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Einfach nur selbst schuld

Der Hauptgrund für Sepp Blatters Sturz ins Bodenlose ist sein Realitätsverlust. Die Bilanz seiner Amtszeit ist verheerend.

Will nur noch für sich kämpfen: Sepp Blatter während der Medienkonferenz zu seiner Sperre. (21. Dezember 2015)
Will nur noch für sich kämpfen: Sepp Blatter während der Medienkonferenz zu seiner Sperre. (21. Dezember 2015)
Keystone
Das Urteil: Die Ethikkommission verkündete eine achtjährige Sperre gegen Sepp Blatter und Michel Platini.
Das Urteil: Die Ethikkommission verkündete eine achtjährige Sperre gegen Sepp Blatter und Michel Platini.
AFP
Grosszügiger Auftritt in der Heimat als Ehrenbürger im Sommer 2015: Sepp Blatter und das Sepp-Blatter-Fussballturnier auf dem Sepp-Blatter-Fussballplatz in Ulrichen, Wallis.
Grosszügiger Auftritt in der Heimat als Ehrenbürger im Sommer 2015: Sepp Blatter und das Sepp-Blatter-Fussballturnier auf dem Sepp-Blatter-Fussballplatz in Ulrichen, Wallis.
Keystone
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Es gab Zeiten, da kokettierte er mit seinem Schweizer Presseausweis und seinem Halbtax. Und er sagte, im Wallis sei er für die Leute nur «der Sepp». Das war sein Versuch, bodenständig zu wirken. Aber das war so bemühend wie lächerlich. Joseph S. Blatter war schon lange keiner mehr aus dem Volk. Er war «Monsieur le Président», der es sich in den präsidialen und royalen Höhen gut gehen liess.

Weil es ihm so gut gefiel, konnte er nicht davon lassen. Er krallte sich an seiner Macht fest und verlor den Bezug zur Realität. Mit jedem Skandal, den er im Amt überstand, hielt er sich für noch unberührbarer. Das machte ihn zum einen blind für die Gefahren und zum anderen unempfänglich für Ratschläge. Kein Wunder, dass es immer einsamer um ihn herum wurde und er nur noch Hofnarren duldete. Jetzt zahlt er dafür, jetzt holen ihn all die alten Geschichten ein: Er wird mit Schimpf und Schande aus seinem Elfenbeinturm gejagt.

Viele waren über die Jahre eng an Blatters Seite gewesen: Mohamed bin Hammam, Jack Warner, Chuck Blazer, Ricardo Teixeira, Jérôme Valcke, natürlich auch sein alter Lehrmeister João Havelange. Besonders bin Hammam hatte mit seinen Beziehungen zum Emir von Katar dazu beigetragen, dass Blatter 1998 überhaupt vom Generalsekretär zum Präsidenten aufsteigen konnte.

Blatter im Geldregen: Archivbilder zeigen die Fifa-Pressekonferenz vom Juli 2015. (Video: Reuters)

Die Geschichte zeigt, dass zu viel Nähe zum Walliser ihnen allen nicht gut bekam. Alle stürzten sie früher oder später ab. Ihr Schicksal nahm Blatter kalt lächelnd in Kauf, um seine eigene Position zu verteidigen und zu stärken.

Es ist typisch, dass er nicht allein untergeht, sondern Michel Platini mit sich reisst. Platini gehörte zu seinem Freundeskreis, wie bin Hammam und Warner, er bekam Blatters Eiseskälte zu spüren, als er begann, selbst Ansprüche auf den Fifa-Thron anzumelden. Blatter wird es nicht trösten, aber wenigstens hat er noch eines geschafft: dass sein heutiger Feind ihn nicht beerben kann.

Blatter redete immer davon, die Mission bei der Fifa sei nicht erfüllt. Die Bilanz seiner knapp 18-jährigen Amtszeit sieht verheerend aus: Sein Ruf ist kaputt, das Ansehen der Fifa, die er immer als seine Fifa ansah, liegt in Trümmern. Und einer ist ganz allein daran schuld: Sepp Blatter.

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