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«Ich wäre wohl besser zu Hause geblieben»

Alex Frei blickt auf seine beiden WM-Teilnahmen mit der Schweiz zurück – auf das Leiden in Südafrika, die Euphorie in Deutschland und Köbi Kuhns Blackout.

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Das bittere Ende des Abenteuers Südafrika: Alex Frei liegt nach dem 0:0 gegen Honduras enttäuscht auf dem Rasen. (25. Juni 2010)
Das bittere Ende des Abenteuers Südafrika: Alex Frei liegt nach dem 0:0 gegen Honduras enttäuscht auf dem Rasen. (25. Juni 2010)
Keystone

Mit der kommenden WM-Endrunde wird sich der Schweizer Rekordtorschütze Alex Frei intensiv beschäftigen. «Es ist spannend zu sehen, welche Tendenzen sich abzeichnen», sagt der Sportchef des FC Luzern, der im April 2013 seine Karriere als Spieler beendete. Zweimal war Frei an der WM dabei. Die Dimension, die Bedeutung, er erinnert sich an jedes Detail: «2010 war die WM auf einem anderen Kontinent, weit weg von zu Hause. Nach dem 1:0 gegen Spanien war im Team eine Euphorie zu spüren gewesen, die dann aber schnell einmal abflachte. Ich hatte das Gefühl, dass nach der Niederlage gegen Chile nicht mehr jeder daran glaubte, Honduras 2:0 schlagen zu können.»

Für Frei persönlich war das Projekt Südafrika vom ersten Tag an alles andere als wunschgemäss verlaufen. Im letzten Training vor dem Abflug hatte er sich am Knöchel verletzt. «Ich hoffte, innerhalb von zehn Tagen wieder fit zu werden», sagt er. Das Comeback im zweiten WM-Spiel endete aber frühzeitig. Behrami sah Rot, Frei wurde noch vor der Pause aus taktischen Gründen ersetzt. Bis zum enttäuschend frühen Out in der Gruppenphase kam er auf lediglich 63 Einsatzminuten.

Dass er sich 2010 als Captain erst spät einmal zur allgemeinen Lage äusserte, interpretierten zahlreiche Kommentatoren als Separatismus aus unlauteren Gründen, Frei aber widerspricht: «Ich sah den Sinn dahinter nicht ganz, täglich Wasserstandsmeldungen über meinen Fuss abzugeben. Wenn ich mir nochmals alles durch den Kopf gehen lasse und analysiere, komme ich jedoch zu einem klaren Ergebnis: Ich wäre wohl besser zu Hause geblieben. So wie es mir mein Bauchgefühl immer sagte.»

Er habe vor vier Jahren zu viele Ratschläge befolgt. Verbittert ist der Rekordtorschütze wegen seines missratenen letzten Turniers nicht: «Nachtrauern muss ich dieser WM nicht. Vielleicht hat es einfach so sein müssen.»

Zuerst wunderbar, dann sonderbar

Zu Gast bei deutschen Freunden war Frei vor acht Jahren. Von den Festwochen im Nachbarland ist vor allem das Positive haften geblieben: «Die tolle Atmosphäre im Land hat sich auf das Team übertragen. Freude, Spass, Enthusiasmus, tolle Spiele. Die Konstellation war eigentlich überragend.» Nach dem torlosen Auftakt gegen Frankreich versetzte die SFV-Auswahl mit einem 2:0 gegen Togo rund 50'000 Schweizer Fans in Dortmund in Ekstase und stiess wenige Tage später durch ein 2:0 über Südkorea in die Achtelfinals vor.

Frei traf in zwei von drei Spielen der Vorrunde. Eine wunderbare Geschichte bahnte sich an, bis Köbi Kuhn in Köln gegen die Ukraine in der 117. Minute beim Stand von 0:0 die Übersicht verlor. Er wechselte unmittelbar vor dem Penaltyschiessen ausgerechnet den Elfmeterspezialisten par excellence aus. Das bizarre Ende der Story ist bekannt – alle SFV-Schützen scheiterten. Mit seinem unverständlichen Entscheid beschleunigte Kuhn das Desaster. «Zunächst habe ich gar nicht realisiert, was geschehen ist. Erst als ich auf der Bank sass, fragte ich mich: Warum macht er das?», so Frei.

Noch heute betont der frühere Nationalstürmer aber ohne das geringste Zögern, dass er seinem ehemaligen Nationaltrainer und Mentor keinerlei Vorwürfe mache und ihm den sonderbaren Strategiefehler nicht verüble. «Ich habe es Herrn Kuhn nie persönlich übel genommen. Dazu war unser Verhältnis viel zu gut.» Auch Jahre später kommt Frei kein plausibler Grund für den verhängnisvollen Fehler in den Sinn: «Er hatte wohl einen Blackout. Aus heutiger Sicht betrachtet, würde er den Wechsel so wahrscheinlich nicht mehr machen.»

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