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Gestatten: Flüchtling, Kanadier, Bayern-Spieler

Er ist 17 Jahre alt und schon ein Star. Bald spielt Alphonso Davies in der Bundesliga. Es ist die nächste Station eines erstaunlichen Werdegangs.

Blickt einer grossartigen Karriere entgegen: Alphonso Davies.
Blickt einer grossartigen Karriere entgegen: Alphonso Davies.
Getty Images

Kanada. Es ist das Land der Ahornblätter, der Elche, der Mountys und – sportlich gesehen – das Mutterland des Eishockeys. Fussball gehört dabei nicht in die Aufzählung der kanadischen Attribute. Internationale Erfolge der Nordamerikaner sind in dieser Sportart rar gesäht, beinahe inexistent. Nennenswerte Ausrufezeichen waren lediglich die einmalige Qualifikation der Nationalmannschaft für die WM 1986 sowie der Viertelfinaleinzug des Frauen-Nationalteams bei der Heim-WM 2015.

Und nun, gefühlt aus dem Nichts, könnte der Fussball in Kanada bald Hochkonjunktur erleben. In acht Jahren findet die zusammen mit den USA und Mexiko organisierte Weltmeisterschaft in einzelnen kanadischen Stadien statt. Es ist zwar noch ein weiter Weg bis dahin, dennoch ist im Land bereits eine regelrechte Fussball-Euphorie entstanden. Der Hype hat einen bestimmten Namen: Alphonso Davies.

Ein Leben über zwei Kontinente verteilt

Davies ist 17-jährig und ein grosses Versprechen für die Zukunft der kanadischen Nationalmannschaft. Zurzeit spielt er noch für die Vancouver Whitecaps. Zurzeit. Denn bald wechselt der Mittelfeldspieler nach Europa. Sein neues Team ist dabei nicht irgendein kleiner Verein, sondern ein Bundesliga-Club. Und dann gleich der Rekordmeister. Knapp 20 Millionen Euro investiert Bayern München für den Transfer des Teenagers, den ersten Kanadier in der Vereinsgeschichte. Zuerst soll er noch mit der U-23 trainieren, dann aber bald zur ersten Mannschaft stossen. Bei dem ganzen Rummel stellt sich schon die Frage: Wer ist dieses Talent, dieser Junge?

Als Davies auf die Welt kam, war er sogleich ein Flüchtling. Geboren wurde er in einem Flüchtlingslager in Ghana. Seine Eltern waren damals auf der Flucht aus der liberischen Hauptstadt Monrovia, auf der Flucht vor dem Bürgerkrieg. In der Dokumentation «Becoming Canadian: The Alphonso Davies Story» beschrieb seine Mutter Victoria die schwierige Zeit: «Wir hatten nichts – kein Essen, keine Kleidung.»

Sie überstanden die Strapazen. Sechs Jahre nach der Geburt von Alphonso gelang die Reise nach Kanada, in ein sicheres Land. Die Eltern arbeiteten hart, waren täglich ausser Haus. Davies kümmerte sich um seine beiden jüngeren Geschwister, übernahm schnell Verantwortung. Er ging zur Schule und lernte seine Passion, das «Soccer», kennen.

«Der Junge, über den alle reden»

Bereits als Junior stand er im Mittelpunkt. Bei den Edmonton Strikers wurde er als «aussergewöhnlich» angepriesen, schnell wurden erste Zeitungsberichte über das Wunderkind publiziert. Nach der Highschool erhielt er vom MLS-Verein Vancouver Whitecaps, immerhin einem Club aus der höchsten Liga Nordamerikas, ein Stipendium und wurde 2015 in die zweite Mannschaft aufgenommen. Davies bewies sich schnell, wurde zum jüngsten Torschützen der zweithöchsten Liga.

Nur einige Monate später unterschrieb er einen Kontrakt für die erste Mannschaft. Er war nun ein Profi der Major League Soccer. Mit 15 Jahren. Selbstverständlich ist er der Jüngste der Liga.

Seit zwei Jahren dribbelt Davies nun für Vancouver, schiesst Tor um Tor, gewinnt Preis um Preis. Wie gross die Begeisterung um den 17-Jährigen zurzeit ist, zeigt ein kürzlich erzielter Treffer. Im Spiel gegen D.C. United schlängelt sich Davies mirakulös durch vier Gegenspieler und hämmert den Ball aus fast 20 Metern ins Netz. Vancouver verlor zwar die Partie, doch in den sozialen Medien wurde nur noch vom Wunderkind gesprochen. Oder wie es ein US-Kommentator sagte: «Der Junge, über den alle reden.»

Davies' Tor gegen D.C. United. Quelle: Youtube

Im Winter soll er kommen

Kanadier ist Davies erst seit kurzem. Vor einem Jahr erhielt er die Staatsbürgerschaft. Gefühlt gleichzeitig feierte er sein Debüt in der Nationalmannschaft. Beim Gold Cup, dem kontinentalen Turnier der nord- und zentralamerikanischen Nationen, war er mit drei Treffern Torschützenkönig. Doch trotz der Auftritte für die Nationalmannschaft bleibt Davies im Innern ein afrikanischer Flüchtling: «Ich weiss, woher ich komme. Und das werde ich nie vergessen.» Und nun ist er neben Flüchtling und Kanadier bald ein Bayern-Spieler.

Im November wird er 18 Jahre alt, dann könnte er theoretisch bereits zu den Bayern ziehen. Doch ist sein Wechsel noch abhängig vom Abschneiden Vancouvers. Erreichen die Whitecaps das Playoff nicht, stösst er im Dezember dazu. Andernfalls wird er spätestens im Januar nach Europa kommen. Auch wenn das kanadische Talent den Kontinent verlässt, der Hype in der Heimat wird nicht abebben.

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