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Heikle Phase mit Bravour gemeistert

Dominic Wuillemin, Redaktor der Berner Zeitung, schreibt über den FC Thun.

Heute Nacht wird Trainer Urs Fischer auf dem Barfüsserplatz in Basel seinen ersten Titelgewinn feiern. Es ist der vorläufige Höhepunkt seiner Karriere. Und der Beleg, welch schwierige Saison die Oberländer mit dem Derby gegen YB beenden werden. Noch vor einem Jahr mochte sich kaum einer in Thun eine Zukunft ohne Fischer vorstellen. Der Zürcher stand für Kontinuität, für Ruhe, vor allem für Erfolg.

Und dann war er plötzlich fort, mitten in der Saisonvorbereitung.Es kam Ciriaco Sforza. Ein grosser Name zwar, doch nach nur zwei Siegen in zehn Spielen war er bereits wieder Geschichte. Und Thun erneut auf Trainersuche. Punktgleich mit Lugano und dem FC Zürich lag der FCT am Tabellenende.

Lugano oder Zürich: Heute wird eines dieser Teams absteigen.Die Thuner dagegen müssen sich längst nicht mehr mit der Relegation befassen. Es zeigt: Sportchef Andres Gerber hat in der heiklen Phase im Herbst alles richtig gemacht. Weil er mutig genug war, sich frühzeitig von Sforza zu trennen.

Und weil er mit Jeff Saibene den idealen Nachfolger gefunden hat. Was in solchen Phasen schiefgehen kann, beweist der FCZ eindrücklich. Auch er hat zweimal den Coach gewechselt. Mit womöglich verheerenden Folgen.

Jeff Saibene hat den FC Thun in ruhige Gewässer geführt. Mit einem auf den ersten Blick simplen Ansatz: Sein Team sollte wieder zu einem unbequemen Gegner werden. Das ist Saibene gelungen. In der Rückrunde haben die Oberländer nach dem FCB am zweitwenigsten Tore erhalten. Und nur der Serienmeister aus Basel und YB wurden seit der Winterpause weniger bezwungen. Es ist eine Basis, auf der sich aufbauen lässt.

Allerdings boten die Partien Thuns kaum Unterhaltungswert. Zu oft lag das Hauptaugenmerk auf dem Verhindern eines Tores. Es ist legitim, ist ein Trainer erst einmal auf Sicherheit bedacht. Aber gerade von den Heimspielen dürfte fast keines in Erinnerung bleiben. Dabei ist der Klub bestrebt, den Zuschauerschnitt anzuheben. Das wird ihm heuer nicht gelingen.

Und: Verlieren die Thuner gegen YB, haben sie zu Hause so wenig Punkte geholt wie noch nie seit dem Bestehen des neuen Stadions 2011. Zudem wurde die bitterste Niederlage daheim bezogen: im Cupviertelfinal gegen den FCZ. Nun spielen die Zürcher im Final gegen . . .Lugano.

Dem FC Thun steht ein spannender Sommer bevor. Einige Spieler müssen gehen, mit Joel Geissmann und Christian Fassnacht wurden bereits zwei talentierte Akteure aus der Challenge League verpflichtet. Das Gerüst des Teams sollte aber bestehen bleiben. Einzig im Sturm könnte es zu einem gewichtigen Abgang kommen: Der Verkauf von Ridge Munsy oder Simone Rapp wird für Thun lukrativ sein. Auch sie waren einst von unterklassigen Vereinen gekommen.

Die Herkulesaufgabe stellt sich abseits des Rasens. Auch wenn nach jahrelangem Mietstreit diesen Frühling endlich eine Lösung gefunden werden konnte. Als Pächter liegt es künftig am Klub, Geld mit der Stockhorn-Arena zu verdienen. Es ist eine Herausforderung, die deutlich grösser ist als Heimsiege gegen Basel und YB.

Mail: dominic.wuillemin@bernerzeitung.ch

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