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Dringender Handlungsbedarf beim FC Thun

Nach dem 1:2 bei Servette macht Trainer Marc Schneider unmissverständlich klar, dass sich Thun in der Winterpause verstärken muss. Gelingt das nicht, rückt der Ligaerhalt in weite Ferne.

Nicht zum Hinsehen: Marc Schneiders Schützlinge geben in Genf eine 1:0-Führung aus der Hand.
Nicht zum Hinsehen: Marc Schneiders Schützlinge geben in Genf eine 1:0-Führung aus der Hand.
Pascal Muller/freshfocus

Nein, es ist nicht der Moment, um diplomatische Töne anzuschlagen. Die Niederlage bei Servette fällt zwar knapp aus, ein 1:2 liest sich nicht gerade wie eine Ohrfeige für Thun. Aber da ist eben auch eine Leistung, die Marc Schneider mit dem ernüchternden Satz zusammenfasst: «So reicht das nicht.» Und er meint damit: So reicht das nicht, sich aus der misslichen Lage am Tabellenende zu befreien.

Schneider ist der Trainer, der sich in den letzten Wochen viele Gedanken machte. Der immer wieder versicherte, er sei überzeugt, dass er Lösungen finde. Der aber doch gegrübelt hat, vielleicht auch gezweifelt: Liegt es an mir? Habe ich alle Mittel ausgeschöpft? Wie kann ich neue Impulse geben?

Er hat sich solche Fragen gestellt. Aber gleichzeitig hat er auch gespürt, dass es ihm nicht an Energie oder Kampfeslust mangelt. Und darum versichert er an diesem Samstagabend: «Wir werden alles unternehmen, um die Wende zu schaffen.»

Verstärkungen, sonst...

Dafür braucht es aber neues Personal, also: Spieler, die das Kader nicht ergänzen, sondern verstärken. «Wenn es gelingt, solche Transfers zu tätigen, kommen wir da raus», sagt er, «wenn nicht...» Eine kurze Pause, bevor er fortfährt: «Wir müssen uns nichts vormachen: Wenn wir nichts machen, steuern wir auf die Challenge League zu.»

In Genf halten die Thuner bis zur Pause ein 0:0. Es ist ein gutes Resultat für ein Team, dessen Limiten schonungslos aufgedeckt werden, erst recht in dieser Zusammensetzung. Neben Dennis Hediger, Stefan Glarner, Grégory Karlen und Nicola Sutter hat sich auch Miguel Castroman verletzt abgemeldet. Servette nähert sich dem 1:0, scheitert aber mehr als einmal an Thuns Goalie Guillaume Faivre – und wird nach der Pause überrascht.

Die Berner Oberländer bringen 50 Minuten keinen ernsthaften Abschluss zustande, aber trotz Harmlosigkeit gehen sie in Führung. Angesichts des spielerischen Potenzials hat die Entstehung des Treffers eine gewisse Logik: Freistoss Matteo Tosetti, Kopftor Nikki Havenaar. An der Seitenlinie denkt Schneider: «Wenn wir konzentriert verteidigen, kann das etwas werden mit drei Punkten.»

Aber: Die Thuner begehen in der Defensive Aussetzer, als könnten sie sich diesen Luxus leisten. Vor dem 1:1 verliert Roy Gelmi den Genfer Steve Rouiller aus den Augen; danach bringt Sven Joss seinen Gegenspieler Alex Schalk aus dem Gleichgewicht und verursacht einen Elfmeter. Schalk verwertet zuerst, muss aber noch einmal anlaufen, weil ein Kollege den Strafraum zu früh betreten hat. Die Nerven behält er auch im zweiten Duell mit Faivre.

Hediger: «Viele Baustellen»

Eine Reaktion bleibt aus. Und die Suche nach Gründen mündet immer wieder in der Erkenntnis, dass Qualität und Selbstbewusstsein nicht genügend gross sind. Und: Es fehlt ein Chef auf dem Platz, einer, der die Mannschaft zusammenhält und mutig vorangeht. Einer wie Dennis Hediger halt. Seit Februar ist er nicht mehr dabei und ist doch ein Dauerthema, weil bei den Thunern keiner so vermisst wird wie er. In Genf sitzt er auf der Pressetribüne, leidet einmal mehr mit und betont hinterher: «Es gibt nichts schönzureden. Wir haben viele Baustellen.»

Schneider ist froh, «dass dieses Jahr nun zu Ende ist». Bis zum 3.Januar will er durchatmen, die Zeit aber auch nützen, um mit der Clubleitung über die Möglichkeit von Transfers zu diskutieren. Liebend gern würde er Hediger zum Auftakt in die Vorbereitung auf die zweite Saisonhälfte begrüssen, aber der Captain steht nach seinem Kreuzbandriss vor intensiven Therapietagen. Und wenn die Schmerzen nicht nachlassen, muss er sich im Januar noch einmal einem Eingriff unterziehen.

Einfluss nehmen will er trotzdem, und sei es nur, indem er den Kollegen in Erinnerung ruft, wie sehr sie gefordert sind. «Ich gehe nicht davon aus, dass die Spieler in die Ferien gehen und sich keine Gedanken zur Situation machen», sagt Hediger, «jeder muss sich bewusst sein, dass er einen Beitrag leisten muss, damit wir den Ligaerhalt erreichen.»

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