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Der Fussball in der Schweiz steht lange still

Ab sofort darf auf keiner Stufe mehr gespielt werden. Für die Profis dauert die Zwangspause bis mindestens Ende April. Was heisst das?

Ob Spitzen- oder Amateurfussball: Gespielt wird in der Schweiz bis Ende April nicht.
Ob Spitzen- oder Amateurfussball: Gespielt wird in der Schweiz bis Ende April nicht.
Urs Flüeler, Keystone

Der Tag, an dem bekannt wird, dass der Schweizer Fussball bis Ende April stillstehen wird, beginnt mit langem Warten. Es ist 15.30 Uhr, als der Bundesrat an die Öffentlichkeit geht und sich deutlich abzeichnet: So rasch kann nicht zur Normalität zurückgekehrt werden.

Der Bundesrat hat ein Verbot für Veranstaltungen mit über hundert Personen bis Ende April verhängt. Und weil Geisterspiele kaum mit weniger Leuten durchgeführt werden können, die Teams mit ihren Betreuerstäben alleine schon auf rund sechzig Personen kommen, ist klar, dass der Swiss Football League (SFL) vom Bundesrat faktisch eine Zwangspause verordnet worden ist.

Sollten die Profiligen Ende April tatsächlich den Spielbetrieb wieder aufnehmen können, werden sie über zwei Monate geruht haben. Es ist eine Unterbrechung länger als jede Sommer- und Winterpause.

Kinder ebenfalls betroffen

Betroffen ist nicht nur der Profibetrieb, die Verordnung macht auch die Durchführung von Partien im Amateurbereich schwierig. Der Schweizerische Fussballverband (SFV) teilt mit, den Spielbetrieb bis auf weiteres vollständig auszusetzen. Dies gilt ab Freitagabend für alle Spiele aller Kategorien und Altersklassen. Zudem wird das Nationalteam nach der Absage des Vierländerturniers in Katar auch keinen Zusammenzug organisieren.

Die SFL schreibt: «Der SFV und die SFL haben ihren Entscheid im Einklang mit der allgemeinen Strategie der Schweiz und nach Rücksprache mit dem Bundesamt für Gesundheit gefällt. Fussball gilt gemäss Einschätzung der Gesundheitsbehörde und der Epidemiologen als eine Mannschaftssportart mit erhöhter Ansteckungsgefahr.»

Was das für die Clubs bedeutet, kann Wanja Greuel erzählen. Der YB-Geschäftsführer sitzt am Freitagnachmittag in seinem Büro im dritten Stock des Stade de Suisse. Er verfolgt das Testspiel der Young Boys gegen den FC Winterthur unten auf dem Rasen im Livestream, als ihn der Entscheid des Bundesrates erreicht. Eilig beruft das Komitee der SFL, dem Greuel angehört, eine Telefonkonferenz ein.

Ziel: Saison zu Ende spielen

Das Gremium einigt sich darauf, dass über die Details des weiteren Vorgehens anlässlich der ausserordentlichen Generalversammlung am Montag beraten wird. Klares Ziel der Liga und ihrer Vereine sei es weiterhin, die Saison bis zum Sommer zu Ende spielen zu können – aus sportlichen Gründen, aber insbesondere auch, weil eine vorzeitige Beendigung der Saison für einige Clubs existenzbedrohend sein könnte.

Schon so trifft es die Vereine hart. Und nicht alle verfügen über ein Polster wie die Young Boys, die dank Einnahmen aus der Champions League und Spielertransfers in den letzten beiden Jahren einen Gewinn von je rund 17 Millionen Franken erwirtschaftet haben. Aber auch Greuel spricht von einer Ausnahmesituationen und davon, dass der Betrieb stillstehe. Der CEO sagt, man überlege sich, Kurzarbeit einzuführen. Seit Freitag sind zudem die Mitarbeiter zu Homeoffice angehalten.

Aus Basel meldet Geschäftsführer Roland Heri: «Wir vertrauen in dieser für alle enorm herausfordernden Zeit auf die bisher gespürte, grosse Solidarität aller dem FCB verbundenen Menschen und bedanken uns bereits im Voraus herzlich dafür.»

Doch was geschieht mit den Spielern? Ausserhalb des Tessins dürfen die Teams weiterhin trainieren. Aber macht das überhaupt Sinn bei einer Wettkampfpause von mindestens sechs Wochen? Der FC Zürich prüft, den Trainingsbetrieb vorübergehend einzustellen. Gleiches gilt für die Young Boys, die ihren Spielern vorab ein freies Wochenende gewähren, mit der Anweisung, möglichst zu Hause zu bleiben, Restaurants und Bars zu meiden und auf keinen Fall ins Ausland zu reisen. Die Berner überlegen gar, dem Team Ferien zu geben. Der Sommer könnte stressig werden.

Constantins Szenario

Denn: Bei den Schweizer Fussballorganen und den Clubs scheint die Überzeugung zu herrschen, dass die Uefa am Dienstag die Verschiebung der EM 2020 bekannt geben werde. Ein Funktionär glaubt gar, das sei bereits beschlossene Sache. Das könnte die Möglichkeit bieten, die Meisterschaft im Mai und Juni zu beenden. Sofern, und das ist derzeit das grosse Fragezeichen, sich die Lage bis dahin deutlich normalisiert hat.

Sion-Präsident Christian Constantin befürchtet, dass ein Abbruch der Saison wie im Eishockey ein realistisches Szenario ist. Auch er geht davon aus, dass die Spieler demnächst in die Ferien geschickt werden («Was sollen wir sonst tun?»), und meldet aus dem Wallis: «Es wird immer komplizierter. Ich befürchte, dass die Pause am 30. April noch einmal verlängert wird und die Meisterschaft nicht zu Ende gespielt werden kann.»

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