Drmic, der neue Trainer und die Ungewissheit

Nationalstürmer Josip Drmic ist in Leverkusen nur zweite Wahl. Er findet nicht, dass das für ihn ein Nachteil sein muss, wenn die Schweiz am Montag England empfängt.

Schwierige Situation: Nationalstürmer Josip Drmic ist bei Bayer Leverkusen nur zweite Wahl.

Schwierige Situation: Nationalstürmer Josip Drmic ist bei Bayer Leverkusen nur zweite Wahl.

(Bild: Keystone)

Ueli Kägi@ukaegi

Vladimir Petkovic steht an diesem Donnerstagmorgen auf dem Trainingsplatz in Freienbach mitten zwischen seinen Spielern. Er erklärt und treibt an, nimmt die Spieler wieder zu sich und lässt sie erneut laufen. Ziemlich lange geht das so mit diesen taktischen Übungen. Und weil er seine Formationen immer wieder umstellt, kommt bestimmt kein Spieler in die Komfortzone.

Es kann in diesen Tagen niemand so richtig wissen, wer am Montag wo spielt, wenn die Mannschaft in ihrem ersten EM-Qualifikationsspiel auf England trifft im Basler St.-Jakob-Park. Gut, einige Dinge sind klar: Sommer ist die neue Nummer 1 im Tor. Lichtsteiner und Rodriguez verteidigen kraft ihrer Qualität auf den Aussenpositionen. Inler ist der Captain, Behrami dürfte gesetzt sein. Und Shaqiri wird irgendwo spielen. Nur: Wo? Es kann rechts im Mittelfeld sein, aber auch im Zentrum. Theoretisch sogar links.

Wer spielt wo?

Was Petkovic mit Shaqiri vorhat, hat Einfluss auf viele andere Positionen. Und dem Coach bleiben einige Optionen, gerade im vorderen Bereich. Xhaka trainierte am Donnerstagmorgen im defensiven Mittelfeld, an der WM allerdings hatte er im offensiven Zentrum oder auf der rechten Seite gespielt. Kasami ist vielseitig – und überall wuchtig. Mehmedi kann zurückhängend oder auf dem Flügel stürmen. Stocker ebenso – er war zuletzt aber bei Hertha nicht einmal zweite Wahl. Seferovic ist am ehesten eine 9, Drmic kann eine 9 sein, aber auch eine 11. Und dieser Josip Drmic sagt nun auch: «Jeder von uns ist gespannt auf die 1. Aufstellung.» Weil: «Neuer Trainer, neue Ideen, neue Ansichten, neue Spieler.»

Drmic selbst hat gerade ein paar schwierigere Tage hinter sich. In der vergangenen Saison war er der grosse Aufsteiger der Bundesliga gewesen mit 17 Toren für Nürnberg. Für rund 7 Millionen Euro wechselte er auf diese Spielzeit hin zum Champions-League-Club Leverkusen – und ist nun dort zweite Wahl. Wenn er zum Einsatz kam, dann kurz.

Die Enttäuschung in Leverkusen

Der Stürmer hat gewusst, auf was er sich einlässt mit seinem Transfer. Er hat gewusst, dass die Konkurrenz in der Offensive stark ist mit Kiessling, 14-Millionen-Euro-Einkauf Calhanoglu, Son und Bellarabi. Ihm war klar, «dass das Niveau höher ist als in Nürnberg» und dass er sich im neuen Umfeld mit dem neuen Trainer zuerst auch zurechtfinden muss. Erwartet aber hat er trotzdem mehr. Deshalb sagt er: «Dass ich auf der Bank sitze, statt auf dem Rasen zu stehen, ist enttäuschend.»

Aufdrängen will er sich, wenn er dann zurück ist in Leverkusen, und «zeigen, dass ich in die Stammformation gehöre». Dass er jetzt aber mit Nachteilen in die Vorbereitung des England-Spiels geht, das glaubt er nicht. Die Spielpraxis fehle ihm nicht, nur weil er im Club wenig Einsätze erhalten habe, die WM sei ja noch nicht so lange her. Und beweisen müsse er sich bei Petkovic auch nicht mehr. Er sagt: «Jeder weiss, was Josip Drmic kann.»

langenthalertagblatt.ch/Newsnetz

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