen professoralen Streben nach Perfektion mit dieser Mannschaft auch selbst in neue taktische Sphären vorgedrungen sei. Es gibt einfach zu viele Optionen. Einerseits hat er der Gruppe eine Defensivdisziplin vermittelt, die man in dieser Kompaktheit in Dortmund lange nicht gesehen hat. Obendrein hat Favre es fertiggebracht, dass selbst Kreativspieler wie Götze und Reus Gefallen daran finden, aktiv im munteren Defensivstreben mitzuwirken.

Andererseits kann sich Favre an den vielen Offensivoptionen begeistern. Wenn er die verrückten Dribblings eines Jadon Sancho sieht, der es nicht selten mit zwei, drei Gegenspielern aufnimmt und genau dort Lücken in die betonierten Riegel der Gegner reisst, wo keine Nahtstellen zu erkennen sind. Sancho inspiriert mit seiner Individualität andere, zum Beispiel Raphael Guerreiro, Bruun-Larsen, Marco Reus und zuletzt auch immer wieder Mario Götze. Das wirklich Zählbare bei Dortmunds Siegeszug der Hinrunde geht auf diese individuelle Unberechenbarkeit zurück. Auf jene von Paco Alcacer etwa, dem beim FC Barcelona verkannten Stürmer, der keine 40 Spielminuten pro Tor braucht; auf jene von Jadon Sancho oder des besten Marco Reus, den es bislang zu sehen gab.

Nun hoffen alle beim BVB, dass das so bleibt. Sechs Punkte Vorsprung sind es noch auf den FC Bayern. Die wollen die wilden Gelben unbedingt ins Ziel bringen.

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