Zum Hauptinhalt springen

Ein Hoch über Genf

FC Thun-Gegner Servette hat schon YB und Basel bezwungen – aber Trainer Alain Geiger sorgt dafür, dass die Bodenhaftung nicht verloren geht.

Jubel beim Aufsteiger: Die Genfer freuen sich über ein Tor gegen den FC Zürich.
Jubel beim Aufsteiger: Die Genfer freuen sich über ein Tor gegen den FC Zürich.
Freshfocus

Als Alain Geiger in die Woche startet, tut er dies mit gutem Gefühl. Er hat einen Sonntag im Letzigrund hinter sich, an dem seiner Mannschaft Bemerkenswertes gelungen ist: Servette erteilte dem FC Zürich beim 5:0 eine Lektion. Für den Trainer ist es der nächste Beitrag, der hilft, das Ansehen seines Teams in der Liga zu steigern. Mit hörbarer Genugtuung meldet er: «Auch in der Deutschschweiz wird positiv von uns geredet, von unserer Art, Fussball zu spielen.» Und: «Die Gegner zeigen Respekt, sie wissen: Servette ist gut.»

Die Genfer sind die Neulinge der Liga, das schon. Und doch redet kaum jemand von einem Aufsteiger, weil Servette eben Servette ist, ein Club mit einer Geschichte aus ganz vielen Episoden, wunderbaren wie trostlosen. Servette ist siebzehnfacher Meister und siebenfacher Cupsieger, Servette ist aber auch schon finanziell kollabiert und in den Niederungen des Amateurfussballs verschwunden.

Präsidiales Lob für Geiger

Gegen Ende des Jahres 2019 präsentiert sich der Verein in guter Verfassung. Die Wolken haben sich verzogen, ein Hoch herrscht über Genf, und es soll dauerhaft bleiben. Das freundliche Klima hat viel mit Didier Fischer zu tun, einem lokalen Unternehmer, einem Weinliebhaber und leidenschaftlichen Segler. Der Präsident stieg vor viereinhalb Jahren ein, als Servette ein weiteres Mal der Ruin drohte. Und fand Lösungen. Konkret: Geldgeber. Zur grossen Stütze wird die Stiftung des verstorbenen Rolex-Gründers Hans Wilsdorf.

Nach dem nächsten Neustart 2015 in der Promotion League beträgt das Jahresbudget vier Millionen Franken, in der Super League sind es zwölf für die erste Mannschaft. Die Finanzierung ist mindestens für drei Jahre garantiert. Seit Sommer 2018 hat Alain Geiger als Coach das Sagen, ein Mann mit Vergangenheit bei Servette und einer Karriere, zu der auch 112 Länderspiele gehören. Er führt die Genfer zurück in die Erstklassigkeit und liefert «super Arbeit» ab, so formuliert es Präsident Fischer.

Geiger gefällt ihm mit seiner unaufgeregten und doch direkten Art. «Er verkörpert für mich den echten Walliser: aufrecht, authentisch, keiner, der irgendwelche Spielchen spielt», sagt Fischer und vergisst nicht zu erwähnen: «Stur kann er auch sein. Nur ist das kein Problem. Wenn wir miteinander diskutieren, weiss jeder von uns, woran er beim anderen ist.»

Servette hat nach YB auch den FC Basel besiegt, Servette kann im besten Fall auf Platz 4 überwintern. Das schürt Erwartungen. Geiger aber spricht unverändert vom primären Ziel, den Abstieg zu vermeiden. Nur: Er spürt auch, dass sich in der Region einiges bewegen lässt. Und er hat selber auch seinen Stil angepasst. Früher neigte er als Trainer zur Vorsicht. Inzwischen geht er Risiken ein, weil er sich sagt: «Du wirst eher gewinnen, wenn du etwas wagst. Und die Spieler dazu, die haben wir.» Einer von ihnen ist erst seit kurzem dabei, ist Südkoreaner und heisst Jung-bin Park. Der 25-Jährige debütierte am 23. November beim 2:0 gegen Basel – und begeisterte in seinem zweiten Einsatz beim 5:0 in Zürich mit drei Toren.

Kein Champagner in der Kabine

Die Auftritte werden honoriert vom Publikum. Der Zuschauerschnitt bei Heimspielen beträgt 7716, «und im Frühjahr wird die Zahl steigen», versichert Fischer. Als er am Sonntag zum Volksfest Fête de l’Escalade eingeladen war, spürte er, dass Servette wieder im Trend ist. Regierungsvertreter zeigten ihr Interesse, und als um 16 Uhr der Match in Zürich anfing, sassen viele von ihnen vor dem Fernseher. Und ein klares Signal sind auch die Zahlen aus der Fan-Boutique neben dem Stade de Genève. Im Mai wurde sie eröffnet, Ende November war der bis Ende Dezember budgetierte Umsatz schon um das Vierfache übertroffen.

Bedenken, dass deswegen dem einen oder anderen der Kopf verdreht wird, hat Fischer nicht. «Wir haben eine gesunde Gruppe beisammen. Nach einem Sieg wird nicht gleich Champagner in der Kabine ausgeschenkt», sagt er, «und wir haben einen Trainer, der schon dafür sorgt, dass alle mit beiden Beinen auf dem Boden bleiben.»

Dieser Artikel wurde automatisch aus unserem alten Redaktionssystem auf unsere neue Website importiert. Falls Sie auf Darstellungsfehler stossen, bitten wir um Verständnis und einen Hinweis: community-feedback@tamedia.ch