Improvisation im Lazarett des FC Thun

Der FC Thun bestreitet eine resultatmässig schwache Saisonvorbereitung. Aufgrund von Verletzungen war Trainer Marc Schneider zuletzt immer wieder zu Anpassungen gezwungen.

Schmerzen statt Spass: Saleh Chihadeh ist einer von vielen, die beim FC Thun momentan angeschlagen oder verletzt sind.

Schmerzen statt Spass: Saleh Chihadeh ist einer von vielen, die beim FC Thun momentan angeschlagen oder verletzt sind.

(Bild: Freshfocus)

Simon Scheidegger@theSimon_S

1:5, 2:0, 1:0, 0:3, 1:5. Die Testspielresultate des FC Thun zur Vorbereitung auf die in einer Woche beginnende Super-League-Saison lesen sich durchzogen, sehr durchzogen. Beim einen oder anderen der 400 Zuschauer, welche die 1:5-Niederlage gegen St. Gallen am vergangenen Samstag auf dem Sportplatz Leimen in Heimberg vor Ort miterlebten, dürften gar Zweifel aufgekommen sein, ob die Berner Oberländer bereit seien für die neue Spielzeit. Und Gedanken, ob die Beobachter, die den FCT vor einer neuen Saison seit Jahren als einen Abstiegskandidaten betiteln, nun doch recht bekommen würden.

«Der Fan sieht einfach die Resultate und denkt sofort: Alarmstufe Rot», sagt Marc Schneider. Der Thuner Trainer weiss, dass der Testspiel-Totomat seiner Mannschaft kein schönes Bild abgibt, und natürlich hatte sich der 38-Jährige beim Trainingsauftakt vor vier Wochen einen anderen Verlauf der Vorbereitung erhofft. Das hat aber nicht mit den Ergebnissen auf dem Rasen zu tun. «Das Problem sind nicht die Resultate, sondern die vielen angeschlagenen und verletzten Spieler», sagt Schneider und beginnt aufzuzählen: Dennis Hediger, Nino Ziswiler, Nicolas Hunziker, Grégory Karlen, Matteo Tosetti, Timo Righetti, Chris Kablan, Stefan Glarner und Levin Wanner fehlten zuletzt gegen St. Gallen verletzt, angeschlagen oder krank.

Saleh Chihadeh, der von Kriens verpflichtete Offensivakteur, musste zudem am gleichen Tag im Test gegen seinen Ex-Club nach 17 Minuten angeschlagen ausgewechselt werden. Es ist ein beachtliches Lazarett, das sich beim FC Thun schon vor dem Saisonstart versammelt hat, und anstatt in einem Testspiel in der Halbzeit die gesamte Mannschaft auswechseln zu können, um möglichst vielen Spielern Einsatzzeit zu geben, sah sich Schneider schon früh zum Improvisieren gezwungen. Mit Simon Loosli, Nicolas Boss, Jerôme Läubli, Jerôme Bäriswyl, Joel Fuhrer und Yama Sherzad nominierte er in den Testspielen zahlreiche Nachwuchsakteure der U-21 oder gar der U-18-Equipe, die in der Regel gar nie mit der ersten Mannschaft trainieren, geschweige denn zum Einsatz kommen.

Der 19-jährige Ahmed Hiran, der sich zurzeit im Probetraining für die zweite Mannschaft befindet, kam ebenfalls in zwei Partien zum Einsatz. «Wenn man das Ganze betrachtet und die Umstände kennt, werden die schlechten Resultate in den Testspielen schon erklärbar», sagt Schneider, der sich darob aber nicht aus der Ruhe bringen lässt. «Wären immer alle fit gewesen, wäre unser Vorbereitungsprogramm perfekt aufgegangen. Aber das gibts. Verletzungen gehören dazu.»

Keine Experimente mehr

Morgen Samstag absolvieren die Thuner in Divonne-les-Bains knapp 20 Kilometer nördlich von Genf auf französischem Boden das letzte Testspiel vor dem Saisonstart eine Woche später zu Hause gegen Xamax. Schneider misst der Partie gegen den Ligue-1-Verein Nizza grosse Bedeutung bei und sagt, dass die Mannschaft, welche gegen die Südfranzosen auflaufen werde, schon ziemlich nahe an die herankommen dürfte, die er dann beim Saisonauftakt in der Super League aufs Feld zu schicken gedenke.

«Jetzt gibt es keine Experimente mehr.» Wie viele Spieler Schneider bis dahin von der langen Verletztenliste wird streichen können, ist offen. Glarner, Kablan und Tosetti sollten jedoch wieder einsatzbereit sein, meint er. «Das gibt uns etwas Luft.»

Berner Zeitung

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