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Ein Denkzettel

Das Nationalteam der Frauen hat im letzten Testspiel vor der EM gegen England die Grenzen aufgezeigt bekommen und deutlich 0:4 verloren. Es fehlte an Routine und Handlungsschnelligkeit.

Englands Stürmerin Jodie Taylor kämpft gegen die Schweizer Verteidigerin Noelle Maritz um den Ball.
Englands Stürmerin Jodie Taylor kämpft gegen die Schweizer Verteidigerin Noelle Maritz um den Ball.
Keystone

Noch bleibt etwas Zeit für Experimente, dachte sich die Schweizer Nationaltrainerin Martina Voss-Tecklenburg vor dem Länderspiel gegen England. Warum also nicht knapp fünf Wochen vor ­Beginn der Europameisterschaft in Holland (ab 16. Juli) einige ­junge, unerfahrene Akteurinnen testen, wie sie sich gegen eine Auswahl von Weltklassespielerinnen aus der Affäre ziehen?

Also verzichtete die Deutsche Trainerin im Test gegen den Dritten der Weltrangliste und Halb­finalisten der letzten Weltmeisterschaft zunächst auf etliche routinierte Stammkräfte, wobei Führungsspielerinnen wie Stürmerin Ramona Bachmann (an­geschlagen) oder Mittelfeldre­gisseurin Lara Dickenmann (geschont) gar nicht erst im Kader ­figurierten.

«Ich weiss, was ich an den routinierten Spielerinnen habe, deshalb war dieser Test eine gute Möglichkeit und eine tolle Erfahrung für die Jungen», sagte Voss-Tecklenburg.

Bei brütender Hitze in der Bieler Tissot-Arena hielten die Schweizerinnen zunächst erstaunlich gut mit. Immerhin trat England, das zu den Topfavoriten bei der EM gehören wird, praktisch in Bestbesetzung an. «Die ersten 20 Minuten ­waren ganz okay, danach wurden uns aber die Grenzen brutal ­deutlich aufgezeigt», erklärte Voss-Tecklenburg nach dem Spiel.

Immer wieder vertändelten die Schweizerinnen nach der guten Startphase in gefährlichen Positionen den Ball, liessen sich wie die Emmentalerin Lia Wälti in waghalsige Dribblings ein oder spielten haarsträubende Fehlpässe.

Vor allem punkto Handlungsschnelligkeit und Antizi­pationsvermögen trennten die Teams, je länger die erste Halbzeit dauerte, Welten. Zu vif und athletisch präsentierten sich die Britinnen, die mit einem hochverdienten 2:0 in die Halbzeit gingen – bei beiden Gegentreffern sah die Defensive der Schweizerinnen alles andere als gut aus.

Mehr Routine nach der Pause

Nach der Pause beorderte Trainerin Voss-Tecklenburg zwar drei routinierte Akteurinnen auf den Platz. Aber trotz der Präsenz von Caroline Abbé, Vanessa Bürki (beide Bayern München) und ­Fabienne Humm (FC Zürich) ­änderte sich das Geschehen vorerst nicht. England bestimmte den Rhythmus, die Schweizerinnen hechelten den Gegnerinnen in der Regel hinterher.

Erst als die Gäste nach dem 4:0 nach einer Stunde das Tempo merklich ­drosselten und die Schweiz mit Mar­tina Moser (Hoffenheim) und ­Vanessa Bernauer (Wolfsburg) zwei weitere ausland­erfahrene Spielerinnen einwechselten, glich sich das Geschehen aus, ohne dass die Einheimischen aber zu grossen Chancen kamen.

«Müssen Lehren ziehen»

«Aus dieser Partie können wir im Hinblick auf die Europameisterschaft sehr viele Lehren ziehen», sagte die Langnauerin Lia Wälti nach dem Spiel. Trainerin Voss-Tecklenburg hieb in die gleiche Kerbe: «Es ist uns nicht gelungen, unter Druck die nötigen Lösungen zu finden. Das müssen wir nun genau analysieren und in den nächsten Wochen verbessern.»

Fazit: Die junge Garde der Schweizerinnen kann mit der europäischen Spitze noch nicht ganz mithalten, erhielt eine Art Denkzettel. Insofern hat sich das Experiment von Nationaltrainerin Voss-Tecklenburg durchaus gelohnt. Sie dürfte in Holland die etablierten Spielerinnen for­cieren.

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