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Geschick, Glück und ein Geschenk

Die Young Boys siegen in Lugano 4:2. Sie überzeugen diesmal nicht mit Spielfreude, sondern mit Kampfgeist und Effizienz.

Der Fehlstart: Mattia Bottani bejubelt sein Tor zur frühen Lugano-Führung.
Der Fehlstart: Mattia Bottani bejubelt sein Tor zur frühen Lugano-Führung.
Keystone
Zweikampf I: Luganos Davide Mariani im Duell mit Djibril Sow.
Zweikampf I: Luganos Davide Mariani im Duell mit Djibril Sow.
Keystone
Einst Teamkollegen, jetzt Gegner: Alexander Gerndt und Thorsten Schick.
Einst Teamkollegen, jetzt Gegner: Alexander Gerndt und Thorsten Schick.
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Hinter den Young Boys liegt eine Modellwoche, wie man Titel gewinnen könnte. Zuerst siegten sie nach einer wenig überzeugenden Darbietung zu Hause 1:0 gegen den Letzten Sion. Drei Tage später waren sie im Cuphalbfinal gegen Basel in allen Belangen besser, sie dominierten, demoralisierten, demontierten gar den Rivalen beim 2:0-Sieg. Und am Sonntag schliesslich gewannen sie zum Abschluss dieser Festwoche bei endlich wieder milderen Temperaturen im Tessin gegen Lugano 4:2.

Und zeigten sich dabei in mehreren Disziplinen meisterlich. Beispielsweise bezüglich Effizienz. Oder bezüglich Kampfgeist. Und nicht zuletzt bezüglich Moral. «Wir sind nicht gut ge­startet», sagt Captain Steve von Bergen. «Deshalb mussten wir über den Kampf ins Spiel finden und auch mal ein Zeichen setzen.» Sein Trainer Adi Hütter meint: «Es war nur wenige Tage nach dem Cuphalbfinal gegen Basel nicht einfach. Deshalb ist das ein besonders wertvoller Sieg.»

Da Costas Fehler

Wie gegen Sion setzten sich die Young Boys in Lugano in einer Begegnung durch, die sie möglicherweise vor einem Jahr noch nicht siegreich gestaltet hätten. Nach fünf Minuten schon lagen sie 0:1 in Rückstand, nachdem der frühere YB-Stürmer Alexander Gerndt ein Kopfballduell gegen Kasim Nuhu gewonnen und Mattia Bottani mit einem herrlichen Schuss getroffen hatte.

YB geriet in Lugano früh in Rückstand. Quelle: SRF

Aber der Ball rollt und fliegt derzeit für die Young Boys. In Lugano fiel er für sie nach zehn Minuten sogar wie ein Geschenk aus den Händen von David da Costa. Der unsichere Lugano-Keeper vermochte einen wenig gefährlichen Schuss Miralem Sulejmanis nicht festzuhalten, Jean-Pierre Nsame profitierte und traf zum 1:1.

Nsame erhielt sein 10. Saisontor auf dem Silbertablett serviert. Quelle: SRF

In einer aussergewöhnlich harten Partie taten sich die Young Boys schwer, spielerische Akzente zu setzen. Aber sie stiegen entschlossen in die Zweikämpfe, mit dem robusten Sékou Sanogo als Vorkämpfer. Der bereits verwarnte Ivorer hätte sich vor der Pause nicht beklagen können, wenn er nach einem brutalen Foul an Bottani zum zweiten Mal eine Gelbe Karte gesehen hätte. Oder sogar direkt des Feldes verwiesen worden wäre.

Sanogo durfte weiterspielen. Wie auch Teamkollege von Bergen, der Gerndt heftig abgegrätscht hatte – und dafür nicht einmal verwarnt worden war. Kurz vor Ende der ersten Halbzeit erhielt von Bergen dann wegen harten Einsteigens die Gelbe Karte. Zu diesem Zeitpunkte führte YB 2:1, weil Roger Assalé den besten Berner Angriff des Nach­mittags nach kluger Vorarbeit von Djibril Sow und Nsame ab­geschlossen hatte. Es war im Grunde genommen die einzige richtig gute Gelegenheit für die Young Boys in der ersten Halbzeit.

Ein Angriff über die rechte Seite brachte YB die Führung ein. Quelle: SRF

Auch ein Trainersieg

Erstaunlicherweise kehrte Sa­nogo in der zweiten Hälfte aufs Spielfeld zurück. «Natürlich überlegte ich mir, ihn auszu­wechseln», sagt Trainer Adi Hütter. Er redete in der Pause eingehend mit seinem Aggressivleader und ermahnte ihn, die Zweikampfführung weniger rustikal zu bestreiten. «Es spricht für seine Spielintelligenz, ist ihm das gelungen», sagt Hütter.

Zudem habe er am Freitagabend das Bundesligaspiel Gladbach - Bremen (2:2) am TV verfolgt. Da hatte der frühere YB-Spieler Denis Zakaria in der ersten Halbzeit brilliert, das 1:0 erzielt und das 2:0 ein­geleitet, war aber zur Pause stark rotgefährdet ausgewechselt worden. «Gladbach fiel danach aus­einander», sagt Hütter.

Es war also in Lugano auch ein Trainersieg. Adi Hütter scheint derzeit entscheiden zu können, wie es ihm beliebt, seine Massnahmen funktionieren. Auch Sanogo suchte nach dem Seitenwechsel erheblich weniger häufig den engen Körperkontakt. Und die Young Boys schalteten gar früh in den Verwaltermodus, wurden für ihre Passivität aber nicht bestraft.

Im Gegenteil: Thorsten Schick und Leonardo Bertone schossen in der Schlussphase die Tore zum 1:3 und zum 2:4, Marc Jankos Anschlusstreffer blieb folgenlos.

Thorsten Schick mit der vermeintlichen Vorentscheidung. Quelle: SRF

Doch Marc Janko brachte die Tessiner noch einmal heran. Quelle: SRF

Erst Leonardo Bertone machte mit dem 4:2 den Deckel drauf. Quelle: SRF

Schick und Bertone waren von Hütter erst kurz zuvor eingewechselt worden. Und erwiesen sich als Glücksgriffe. Wie Jean-Pierre Nsame, der den angeschlagenen Guillaume Hoarau vorzüglich ersetzte – und an den ersten drei YB-Toren beteiligt war. Auch das passte zu dieser erneut gelungenen Woche der Young Boys.

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