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«Ich habe jede Menge seltsame Deals gesehen»

Erich Vogel ist wegen Gehilfenschaft zu Erpressung verurteilt worden. Mit dem Fussballgeschäft aufhören will er deswegen nicht.

Von Thomas Knellwolf und Mario Stäuble
«Mehr als ein Teilsieg»: Erich Vogel nach der Urteilsverkündung am Zürcher Bezirksgericht. Foto: Walter Bieri (Keystone)
«Mehr als ein Teilsieg»: Erich Vogel nach der Urteilsverkündung am Zürcher Bezirksgericht. Foto: Walter Bieri (Keystone)

Erich Vogel, Sie wurden schuldig gesprochen. Ist dieses Urteil das Ende Ihrer Karriere? Mit Sicherheit nicht. Der Fussball wird mich bis ans Lebensende begleiten. Im Moment bilde ich Sportchefs, Trainer und Assistenztrainer aus. Das werde ich beibehalten. Operativ will ich aber sicher nicht mehr tätig sein. Mit 75 musst du dich zurückziehen, die Jungen sollen übernehmen.

Die Niederlage vor Gericht muss wehtun. Das ist keine Niederlage, das ist mehr als ein Teilsieg. Das Gericht ist von 14 Monaten auf 90 Tagessätze herunter­gegan­gen, das sind 80 Prozent. Die Hauptanklagepunkte gegen mich wurden ganz klar verworfen, und es ist ­eigentlich ein Nebenpunkt, der hängen bleibt: dass ich Peter Bozzetti bestärkt haben soll, er solle mehr Geld von Fredy Bickel ver­langen.

Das klingt, als würden Sie das Urteil akzeptieren. Nein. Ich muss nochmals mit meinen Anwälten zusammensitzen. Wir werden schauen, wie es aussieht, wenn wir die Begründung haben.

Hatte Ihr Status als Prominenter einen Einfluss auf das Verfahren? Es ist klar: In allen Zeitungen steht ­immer der Vogel in den Schlagzeilen. Ich glaube aber nicht, dass sich das Gericht dadurch hat beeinflussen lassen. Auch in der Untersuchungshaft hatte ich ­keinerlei Privilegien oder Nachteile.

Ihre Karriere dauert über 50 Jahre. Wie ist es möglich, dass Sie sich trotz Ihrer Erfahrung in eine solche Affäre verwickeln liessen? Ich wollte zwischen zwei ehemaligen Angestellten von mir vermitteln, dies hat das Gericht auch so gesehen. Wenn man mich bittet, einen Konflikt zu schlichten, dann helfe ich selbstverständlich. Hinzu kommt, dass ich beide Seiten vor einer möglichen Erpressung gewarnt habe.

Später warnten Sie nicht mehr, sondern sagten Bozzetti, er solle mehr aus Bickel herausholen. Zuerst glaubte ich, dass sich Bickel und Bozzetti nicht einig werden. Dann war Bickels Anwalt mit dabei, und aus ­meiner Optik sah es nach einem legalen Deal zwischen den beiden aus. Ich konnte mir schlicht nicht vorstellen, dass der Anwalt eine Erpressung zu­lassen würde.

Haben Sie in Ihrer Karriere bereits ähnliche Dinge erlebt? Ich habe jede Menge seltsame Deals gesehen. Wissen Sie, wenn es um Spielerverträge geht, dann wird bisweilen mit gezinkten Karten gespielt. Wenn du einen Spieler hast, von dem du weisst, dass er psychisch womöglich nicht so stark ist, dann sagst du deinem Gegenüber sicher nicht: «Pass auf, der ist ein wenig labil!» Ich erlebte verschiedenste Betrugsfälle, Investoren kamen und hielten ihre Verpflichtungen nicht ein, da gab es viele. Aber einen Fall wie den meinen? Nein.

Geht man heute schneller zum Anwalt? Es hat zugenommen. Früher rief man eher noch an und sagte: Komm, wir setzen uns zusammen an einen Tisch und versuchen, die ganze Sache auszudiskutieren.

Sie sind 75. Warum hören Sie nicht auf mit dem Fussball, wenn er so viel Ärger bringt? Können Sie nicht loslassen? Der Fall hat ja nur indirekt mit Fussball zu tun. Und: Warum sollte ich? Wenn mich Freunde um Hilfe fragen – soll ich dann sagen, nein, ich helfe euch nicht, macht euren Grümpel alleine? Wissen Sie: Ich dränge mich nie auf, es sind ­immer die Menschen, die zu mir ­kommen.

Sie werden kritisiert. Man spricht immer noch vom Strippenzieher Vogel. Was Aussenstehende denken, kann mich nicht allzu sehr interessieren. Sie kennen die Sachlage meistens nicht im Detail.

Macht es Freude, so zu arbeiten? Glauben Sie, man tut mit 75 noch etwas, das keine Freude macht?

Was macht denn diese Freude aus? Du hast eine Vision, ein Ziel, und um dieses zu erreichen, musst du Menschen überzeugen – das finde ich nach wie vor sehr spannend.

Sie sagen, Ihr Image sei Ihnen egal. Gleichzeitig haben Sie gleich zwei Anwälte engagiert und betreiben einen grossen Aufwand für Ihren Prozess. Warum? Es geht mir nicht um meinen Ruf, es geht um mich selber. Das Selbstbild, das ich von mir habe, ist entscheidend. Wenn du 14 Monate kriegst, hast du einiges ­angestellt. Bei einer bedingten Geldstrafe sieht das anders aus. Ich habe Fehler gemacht, die habe ich zugegeben. Die Frage ist nun aber: Sind die Fehler strafbar? Das ist doch eine Herausforderung – und die nehme ich gerne an. Vor allem dann, wenn ich die Vorwürfe als nicht gerechtfertigt erachte. Darum bin ich auch froh, dass das Gericht in weiten Teilen meiner Version der Wahrheit ­gefolgt ist.

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