Die Optionen des FCB nach dem Streller-Adieu

Marco Streller hinterlässt beim FC Basel eine Lücke, die «sich so nicht schliessen lässt», wie Präsident Bernhard Heusler sagt. Hier die Szenarien, wie es ab Sommer weitergehen könnte.

Einen Stürmer mit seinen Qualitäten zu finden, der bezahlt werden kann, ist schwierig: Marco Streller.

Einen Stürmer mit seinen Qualitäten zu finden, der bezahlt werden kann, ist schwierig: Marco Streller.

(Bild: Keystone)

Oliver Gut

Für Präsident Bernhard Heusler ist am Morgen nach der Rücktritts-Ankündigung klar, was so oder ähnlich ziemlich jedem klar ist, der den FC Basel interessiert verfolgt: «Marco Streller wird eine Lücke hinterlassen, die sich so nicht schliessen lässt.»

So nicht? Oder überhaupt nicht? Gewiss ist: Die FCB-Verantwortlichen machen sich Gedanken darüber, was sein wird, wenn das grosse Adieu zum Saisonende vorbei ist, Streller seinen Platz im rotblauen Geschichtsbuch einnimmt und der Sommer kommt. Klar ist auch, dass die leichter zu beantwortende Frage jene nach dem sportlichen Ersatz ist: Einen Stürmer mit den Qualitäten des gross gewachsenen Captains zu finden, der bezahlt werden kann, ist schwierig. Aber es ist möglich, die fussballerischen Qualitäten des gross gewachsenen Captains aufzufangen.

Dafür steht zunächst das aktuelle Kader – und zuvorderst Breel Embolo. Er hat Streller bereits während dessen Diskushernie stark vertreten. Da sind auch Yoichiro Kakitani und Albian Ajeti, die wichtiger werden könnten. Und da ist Giovanni Sio, der an Bastia ausgeliehen ist, dessen Rückkehr aber nach der jüngsten Entwicklung wahrscheinlicher scheint als auch schon.

Nur: Genügt das? Wenn man sieht, welche Entwicklung Embolo durchgemacht hat, dann kann man auf diese Idee kommen. Aber dass ein 18-Jähriger bei einem Club wie dem FC Basel die Hauptlast im Angriff trägt, wäre ungewöhnlich und mit erhöhten Risiken verbunden: Einem Teenager fällt es womöglich leichter, sein Potenzial abzurufen, wenn er einen Streller vor sich weiss, als wenn er der Hauptverantwortliche im Sturm ist. Die Gefahr, dass ein junger Spieler ein Tief durchlebt, ist immer vorhanden – und sie würde mit grösserer Last nicht kleiner. Das alles unter der Voraussetzung, dass Embolo bleibt. Danach sieht es im Moment zwar aus – doch die Welt kann rasch eine andere sein. Etwa, wenn das grosse Talent nun erst Porto aus der Champions League schiesst und dann in den Viertelfinals für Furore sorgt.

Den anderen drei Angreifern traut man die Rolle als Nummer 2 mehr oder weniger zu. Aber als Nummer 1? Bisher hat weder Kakitani noch Ajeti oder Sio Argumente liefern können, die einen zu diesem Schluss kommen lassen.

Also wird der FCB nach einem eher erfahrenen Stürmer Ausschau halten. Einem wie Mario Gavranovic zum Beispiel, von dem sie im St.-Jakob-Turm einiges halten. Der aber erst gerade aus einem Kreuzband­riss zurückgekommen ist und bei dem man wohl abwarten müsste, wie der Frühling wird.

Andere zentrale Angreifer aus dem erweiterten Kreis der Schweizer Nationalmannschaft, die engagierbar sind, finden sich kaum. Der Einzige wäre Eren Derdiyok. Ein Basler. Aber auch er muss nach einem Kreuzband­riss erst seine Form erlangen – eine Form, die er gefühlt seit Jahren sucht. Also wird er kein Thema sein. Vielmehr ist es möglich, dass am Ende ein Stürmer kommt, der einen ausländischen Pass besitzt.

Frei: Captain oder Ausland?

Was damit keineswegs abgedeckt wäre, ist der Faktor Leader- und Integrationsfigur. Hier den Streller-Abgang vollständig aufzufangen, ist unmöglich. Weniger, weil Sportdirektor Georg Heitz sagt, dass man diesen Rucksack keinem einzelnen Spieler wird umhängen dürfen. Sondern vielmehr, weil es so eine Figur gar nicht gibt.

Was es aber gibt, sind Führungs­persönlichkeiten wie Fabian Frei: Der 26-jährige Vize-Captain liebäugelte bislang mit einem Abgang ins Ausland im Sommer. Nun ist er über Nacht und perspektivisch gedacht beim FCB noch einmal ein schönes Stück wichtiger geworden. Womöglich beeinflusst dies seine Gedanken, stellt er sich vor, dass es je nach Alternativen das Beste wäre, die Zukunft als FCB-Captain zu planen. Er wäre wohl eine gute Lösung für dieses Amt. Was Frei aber bei aller Verbundenheit nicht mitbringt, ist Lokal­kolorit.

Anders als Philipp Degen oder ­Taulant Xhaka, die aber beide bei den Fans unterschiedliche Gefühle wecken. Also schweift der Blick auf Rückkehr-Kandidaten. Nicht zu Ivan Rakitic, der bei Barcelona und damit unerreichbar ist. Aber zu Timm Klose. In Basel aufgewachsen, trägt er Rotblau seit seiner Kindheit im Herzen und ist ein kluger Kopf, der sich auszudrücken weiss. Kurz: Er ist Streller ähnlich – und mit 26 im besten Alter. Das Problem: Der Innenverteidiger des VfL Wolfsburg will zwar zurück zum FCB, aber nicht jetzt. Falls er seine Meinung nicht ändert, ist er frühestens 2016 ein Thema. Dann, wenn sich mit Valentin Stocker ein anderer beliebter Spieler zurücksehnen könnte. Bei Benjamin Huggel genügten schliesslich auch zwei Jahre Frankfurt.

Fragt sich, ob es im modernen Fussball überhaupt noch derartige Typen braucht. Die Erfahrung mit Streller sagt: unbedingt. Weniger wegen der Erfolge. Sondern weil in Zeiten, da ein Fussball-Club ein Entertainment-Unternehmen ist, das Wir-Gefühl sinkt – und durch echte Identifikationsfiguren, die mehr als nur kickende Angestellte sind, konserviert werden kann.

Basler Zeitung

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