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«So ist es schwierig»

Pierluigi Tami coacht seit zwei Jahren die Grasshoppers. Der 55-Jährige spricht über die Krise, den Abgang von Kim Källström und sein junges Team.

Leeres Stadion, verzweifelter Trainer: GC trägt seine Heimspiele im verhassten Letzigrund vor wenigen Tausend Zuschauern aus.
Leeres Stadion, verzweifelter Trainer: GC trägt seine Heimspiele im verhassten Letzigrund vor wenigen Tausend Zuschauern aus.
Keystone

Steckt GC im Abstiegskampf?

Pierluigi Tami: Es gibt nur zehn Mannschaften in der Super League, bis auf zwei oder drei Teams können alle in den Abstiegskampf involviert werden. Das wissen wir schon.

Wie erklären Sie sich den brutalen Absturz, nachdem GC vor einem Jahr auf Rang 2 stand?

Es gibt viele Gründe. Wir verloren gute Spieler, zudem fehlen uns zwei Säulen, mit denen wir gerechnet hatten. Marko Basic fällt mit einem Kreuzbandriss monatelang aus, Kim Källström verliess uns im Winter. Die Herausforderung ist jetzt, eine neue Balance zu finden.

Das GC-Kader wirkt nicht ausgewogen, und nur mit jungen Fussballern geht es nicht...

. . . das würde ich nicht einmal so sagen. Die Frage ist, ob man eine Entwicklung in der Mannschaft sieht und ob diese positiv ist. Klar ist: Wäre Källström Anfang Januar gegangen, hätten wir mehr Zeit gehabt, zu reagieren und neue Gleichgewichte zu finden. Am Ende des Transferfensters war das dann natürlich schwierig für uns.

Sind Sie enttäuscht von ­Källström?

Ich sprach oft mit ihm, ich kannte seine Gedanken. Und ich bin sowieso nicht der Typ, der zurückschaut. Wäre ich enttäuscht oder sauer, würde das zu viele negative Energie verursachen. Und das können wir nicht ­gebrauchen.

Immerhin ist Munas Dabbur in der Rückrunde leihweise wieder bei GC. Er war in seinem ersten Spiel am Sonntag gegen Sion bei der 0:1-Niederlage gleich Captain. Was sagt das über Ihre Mannschaft aus, in der es offenbar an Persönlichkeiten fehlt?

Ich hätte Numa Lavanchy, der nach Källströms Weggang Captain war, niemals ersetzt. Aber es war sein Wunsch, dass Dabbur das Amt übernimmt. Es ist auch eine logische Lösung, weil Dabbur lange ein wichtiger Spieler bei GC gewesen war, Einfluss nimmt, starke Leistungen zeigt und letzte Saison Ersatzcaptain hinter Källström war. Aber es ist so: Wir haben sehr viele junge Spieler, die wie Lavanchy in der ersten oder in der zweiten Super-League-Saison stehen. Das muss aber nicht bedeuten, dass Persönlichkeit im Team fehlt.

Glauben Sie, dass GC in dieser Konstellation, ohne eigenes ­Stadion und mit schweren ­wirtschaftlichen Problemen, überhaupt eine Zukunft in der Super League besitzt?

Ich weiss, dass sich viele Vereine schwertun mit den Finanzen, da ist GC ja kein Einzelfall. Wie die Zukunft des Vereins aussieht, kann auch ich nicht beurteilen, da gibt es viele Punkte, die man berücksichtigen muss. Ich spreche für den sportlichen Bereich, und da kann ich sagen: Es wäre wünschenswert, würde mehr Kontinuität herrschen. Kürzlich spielten wir in Lugano, und da stand fast kein Spieler bei uns in der Startformation, der letzte Saison in den Auswärtsspielen in Lugano anfing. So ist es schwierig, da muss man ehrlich sein. Wenn man ständig die Spieler wechselt, ist das vor der Saison immer wie eine Wette, ob es denn auch gut kommt.

Mal ehrlich: Wenn Sie diese ­Entwicklung gekannt hätten, wären Sie vor zwei Jahren nicht als U-21-Nationaltrainer der Schweiz zu GC gewechselt?

Nein, nein, ich bin sehr, sehr zufrieden mit meinem Job hier. Als ich im Januar 2015 anfing, war GC auch im Abstiegskampf, damals stand ein grosser personeller Umbruch bevor, letzte Saison spielten wir dann lange vorne mit und begeisterten die Leute. Nun sind unsere jungen Spieler zum Glück langfristig an den Klub gebunden, sie können sich alle noch verbessern und haben ebenfalls ein grosses Interesse daran, auch nächste Saison in der Super League zu spielen.

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