Die Stimmen der YB-Fans

Brian Ruchti und Simon Klopfenstein sind YB-Fans – bloss wortgewandter, schlagfertiger, witziger und emotionaler als viele andere. Das leben sie seit drei Jahren mit Radio Gelb-Schwarz (RGS) aus.

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Claudia Salzmann@C_L_A

Sieben Jahre standen sie in der YB-Fankurve im Sektor D, heute stehen Brian Ruchti und Simon Klopfenstein im Medienbereich und kommentieren auf Radio Gelb-Schwarz möglichst jedes Spiel der Young Boys. Auswärts reisen die beiden Fans kaum mehr im Fanzug, weil zwischen der Ankunft des Zuges und dem Anpfiff immer weniger Zeit bleibe. Für die Moderatoren sei die Zeit zu knapp, um ihr Equipment aufzubauen. Auch ist ihnen das Vorprogramm, die Sendung vor dem Spiel, sehr wichtig.

Manchmal vermissen sie die Kurve und verspüren das Bedürfnis, sich wieder einmal ein Spiel vom Sektor D aus anzuschauen. Doch den Kontakt zu den Fans haben sie nie verloren. «Lieder singen wir auch am Radio und wir haben viele Freunde in der Kurve», erzählen die beiden 23-Jährigen.

Freunde aus Kindertagen

Trifft man die Hobbymoderatoren nicht im Stadion, in der Halbzeit oder zu Hause, sind sie in der Nationalbibliothek, über ihre Bachelorarbeit gebeugt. Beide studieren Geschichte mit Recht im Nebenfach. Im zweiten Nebenfach belegt Simon Soziologie und Brian Englisch.

Sie kennen sich von früher, wuchsen in Nachbardörfern auf, Simon auf dem Bramberg bei Neuenegg und Brian in Laupen. Heute wohnen die YB-Fans in Bern, Brian in einer 2er-WG im Breitsch, Simon mit seiner Freundin – einer Baslerin – im Weissenbühl. Neben Fussball bleibe zwar wenig Platz für anderes, doch Brian spielt Rugby und Simon kocht gerne. Ausgang ist kein grosses Thema für sie.

Leidenschaft der Debatte

Auch wenn sie studieren, haben sie das Campusleben wegen YB ein wenig verpasst, dafür werden sie von ihren Dozenten erkannt. Ob ihr Leben ohne YB anders aussehen würde? «Vielleicht würde ich in Amerika studieren», sinniert Brian, der neben dem Schweizer Pass auch den amerikanischen und irischen besitzt.

Was sie verbindet, ist die Freude am Debattieren. «Die Zeit des klassischen Spielmachers ist vorbei», erzählt Brian im Interview. Sofort widerspricht Simon: «Noch nicht, das wird noch einige Jahre dauern». Ihre Diskussionen können Stunden dauern, sind oft hitzig, aber verlaufen stets getreu ihrem Motto: «Parteiisch, aber fair». Nicht nur unter sich diskutieren sie, sondern auch mit anderen, beispielsweise mit YB-CEO Ilja Känzig. Lachend erklären sie ihr Fernziel: «Wir wollen einen schlauen Transfer initiieren, der so richtig einschlägt».

Galgenhumor und Witz

Dank ihrer interaktiven Sendung, den Emotionen, ihrer Spontantität und dem fussballerischen Know-How geniessen die beiden Studenten bei den Fans Kultstatus. Auf Facebook zählt RGS 2325 Fans. Wer sich je eine Übertragung angehört hat, der weiss, Fussball ist ihr Leben, ihre Leidenschaft, ihre Elixier. «Unsere Sendung lebt von Improvisation, aber dafür bereiten wir uns gewissenhaft vor», erklärt Simon Klopfenstein. Erst mit akribischer Vorbereitung könne man das Unbekannte und Überraschende in Worte fassen. Doch nicht nur was auf dem Fussballplatz geschieht, erzählen sie, sondern versuchen im Reportagestil alle Sinne anzusprechen. Das grösste Kompliment sei, wenn ihnen ein Hörer schreibt: «Ich fühlte mich, als wäre ich im Stadion.»

Seit Dezember hat YB Winterpause, nicht so Ruchti und Klopfenstein: Sie holen sich neue Ideen in ausländischen Ligen und fremdsprachigen Moderationen. «Schön ist es, wenn man in den ‹Flow› kommt», erzählt Simon. Beide sagen von sich, dass sie keine Witze erzählen können. Dennoch sind sie bekannt für ihren Witz: «Unser Humor ist nie geplant und nie gesucht. Humor soll ein Nebenprodukt des Spiels sein.» Fussballerische Enttäuschungen mussten sie in den letzten Jahren so manche hinnehmen, was sie mit Galgenhumor zu überspielen versuchen. Aber sie sind sich einig: «Fussball ist ein Spiel und muss ein Spiel bleiben.»

Berner Zeitung

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