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Jetzt ist der Rassismus auf der Titelseite angekommen

Der «Corriere dello Sport» sorgt in Italien für einen Skandal. Zwei Clubs sperren Journalisten der Zeitung nun aus.

mro
Dezember 2019: Der «Corriere dello Sport» druckt Romelu Lukaku und Chris Smalling auf seine Titelseite, dazu die Schlagzeile «Black Friday». Die AC Milan und die AS Roma verkünden in einem gemeinsamen Statement, dass Mitarbeiter der Zeitung keinen Zutritt mehr auf das jeweilige Trainingsgelände bekommen würden. Auch sind den Spielern Interviews mit dem Corriere untersagt.
Dezember 2019: Der «Corriere dello Sport» druckt Romelu Lukaku und Chris Smalling auf seine Titelseite, dazu die Schlagzeile «Black Friday». Die AC Milan und die AS Roma verkünden in einem gemeinsamen Statement, dass Mitarbeiter der Zeitung keinen Zutritt mehr auf das jeweilige Trainingsgelände bekommen würden. Auch sind den Spielern Interviews mit dem Corriere untersagt.
AP Photo/Fabio Polimeni
November 2019: Brescia-Präsident Massimo Cellino antwortet auf die Frage, was denn mit Balotelli derzeit los sei, mit einem eigenartigen Witz. Balotelli sei halt einfach zu dunkel und er arbeite daran, heller zu werden. Später sagt er, der Spieler dürfe Brescia im Januar verlassen, wenn er dies so wolle.
November 2019: Brescia-Präsident Massimo Cellino antwortet auf die Frage, was denn mit Balotelli derzeit los sei, mit einem eigenartigen Witz. Balotelli sei halt einfach zu dunkel und er arbeite daran, heller zu werden. Später sagt er, der Spieler dürfe Brescia im Januar verlassen, wenn er dies so wolle.
AP Photo/Filippo Venezia
November 2019: Mario Balotelli wird beim Gastspiel in Verona mit Affenlauten eingedeckt. Balotelli knallt den Ball mitten im Spiel in Richtung der Hellas-Fans. Mitspieler überreden ihn, weiterzuspielen. Wenige Wochen vor ihm erlebte bereits Milans Mittelfeldspieler Franck Kessié dasselbe.
November 2019: Mario Balotelli wird beim Gastspiel in Verona mit Affenlauten eingedeckt. Balotelli knallt den Ball mitten im Spiel in Richtung der Hellas-Fans. Mitspieler überreden ihn, weiterzuspielen. Wenige Wochen vor ihm erlebte bereits Milans Mittelfeldspieler Franck Kessié dasselbe.
EPA/Simone Venezia
September 2019: Inters Romelu Lukaku bekommt in Cagliari dieselben Rufe zu hören. Danach schreibt er auf Facebook, Rassismus habe keinen Platz in der Gesellschaft. Inter-Fans antworten ihm in einem offenen Brief und finden, er solle sich nicht so anstellen. Das sei kein Rassismus. Wenige Wochen später kommentiert ein italienischer TV-Experte live: «Du kannst Lukaku nur stoppen, wenn du ihm zehn Bananen hinwirfst, die er essen kann»
September 2019: Inters Romelu Lukaku bekommt in Cagliari dieselben Rufe zu hören. Danach schreibt er auf Facebook, Rassismus habe keinen Platz in der Gesellschaft. Inter-Fans antworten ihm in einem offenen Brief und finden, er solle sich nicht so anstellen. Das sei kein Rassismus. Wenige Wochen später kommentiert ein italienischer TV-Experte live: «Du kannst Lukaku nur stoppen, wenn du ihm zehn Bananen hinwirfst, die er essen kann»
EPA/Martin Divisek
April 2019: Der junge Italiener Moise Kean jubelt nach einem Tor vor der Kurve von Cagliari Calcio, während des Rests des Spiels wird er mit Affenlauten beleidigt. Teamkollege Leonardo Bonucci sagt, Kean sei daran zu 50 Prozent selbst schuld.
April 2019: Der junge Italiener Moise Kean jubelt nach einem Tor vor der Kurve von Cagliari Calcio, während des Rests des Spiels wird er mit Affenlauten beleidigt. Teamkollege Leonardo Bonucci sagt, Kean sei daran zu 50 Prozent selbst schuld.
Enrico Locci/Getty Images
Dezember 2018: Fans der SSC Napoli halten Bilder ihres Verteidigers Kalidou Koulibaly hoch. Der Senegalese wurde nach einem Platzverweis gegen Inter Mailand aus der Inter-Kurve beleidigt. Nach diesem Spiel kam es zu hässlichen Ausschreitungen rund um das San Siro mit einem Todesopfer.
Dezember 2018: Fans der SSC Napoli halten Bilder ihres Verteidigers Kalidou Koulibaly hoch. Der Senegalese wurde nach einem Platzverweis gegen Inter Mailand aus der Inter-Kurve beleidigt. Nach diesem Spiel kam es zu hässlichen Ausschreitungen rund um das San Siro mit einem Todesopfer.
Cesare Abbate/Ansa via AP
Mai 2017: Mehdi Benatia, damals noch Spieler von Juventus Turin, gibt nach einem Spiel ein Liveinterview, als ihn jemand aus dem Hintergrund als «Scheiss Marokkaner» beleidigt. Benatia bricht das Interview sofort ab. Der serbische Trainer des Gegners, Sinisa Mihajlovic, zeigt sich solidarisch. Er selbst sei in Italien schon oft als Zigeuner bezeichnet worden.
Mai 2017: Mehdi Benatia, damals noch Spieler von Juventus Turin, gibt nach einem Spiel ein Liveinterview, als ihn jemand aus dem Hintergrund als «Scheiss Marokkaner» beleidigt. Benatia bricht das Interview sofort ab. Der serbische Trainer des Gegners, Sinisa Mihajlovic, zeigt sich solidarisch. Er selbst sei in Italien schon oft als Zigeuner bezeichnet worden.
Keystone
April 2017: Nur eine Woche vor dem Vorfall mit Benatia wurde der Ghanaer Sulley Muntari Opfer von rassistischen Beleidigungen. Der Pescara-Spieler verliess das Spielfeld noch vor dem Schlusspfiff und wurde dafür gesperrt. Diese Sperre wurde nach grosser Empörung aufgehoben. Die Szene ereignete sich in Cagliari.
April 2017: Nur eine Woche vor dem Vorfall mit Benatia wurde der Ghanaer Sulley Muntari Opfer von rassistischen Beleidigungen. Der Pescara-Spieler verliess das Spielfeld noch vor dem Schlusspfiff und wurde dafür gesperrt. Diese Sperre wurde nach grosser Empörung aufgehoben. Die Szene ereignete sich in Cagliari.
Fabio Murru
Mai 2014: Kévin Constant mit einer Banane, die ihm von Atalanta-Bergamo-Anhängern zugeworfen wurde. Der Guineer verliess nach der Aktion das Spielfeld und im folgenden Transferfenster die AC Milan und Italien. Zwischenzeitlich kam Constant bei Sion unter, heute spielt er im Iran.
Mai 2014: Kévin Constant mit einer Banane, die ihm von Atalanta-Bergamo-Anhängern zugeworfen wurde. Der Guineer verliess nach der Aktion das Spielfeld und im folgenden Transferfenster die AC Milan und Italien. Zwischenzeitlich kam Constant bei Sion unter, heute spielt er im Iran.
EPA/Paolo Magni
September 2013: In Italien steht keiner mehr für den immer noch währenden Rassismus als er: Mario Balotelli. Ob beim Nationalteam, bei Inter oder bei Milan, immer wieder musste der Stürmer Beleidigungen über sich ergehen lassen. Beim Spiel zwischen Milan und der SSC Napoli waren solche aus dem Gästesektor zu hören. Balotelli brach in Tränen aus und wurde ausgewechselt.
September 2013: In Italien steht keiner mehr für den immer noch währenden Rassismus als er: Mario Balotelli. Ob beim Nationalteam, bei Inter oder bei Milan, immer wieder musste der Stürmer Beleidigungen über sich ergehen lassen. Beim Spiel zwischen Milan und der SSC Napoli waren solche aus dem Gästesektor zu hören. Balotelli brach in Tränen aus und wurde ausgewechselt.
EPA/Matteo Bazzi
Januar 2013: Die AC Milan spielt ein Testspiel gegen den Viertligisten Pro Patria. Eine Handvoll Fans beleidigt Kevin-Prince Boateng während des ganzen Spiels. Der Deutsch-Ghanaer reagiert, drischt den Ball ins Publikum und verlässt den Platz. Seine Teamkollegen tun es im gleich, Captain Massimo Ambrosini sagt, sein Team habe ein Zeichen setzen wollen. Boateng wird später UNO-Botschafter im Kampf gegen Rassismus.
Januar 2013: Die AC Milan spielt ein Testspiel gegen den Viertligisten Pro Patria. Eine Handvoll Fans beleidigt Kevin-Prince Boateng während des ganzen Spiels. Der Deutsch-Ghanaer reagiert, drischt den Ball ins Publikum und verlässt den Platz. Seine Teamkollegen tun es im gleich, Captain Massimo Ambrosini sagt, sein Team habe ein Zeichen setzen wollen. Boateng wird später UNO-Botschafter im Kampf gegen Rassismus.
AP Photo/Antonio Calanni
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Diesmal kommt er nicht aus einer Fankurve. Er wird nicht von einer brüllenden Meute auf den Platz gerufen. Diesmal ist der Rassismus auf die Titelseite gedruckt, in einer der grössten Sportzeitungen Italiens. Ein Bild von Romelu Lukaku. Neben ihm Chris Smalling. Zwischen den beiden dunkelhäutigen Spielern diese Schlagzeile: «Black Friday». Weil die Clubs der beiden, Inter Mailand und die AS Roma, ihr Spitzenspiel aussergewöhnlicherweise am Freitagabend austragen.

Der «Corriere dello Sport» kam auf diese Idee, in Anlehnung auf den Kaufrausch-Tag aus den USA, an dem vor einer Woche die Läden gestürmt wurden. Der Corriere ist eine Sportzeitung aus Rom, neben der «Gazzetta dello Sport» aus Mailand die renommierteste Italiens. Nun hat er Probleme, der Skandal macht seine Runde. Zwei Clubs greifen sogar zum Hausverbot. Die AC Milan und die AS Roma lassen am gleichen Tag verlauten, Journalisten des «Corriere dello Sport» nicht mehr auf ihr Trainingsgelände zu lassen. Spieler dieser Teams geben der Zeitung keine Interviews. Zumindest bis Januar.

Der Chefredaktor Ivan Zazzaroni antwortet darauf mit einem kurzen Statement, in dem er sich zuerst einmal über die Gesellschaft aufregt. Armeen rechtschaffender Menschen seien ins Netz gestürmt, sagt er. Die Schlagzeile «Black Friday», eine unschuldige, sei missverstanden und in Gift verwandelt worden. Lukaku selbst versteht sie als dümmste Überschrift, die er in seiner Karriere gelesen habe. Gerade er, seit Sommer in Italien, ist in dieser Saison schon oft Ziel rassistischer Bemerkungen gewesen, ist damit aber nicht alleine. In der Bildstrecke oben finden Sie einen Rückblick.

Die Serie A befand sich in den letzten Jahren im Aufschwung. Namen wie Cristiano Ronaldo, Matthijs de Ligt, oder auch Lukaku polierten die lange etwas verstaubte Liga wieder auf, sogar das Meisterrennen ist in dieser Saison völlig offen. In anderen Bereichen aber hinkt sie hinterher.

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Dritte Halbzeit – der Tamedia Fussball-Podcast

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